Puckjäger für die Ewigkeit

Für Millionen-Zuschauer in Deutschland schimmerte 55 Sekunden vor dem Ende des Olympiafinales  2018 in Gangneung am Ostmeer zwischen Russland und Deutschland der Puck schon leicht goldig. Die Deutschen führten gegen den Rekord-Olympiasieger durch ein Tor des Berliners Jonas Müller mit 3:2. Ereignet sich hier eine Sensation? Der Münchner Danny aus den Birken zog mit seinen Glanzparaden den russischen Stürmern die Zähne. Noch 55 Sekunden zeigte die Uhr. Die Russen mussten eine Strafe absitzen, also nahmen sie ihren Keeper zu Gunsten eines weiteren Spielers vom Eis. Die Uhr schien viel zu langsam zu Laufen.
Kapitän Marcel Goc blickte immer wieder Richtung Zeitmessung, die Sekunden wollten nicht vergehen. Da geschah es, Nikita Gussew schaffte  tatsächlich den Ausgleich. Verlängerung! Jede Minute schien wie eine Ewigkeit, die Russen stürmten, mussten aber die Konter der Deutschen fürchten. Von den zehn Minuten Verlängerung blieben nur noch 19 Sekunden. Da passierte es doch noch. Der Russe Kiril Kapritsow schlenzte bei einem Gewühl vor dem deutschen Tor einfach den Puck hoch und der rutschte unter die Latte. Tor 4:3. Riesige Enttäuschung? „Nein“, sagte Christian Ehrhoff, „es ist der größte Erfolg meiner Nationalmannschafts-Karriere und eine Freude für uns alle.“  Der Berliner Jonas Müller staunt noch immer: „Ich erhalte  aufgrund meines Tores weiterhin Autogrammpost.“
Für zahlreiche Fans in Deutschland ist  die olympische Silbermedaille in einem olympischen Eishockey-Turnier noch immer ein Sensationserfolg. Lediglich 1932 in Lake Placid und 1976 in Innsbruck sprangen zweimal die Bronzemedaillen heraus. In Lake Placid sorgte der einstige Berliner Eishockey-Star Gustav Jänicke für wichtige Tor und 1976 spielte der Bad Tölzer Lenz Funk eine wichtige  Torjäger-Rolle. „In Gangneung  nun wuchs eine ganze Mannschaft über sich hinaus. Es war ein unwahrscheinlicher Zusammenhalt“, lobte der inzwischen in die USA abgewanderte Bundestrainer Marco Sturm. Für den Mannheimer Marcus Kink fußt die Silbermedaille sowie  die Siege bei Olympia 2018  über Weltmeister Schweden und dem 4:3-Halbfinal-Triumph gegen Kanada, „auf unserem ganz besonderem Verhältnis zwischen Trainer und uns, das mehr war als ein Zusammenwirken zwischen  Chef und Spieler“
Zum Abschluss seiner Laufbahn und nach fünf Olympischen Winterspielen durfte der Kölner Christian Ehrhoff (35) die deutsche Fahne bei der Abschlussfeier tragen: „Es war eine ganz große Ehre für mich und ein Höhepunkt in meiner sportlichen Laufbahn.“

Bild: picture alliance

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