Kristina Vogel: Kämpferin und Vorbild der ganz besonderen Art

Fassungslos blickte die Radsportwelt an diesem  26.Juni 2018 in die Lausitz  und nach Berlin. Fast schien es, als stünden alle Räder still. Bei einem Trainingsunfall auf der Betonbahn von Cottbus zog sich die  Weltklasse-Radsportlerin Kristina Vogel schwerste Verletzungen an der Wirbelsäule sowie etliche Brüche zu. Die damals 27jährige wurde sofort ins Unfallkrankenhaus Berlin geflogen, dreimal ins Koma versetzt  und mehrfach operiert.
Vogel war –nomen est Omen –  in ihrer Karriere nie ein „Piepmatz“ gewesen. (Fast) immer hatte sie  erbeutet, was es für einen angriffslustigen Vogel zu greifen gab. Auch beim Start in das Jahr 2018. Die Herrscherin der pfeilschnellsten Disziplinen auf der Bahn triumphierte neun Mal bei neun Weltcupstarts. Auch bei der Bahn-WM in Apeldoorn / NL im Februar und März ließ das  kleine, immer gute Laune versprühende Energiebündel  aus Erfurt, nichts anbrennen und ließ .zwei weitere WM-Titel folgen: WM-Gold Nummer zehn und elf als weltbeste aktive Bahnathletin.  Zudem glänzte im Finale das „goldene Olympia-Duo“ von 2012,  Kristina Vogel / Miriam Welte,  und ließ  der niederländischen Konkurrenz in 32,650 Sekunden keine Chance ließ. Es war ihr vierter gemeinsamer Weltmeisterschaftstriumph. In der Königsdisziplin Sprint setzte sich die Erfurterin  endgültig die Krone auf, als sie im Finale, wie schon bei der WM 2017, die Australierin Stephanie Morton mit 2:1 in die Schranken verwies.
Es war ihr insgesamt elfter WM-Titel,  womit die Doppel-Olympiasiegerin von London und Rio den Rekord der Australierin Anna Meares einstellte.  Zweite weitere Regenbogen-Trikots „wanderten“ in Kristina Vogels Kleiderschrank. Dass es mit der Titelverteidigung und damit dem WM-Titel im Keirin am Ende nicht auch noch klappte, fiel kaum ins Gewicht. Sollte  doch die Karriere der Ausnahme-Athletin auf dem Rad auch nach 18 Jahren Leistungssport noch lange nicht zu Ende sein. So war zumindest der Plan.
Bis zu jenem eingangs erwähnten  26. Juni. Doch auch unter diesen schicksalhaften Umständen  behielt  sich Vogel vor, die Fäden des Geschehens selbst in der Hand zu halten. Sie selbst  bestimmte den Zeitpunkt, an dem sie die Öffentlichkeit über die fatalen Auswirkungen  des folgenschweren Geschehens von Cottbus  informieren wollte. Es war bereits September, als Vogel im Rollstuhl ihre Querschnittslähmung bekannt gab. Klar, bestimmend, auf den Punkt akzentuiert und ohne Selbstmitleid heischend: „Sicher ist es eine Scheißsituation, aber je eher man damit klar kommt, umso schneller kann es besser werden.“ Welch eine unbändige, innere Kraft.  Mittlerweile übt sie sich als Amazone im Rollstuhl-Bogenschießen und bleibt was sie immer war: Ein Vorbild für alle, nicht nur im Sport. Und eine Kämpferin der ganz besonderen Art.

Bild: Hennes Roth

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