Kanute Sebastian Brendel: Ein „wackliger“ Modellathlet

Im düsteren November sind die Tage trüber und das Wasser im Templiner See bei Potsdam etwas dunkler als zu anderen Jahreszeiten. Sebastian Brendel schreckt das nicht ab. Der dreimalige Olympiasieger steigt täglich in den wackligen Canadier, um über 12 bis 15 Kilometer mit seinem Stechpaddel Wasser zu schaufeln. „Schließlich wollen 4000 Trainings-Kilometer im Jahr erst einmal zurückgelegt sein“, meint der zweifache  Familienvater. Neben Europa-und Weltmeisterschaften  im kommenden Jahr peilt der Bundespolizist vor allem die 1000  Meter bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio an.
In der Kanu-Szene genießt der Mann aus dem Osten großes Ansehen.  Nicht nur, weil er das Stechpaddel so geschickt wie kaum ein anderer schwingen kann. Da würde  sogar Neptun fast ein wenig neidisch beim Zuschauen werden. Der Ausnahme-Kanute ist  beliebt bei Freunden wie auch Gegnern.  Weshalb  ihm  sein brasilianischer Konkurrent  Isaquias dos Santos eines Tages eröffnete: „Ich habe meinen Sohn nach dir benannt. Er heißt Sebastian.“ „Der Kleine ist jetzt anderthalb Jahre alt und ein putzmunteres Kerlchen. Ich habe ihn gesehen, als er ein Jahr alt war“, verrät der „alte“ Sebastian.  
Reichlich Spaß gönnt sich Brendel, wenn Fans oder Athleten anderer Sportarten versuchen, in seinen Canadier zu steigen. „So schnell können die meisten gar nicht gucken, wie sie im Wasser liegen. Turner und alpine Skirennläufer  schaffen es aufgrund ihrer  dafür notwendigen Körperspannung am ehesten, sich im Canadier zu halten.“ Sebastian Brendel erhält als Polizeimeister mit Kindergeld 2900 Euro im Monat. In Saus und Braus kann da eine vierköpfige Familie nicht unbedingt von leben. „Deshalb waren wir auch geschockt, als es im Sommer hieß, dass die Kanuten ihre Dopingproben selbst  bezahlen sollen. Glücklicherweise  fanden wir einen Sponsor der die 27 000 Euro Kosten übernahm.“
Seit 2014 passierte kein Konkurrent mehr die Ziellinie über die 1000-m-Strecke  vor dem 1,92 m großen Modellathleten.  Neben drei Olympiasiegen durfte sich Brendel  auch noch zehnmal als Welt- und zwölfmal als Europameister feiern lassen. Eine Titelsammlung, die er jedoch gut einzuordnen weiß:  „Im Kanu kannst du noch so oft Weltmeister sein.  Da ist jeder Zweitliga-Fußballer trotzdem bekannter.“ Dennoch beteuert der 30jährige: „Ich bin mit der Art Leistungssport, wie ich ihn betreibe,  glücklich.“ Was  Lebenspartnerin Romy und die beiden Kinder Hanna (8) und Edwin (5) genießen. Schon bei der WM 2019 in Szeged (Ungarn) will Brendel sein Können erneut  unter Beweis stellen.

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