Kappel & das starke Para-Team D

Fünf anstatt der „normalen“ vier Jahre dauerte die Vorbereitung – wegen der Corona-Pandemie –, jetzt ist es endlich so weit: Am 24. August beginnen die Paralympics. „Mein Ziel für Tokio: Ich will unbedingt eine Medaille! Die sieht einfach unfassbar gut aus – und welche Farbe sie letztendlich dann hat, ist zunächst mal egal!“ Niko Kappel, Paralympics-Sieger 2016 in Rio de Janeiro im Kugelstoßen, ist hoch motiviert und zuversichtlich: „Ich will mit Edelmetall aus Japan zurückkommen!“

Unmittelbar vor dem Abflug gab sich der Kleinwüchsige aus Schorndorf, der für den VfB Stuttgart startet, locker und aufgeräumt, als er den Medien Rede und Antwort steht. Die Olympischen Spiele hätten ihn „heiß gemacht und eine Gänsehaut verursacht, und ich werde kämpfen und alles geben“, erklärt er. Der 1,40 Meter messende Power-Athlet ist sich sicher, dass die 13,57 Meter, seine Siegesweite von Rio, diesmal nicht für eine Medaille ausreichen werden, wurde der Weltrekord mit der Vier-Kilo-Kugel doch seitdem mehrmals auf aktuell 14,31 Meter gesteigert. Zwischendurch hielt der 26-Jährige mit 14,30 Meter selbst die Bestweite, ehe ihn der usbekische Weltmeister Bobirkon Omonow übertraf. „Es kommen diesmal fünf Athleten für den Sieg in Frage, darunter auch ich!“ Neben Omonow schätzt Kappel auch den Polen Bartosz Tyszkowski, den Briten Kyron Duke und den Amerikaner Hagg als stark ein, „außerdem weiß man ja nicht, was aus China oder Brasilien kommt“. Die Stärke der Konkurrenz in dieser Disziplin zeige die Tatsache, dass es in den letzten zwei Jahren vier Weltrekordhalter aus vier verschiedenen Ländern gegeben habe.

Tokio war bereits 1964 Austragungsort der Para-Sommerspiele. Diesmal fallen nach der Eröffnungsfeier vom 25. August bis zum 5. September in 22 Disziplinen 539 Medaillenentscheidungen, wobei der Radsport in Bahn und Straße aufgeteilt ist. Für das „Team D Paralympics“ hat der Deutsche Behindertensportverband (DBSV) 58 Athletinnen und 76 Athleten nominiert. Dazu kommen zwei Guides in der Para Leichtathletik sowie ein Pilot im Para Radsport. Begleitet werden sie von 119 Personen aus dem Funktionsteam. Insgesamt werden etwa 4.400 Teilnehmende aus rund 160 Nationen in der japanischen Hauptstadt erwartet.

Im deutschen Team ragen einige Aktive heraus: Andrea Eskau ist mit 50 Jahren nach wie vor das Multitalent, sammelte die „Para Sportlerin des Jahrzehnts“ in drei Disziplinen im Sommer wie im Winter bereits 15 Medaillen. Leichtathletin Martina Willing jubelte bereits 14 Mal über Edelmetall, Radsportler Michael Teuber über fünf Goldmedaillen. Das Küken im Team D ist Leichtathletin Lise Petersen mit 16 Jahren, älteste Starterin die 66-jährige Dressurreiterin Heidemarie Dresing. Die erfahrenste Athletin im deutschen Team ist Speerwerferin Martina Willing (61): die Para- Leichtathletin feierte 1992 in Barcelona ihre Premiere und erlebt in Tokio ihre achten Spiele.

Aussichtsreich in ihre Wettkämpfe gehen zum Beispiel Weitsprung-Weltrekordler Markus Rehm, der Sprinter und Fahnenträger von Rio, Johannes Floors, die Dressur-Equipe oder die Rad-Teams. Bei den Kugelstoßern ist auch das ebenfalls kleinwüchsige Kugel-Nachwuchstalent Yannis Fischer (19) dabei, der mit seinem „Vorbild“ Niko Kappel (26) in Stuttgart bei Peter Salzer trainiert. Dass in Tokio keine Zuschauer für Stimmung sorgen dürfen, „ist halt so, meine Motivation kommt eher daher, dass ich weiß, wer alles zuhause mit mir mitfiebert“.

Niko Kappel jedenfalls ist voll auf seinen Wettkampf in Tokio fokussiert. „Am Montag, 30. August, um 9.57 Uhr Ortszeit (MEZ nachts um 2.57 Uhr) geht es los!“ ARD und ZDF berichten live aus Tokio, über 60 Stunden Übertragung sind geplant. Zusätzlich zu den Fernsehübertragungen bieten beide Sender Livestreams an. Startschuss ist am Dienstag, 24. August, um 13 Uhr mit der Eröffnungsfeier (ARD). Die Sendezeiten sind meist zwischen 9 und 13 Uhr sowie von 14 bis 15 Uhr.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.