Elisabeth Seitz: „Miss Ellie“ zähmt den Stufenbarren

Drei Tage nach ihrem größten sportlichen Erfolg weiß Elisabeth Seitz für einen Moment gar nicht wohin mit all den Geschenken. In der einen Hand trägt die Turnerin einen Blumenstrauß, in der anderen die Silbermedaille der Stadt Stuttgart. Und auf dem Tisch im Festsaal des Stuttgarter Rathauses steht auch noch eine Torte, ein nachträgliches Geschenk zum 25. Geburtstag. Aber das Wichtigste trägt sie um den Hals und ist aus Bronze. Ja, jetzt hat sie die ersehnte  Medaille, „dieses kleine Ding“, wie sie es liebevoll nennt, auf das sie über Jahre hingearbeitet hat, erturnt an ihrem Lieblingsgerät dem Stufenbarren in Doha.
Es ist die Krönung für die charismatische Turnerin, die mit ihrer Ausstrahlung Kampfrichter und Fans gleichermaßen begeistert. 21 deutsche Meistertitel hatte sie  sie bis dahin gesammelt, am Stufenbarren sogar ein eigenes Element kreiert und seit Jahren gilt sie als die konstanteste Turnerin in der Riege von Bundestrainerin Ulla Koch.  Aber sie hat auch traurige Stunden erlebt wie dem vierten Platz Olympia in Rio, als  Teamkollegin Sophie Scheder von den Kampfrichtern  33 Hundertstel mehr bekam als sie.
Auch eine Entzündung im Bauchraum zu Beginn des Jahres konnte sie nicht aufhalten. Sie kämpfte sich zurück, sicherte sich die WM-Qualifikation und turnte dann in Doha vor den Augen von Mutter Claudia und Bruder Gabriel federleicht und quirlig  um die Holme.  Mit den Trainern hatte sie entschieden, auf eine neu einstudierte Verbindung zu verzichten, die ihr noch 0,2 Punkte mehr gebracht hätte. Der Verzicht auf das Risiko hat sich gelohnt. Sie kam perfekt durch. 14,60 Punkte reichten für Platz  drei. Gerade hat sie mit dem MTV Stuttgart zum siebten Mal in Folge die deutsche Mannschaftsmeisterschaft gewonnen und wurde zur Turnerin des Jahres gekürt.  
Nach  der WM in Katar ist vor den Weltmeisterschaften in Stuttgart. Deshalb spielt die Athletin in Gedanken das kommende Turnjahr mit dem Höhepunkt in ihrer Heimatstadt durch. Manche mögen so was ja als Druck empfinden. Nicht jedoch Elisabeth Seitz, für die Stuttgart eine Zwischenstation auf dem Weg zum Höhepunkt Olympia sein soll.  Auch dort will sie wieder eine Hauptrolle spielen. „Das gibt mir Aufwind, das ist eine tolle Chance, dass wir diese Quali hier haben. Für mich gibt es jetzt nur noch Höhepunkte“, sagt die WM-Dritte.

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