Wellbrock: Fünfmal auf dem Podest

Das WM-Zitat aus deutscher Sicht lieferte der überragende DSV-Schwimmer der letzten Jahre – vor allem verantwortlich für die gute Bilanz des „Wasser-Festivals“ in Budapest. „Als Sportler will man sich in bestmöglicher Form präsentieren und bei den Siegerehrungen dabei sein“, so das Motto von Florian Wellbrock. „Und in Budapest bin ich fünfmal an den Start gegangen – und durfte gleich fünfmal eine Siegerehrung miterleben. Zweimal davon wurde sogar die deutsche Hymne gespielt. Das ist immer etwas ganz Besonderes.“

Der Reihe nach: im Freiwasser siegte der Ausnahmeschwimmer aus Magdeburg über 5 km und mit der Staffel. Im 10-km-Rennen schlug er als Dritter an. Vorher waren im Becken Silber (800 m) und Bronze (1500 m) an den 24-Jährigen gefallen. Die Sporthilfe-Athleten wählten Wellbrock stante pede zum besten Athleten des Monats. Und welche Chancen hat er bei der Wahl „Sportler des Jahres“ zum Jahresende? Im letzten Dezember hatte er – hinter Sascha Zverev – die zweitmeisten Punkte ergattert.

Im Hinblick auf weitere Meriten sieht Bundestrainer Bernd Berkhahn durchaus noch  Steigerungspotenzial für seinen besten Schützling – das Erfolgs-Duo vom SC Magdeburg schreibt Sportgeschichte. 2020 hatte der Schwimmer in Baden-Baden die Laudatio auf seinen Coach gehalten. Der wurde zum „Trainer des Jahres“ erkoren.

Der Deutsche Schwimm-Verband fischte insgesamt neun Medaillen aus den ungarischen Gewässern. Brustschwimmerin Anna Elendt gewann Silber über 100 Meter, Lukas Märtens, ebenfalls von Berkhahn betreut, tat es ihr über 400 m Freistil gleich. Im Lupa-See, einer Art karibischen Kleinod am Stadtrand der Magyaren-Hauptstadt (türkisfarbenes Wasser, weißer Sandstrand), gab es für die Würzburgerin Leonie Beck eine weitere Silbermedaille. Im 5-km-Freiwasser musste das Siegerfoto den Ausschlag geben. Last not least sprangen Lars Rüdiger und Timo Barthel vom 3-m-Brett aufs Podest im Synchron-Wettkampf.

Die nächste Location für Wellbrock und Co. liegt in Italien. Rom richtet Mitte August die Europameisterschaften aus. Die Freiwasser-Fraktion darf sich dann an der Mittelmeerküste ins kühle Nass stürzen.   

Bild: picture alliance

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Sommernächte wecken Vorfreude auf Sportler-des-Jahres-Gala

Nicht nur Kreuzberger Nächte sind lang, wie einst von den Gebrüdern Blattschuss besungen, auch die Baden-Badener Abendstunden haben es mitunter in sich. Vom vergangenen Donnerstag bis Sonntag herrschte kurz vor und dann erst recht nach Sonnenuntergang der Ausnahmezustand in der ansonsten so beschaulichen Welterbe-Stadt an der Oos. Die „Baden-Badener Sommernächte“ lockten das Publikum in Scharen in den prächtig herausgeputzten Kurgarten.
Die Besucher erlebten ein Stück „Rückkehr zur Normalität“ und bekamen gleichzeitig einen Vorgeschmack darauf, wie es sein soll am 18. Dezember, wenn die Sportlerin, der Sportler und die Mannschaft des Jahres im dann nach zwei Jahren erstmals hoffentlich wieder vollbesetzten Bénazet-Saal des Kurhauses gekürt werden. In den vergangenen beiden Jahren waren die Auszeichnungen zwar ebenfalls zu Gast an der Oos, standen aber im Zeichen der Corona-Regeln, was eine rauschende Feier mit anschließender Party unmöglich machte.  
Baden-Badens Tourismus-Chefin Nora Waggershauser ist zuversichtlich. „Der Sommer mit großen Open Air Veranstaltungen, wie es sie zuletzt vor zwei Jahren gegeben hat, ist zurück. Baden-Baden ist derzeit mit seinen prachtvollen Gärten – und Parkanlagen erneut die Bühne für musikalische Höhepunkte und genussvolle Open-Air Meilen. Das sommerliche Lebensgefühl hat Einzug erhalten und das kulturelle Leben pulsiert“, sagt sie. „Mit großer Vorfreude schauen wir auch schon in die zweite Jahreshälfte in den Veranstaltungskalender, die Sportler-des-Jahres-Gala 2022 ist nicht mehr weit. Es wäre schön, wenn die Sportler dieses Jahr Baden-Baden wieder mit all seinen Facetten wie zum Beispiel dem traditionellen Christkindelsmarkt erleben dürften, wenn zeitgleich der rote Teppich vor dem glamourösen Kurhaus für die Auszeichnungen des Jahres ausgerollt wird“, wagt Nora Waggershauser einen Blick voraus.
Derweil ist die Sportler-Gala im Kalender des neuen Baden-Badener Oberbürgermeisters Dietmar Späth längst eingetragen. Selbst ein begeisterter Sportler, unter anderem Mitglied der Bürgermeister-Fußball-Nationalmannschaft (das gibt es), wird sich der OB diese Feier kurz vor Weihnachten nicht entgehen lassen.
Ganz im Gegensatz zu den Sommernächten, bei denen Tribute-Bands in der Konzertmuschel vor dem Kurhaus den Sound der Bee Gees, von Roxette, Charles Aznavour und Rod Stewart zum Leben erweckten, werden beim „Sportler des Jahres“ die Protagonisten in persona erwartet. Und alle hoffen, dass die Asse das Familienfest des deutschen Sports im Dezember gemeinsam mit den Besuchern unbeschwert feiern können.

Bild: Daniel Merkel

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Die Tour 25 Jahre „nach Ulle“

Ist das wirklich schon ein Vierteljahrhundert her? 1997: Deutschland im Radsportfieber. Ein Junge aus „Meck-Pomm“, sommersprossig, mit Talent in Hülle und Fülle gesegnet, gewinnt als erster Deutscher die legendäre Tour de France. DAS Ereignis neben Olympia und Fußball-WM schlechthin im Sportkalender. Gut, die Geschichte um Jan Ullrich ist nachher etwas aus dem Ruder gelaufen. Anders, als sich das alle Beteiligten vorgestellt und sicher auch gewünscht hätten. Und jetzt? 25 Jahre später? Am Freitag startet in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen die nächste Auflage der „Grande Boucle“. Nummer 109 inzwischen. Und was ist dieses Mal mit Radsport-Deutschland? Wieder Fieber oder bestenfalls lauwarm?

Wenn die Tour zuletzt in den Schlagzeilen war, dann wegen der Tour de Suisse, wegen Corona-Ausstiegen en masse und der Frage, wer denn nun die deutschen Farben in welchen Rennställen am nachhaltigsten vertreten soll. Und überhaupt kann. Von den deutschen Profi-Equipen, die sich seit dem Einstieg der Magenta-farbenen Kommunikations-Spezialisten als langfristige Nachfolger versucht haben, ist der professionelle Dampf-Ablasser mit Namen Bora Hansgrohe sicherlich der mit dem längsten Atem. Dessen Top-Rider Maximilian Schachmann musste wegen des Virus bei den nationalen Titelkämpfen im Sauerland dem Teamkameraden Nils Politt schon kampflos das Meistertrikot überlassen, rollt aber jetzt zum Start, einem 13-km-Prolog durch das Zentrum Kopenhagens.

Zeitfahrspezialist Lennart Kämna will sich auf dem Weg nach Paris auf den 21 Etappen zeigen, für die Fotografen durfte er sich schon mal im neuen Tour-Outfit des Rennstalls posieren. Dass Bora-Athlet „Emu“ Buchmann in diesem Jahr den Giro und im Herbst die Vuelta der 21-tägigen Frankreich-Rundfahrt, die am 24. Juli traditionsgemäß auf den Champs Elysées enden wird, vorziehen würde, stand schon vorher fest. Der Tour-Vierte von 2019 ist mittlerweile aus dem großen Öffentlichkeits-Focus gefallen. Unverschuldet, zum Teil auch wegen eines frühen Sturzes vor zwei Jahren.

Im Klassement werden keine deutschen Fahrer weit vorn erwartet. Weder in der Endabrechnung noch unterwegs auf der Runde, die den Kletterern entgegenkommt. So wie beim Aufstieg hinauf nach L’Alpe d’Huez ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag.  Das wäre dann eher was für Cofidis-Profi Simon Geschke. Der mittlerweile 36-Jährige würde in einem französischen Rennstall am „quatorze juillet“ (14. Juli) Deutsche und Franzosen gleichermaßen aus dem Sattel reißen, wenn er denn „einen raushaut“. Und wäre am 18. Dezember in Baden-Baden beim „Sportler des Jahres“ ein gern gesehener Gast.

Aber gewiss ist vor dem Start am kommenden Freitag lediglich die Ungewissheit. Die Dänen werden sich zumindest 30 Jahre nach dem unglaublichen EM-Märchen ihrer Urlaubskicker mächtig über die besten Pedaleure der Welt freuen. Über die, die Corona übrig lässt.

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Die Finals – beeindruckendes Event

Da schien sich am Sonntag sogar der Berliner Fernsehturm anerkennend vor den Leistungen der 2200 Athletinnen und Athleten ehrfurchtsvoll zu neigen.  In 14 Sportarten wurden nach interessanten und hartumkämpften Duellen 190 Meister gekürt.  Triathlon-Champion Lasse Lührs lobte nach seinem Sieg auf dem Gelände vor dem Berliner Olympiastadion die Fans: „Ich freue mich über den Sieg auch deshalb, weil durch die mobilen Zielanlage vor dem Stadion etwas ganz Besonderes geschaffen wurde.“

Im Olympiastadion baten die Leichtathleten um Aufmerksamkeit. Auf der blauen Kunststoff-Bahn gab es durch Gina Lückenkemper mit 10,99 Sekunden ebenso eine Topzeit über 100 m zu bewundern wie die 67,10 m im Diskuswerfen der Frauen durch die Potsdamer Olympiazweite Kristin Pudenz. Ziemlich gerührt gestand Sprinterin Lückenkemper unter Tränen: „Eine Zeit von 10,99 ist immer noch etwas Besonderes, da darf man schon einmal heulen.“ Ihren Sieg verdankt die Soesterin nach ihrer Meinung Trainer Lance Braumann, bei dem sie in Florida trainiert. Ihrer Favoritenrolle gerecht wurde Olympiasiegerin Malaika Mihambo. Mit einer Weite von 6,85 Meter flog die dreimalige „Sportlerin des Jahres“ zu ihrem sechsten Meistertitel. Bis zu den Weltmeisterschaften in Oregon/USA (15. bis 24. Juli) bleiben auch noch Zeit für Optimierungen. Dann will auch Bo Kanda Lita Baehre mit dem Stab hoch hinaus. Mit seinem DM-Titel und einer Höhe von 5,90 m scheinen die Aussichten des Düsseldorfers nicht schlecht. Er wusste, warum er über die Matte tanzte und die etwa 10 000 Zuschauer zum Klatschen animierte. Die drittbeste Leistung des Jahres auf der Welt.

An der Eastside-Galerie mit Start vor der beeindruckenden „Oberbaum-Brücke“ zogen die Kanuten und Ruderer reichlich Gold aus dem Wasser der Spree. Aus dem neuformierte Deutschland-Achter tauchten im Finale die vier Recken - Torben Johannesen/Wolf Niclas Schröder sowie Mattes Schönherr/Olaf Roggensack - das Ruderholz ins warme Badewannen-Wasser. Am Ende kämpfte das Quartett allein um den deutschen Meistertitel im 350-m-Rudersprint. Wolf-Niclas Schröder war von der ansehnlichen Besucher-Kulisse angetan, als er sagte: „Auf dem Weg zu den Saisonhöhepunkten war das ein wichtiger Sieg. Unsere Sprintfähigkeit haben wir heute nachgewiesen.“ Einen schönen Abschied bereiteten die Fans der Leipziger Ruderin Katarina Thiele. Die 37 Jahre alte Leipziger Olympiasiegerin, zweimalige Olympiazweite und mehrmalige Weltmeisterin beendete ihre 25-jährige Karriere mit einer Bronzemedaille. „Damit habe ich einen schönen Abschluss meiner langen Karriere geschafft“, freute sich Thiele, stieß mit ihren Freuden, Fans und Ruderinnen mit einem Glas „Rotkäppchen Sekt“ an und ließ später ihre tägliche Weckmelodie „Hulapalu“ von Österreichs-Star Andreas Gabalier vom Handy zur Feier des Tages erklingen. Und 220 000 Fans rockten die Meisterschaften vom Trampolin-Turnen (Ministerin Annalena Baerbock wird´s freuen) bis zum Spitzen-Basketball.

Brustschwimmerin Anna Elendt aus Dreieich (Hessen) schwamm bei der WM in Budapest zu Silber über 100m Brust, setzte sich Sonntag früh um 6 Uhr in den Flieger nach Berlin und ließ sich ein paar Stunden später nach dem Finale über 200 m Brust die goldenen Meistermedaille umhängen. Die 20-jährige Abiturientin wechselte voriges Jahr nach Austin (USA). Neben dem Studium für Sportwissenschaften bereitet sie sich in Texas auf die Olympischen Spiele 2024 vor. Noch eine kleine Sensation gab es im Berliner Europapark. Die 13 Jahre junge, achtmalige deutsche Altersklassen-Meisterin Alina Baievych aus Erlangen, flatterte über 200-m-Schmetterling auf einen sensationellen dritten Rang. Wenn das keine guten Aussichten sind.

Das sah auch Berlins Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) so: „Es war ein beeindruckendes Event – für den Sport und die Stadt… Berlin kann dank exzellenter und moderner Sportstätten herausragende Sportevents ausrichten. Ein Ziel unserer Sportpolitik ist die Förderung der Vielfalt im Sport, dafür stehen DIE FINALS. Mein besonderer Dank gilt auch ARD und ZDF, dank deren Engagement sonst nicht so beachtete Sportarten viel Aufmerksamkeit bekommen haben.“

Bild: picture alliance

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