Ricarda Funk (Kanuslalom)

Ricarda Funk war nicht nur die erste deutschen Olympiasiegerin von Tokio. Sie war vielleicht auch diejenige, deren Goldmedaille während dieser Zuschauer-losen Tage am meisten glänzte. Nicht, weil ihre Trägerin sie in der tobenden Gischt des Wildwasserkanals erkämpft hatte, sondern weil sie ein wenig Sonnenlicht auf eine Region abwarf, die der Athletin so sehr am Herzen lag. Ein Stück Heimat, das in diesen Tagen doch so sehr vom Schlamm und Dreck, von Schicksalsschlägen und nicht mehr gut zu machenden Fausthieben der entfesselten Natur geschlagen worden war.

Im geschunden Flutgebiet an der Ahr, und das ist das Tragische an dieser ganz persönlichen Geschichte der Ricarda Funk, hatte sie zuvor beste Trainingsmöglichkeiten finden können. Doch ausgerechnet das Wasser hatte jetzt alles zerstört. Nicht jenes, in dem die 29-Jährige die Grundlage für ihren Olympiasieg gelegt hatte. Sondern das fürchterliche, das in wahren Sturzbächen über ihre eigene Region herniedergegangen war und das ganze Dörfer auf Jahre hinaus vernichtet hatte.

Dass ihre Gedanken nach dem Triumph, bei dem sie als drittletzte Starterin noch zweimal hatte zittern müssen, nach Hause gingen in all diesem Gefühls-Wirrwarr, war nur allzu verständlich. Und dass sie das alles noch artikulieren konnte, so kurz nach dem größten sportlichen Erfolg ihrer Laufbahn, war es noch umso mehr: „Es war einfach schrecklich, die ganzen Bilder zu sehen. Mein Mitgefühl nach Hause. Kreis Ahrweiler ist stark und gemeinsam sind wir noch stärker!“ Das ging unter die Haut bei jedem, der es miterlebte.

Ricarda Funk war, nein sie ist ganz bestimmt eine ganz besondere Olympiasiegerin dieses Jahres. Auch weil sie in den Stunden des größten persönlichen Triumphes weniger an sich selbst, sondern an diejenigen dachte, denen die Flut im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen weggerissen hatte. „Ganz viel Kraft, Hoffnung und Liebe“, wolle sie nach Hause senden in diesen Stunden, hatte sie via TV-Studio verlauten lassen. Die Goldmedaillengewinnerin aus dem Hochwassergebiet wäre eine würdige „Sportlerin des Jahres.“

Bild: picture alliance

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