Pressearbeit in Tokio

Ohne Gary Kemper, Hugo und Gabi Steinegger (vorne von links) geht bei den Olympischen Spielen nichts. VDS-Geschäftsführerin Ute Maag (hinten) erhält von ihnen das Ticketkontingent für Deutschland und verteilt es an Print- und Onlinejournalist*innen und Fotograf*innen. Foto: Gary Kemper Ohne Gary Kemper, Hugo und Gabi Steinegger (vorne von links) geht bei den Olympischen Spielen nichts. VDS-Geschäftsführerin Ute Maag (hinten) erhält von ihnen das Ticketkontingent für Deutschland und verteilt es an Print- und Onlinejournalist*innen und Fotograf*innen.

Am Jahresende wählen die Mitglieder des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS) die „Sportler des Jahres“ – in einem olympischen Jahr stehen in der Regel die Protagonisten im Fokus. Aber ganz so einfach war es diesmal für die Berichterstatter nicht, vor Ort zu recherchieren.
Die Arbeitsbedingungen für die rund 160 deutschen Print- und Onlinejournalist*innen sowie Fotograf*innen bei den Olympischen Sommerspielen von Tokio litten unter pandemiebedingten Einschränkungen, wie VDS-Geschäftsführerin Ute Maag in ihrer Bilanz ausführt.
War es vernünftig, die Olympischen Spiele trotz der Pandemie durchzuziehen? Ganz sicher nicht. Hat es funktioniert? Das schon. Am Ende dieser Party, der leider jede Stimmung fehlte und bei der die Einheimischen nicht mal mitfeiern durften, lässt sich sagen: Während die Infektionszahlen in der Millionenstadt stetig stiegen und bedrohliche Ausmaße annahmen, blieb die olympische „Bubble“, die die japanischen Organisatoren um die Medienvertreter*innen gelegt hatte, von einem Corona-Ausbruch verschont. Der Preis dafür war hoch, wurde aber von allen Akkreditierten akzeptiert: Die strenge Maskenpflicht wurde trotz tropischer Hitze und Schwüle eingehalten, Gesundheitsdaten übermittelt und Spucktests abgegeben, Hände zigfach am Tag desinfiziert und massive Einschränkungen der Bewegungsfreiheit in den ersten 14 Tagen hingenommen – obwohl längst nicht alle Maßnahmen sinnvoll erschienen und die Kommunikation mit den Gastgebern schwierig war. Was nicht nur an der unerwartet hohen Sprachbarriere lag.
Sollte es die Strategie des lokalen Organisationskomitees TOCOG gewesen sein, durch möglichst viel Bürokratie und Verunsicherung im Vorfeld möglichst viele von der Reise in die Olympiastadt abzubringen, dann muss man feststellen: Die Rechnung ging auf. Nur rund 160 deutsche Medienvertreter*innen aus den Bereichen Print, Online und Foto waren vor Ort – ein historischer Tiefststand bei Sommerspielen.
Als die Spiele Fahrt aufgenommen hatten, waren die Arbeitsbedingungen dann nicht so schlecht wie befürchtet. Zwar hatte das Wlan im Main Press Center seine Schwächen und auch der Transport in den Medienbussen geriet bisweilen zum Geduldsspiel, dafür überraschte TOCOG aber auch mit einer gern genommenen Annehmlichkeit: 14 Taxi-Voucher im Wert von je 10.000 Yen (rund 77 Euro) erhielt jede*n Akkreditierte*n, das war ausgesprochen großzügig und hilfreich. Die japanischen Gastgeber erwiesen sich als gute und auch lernfähige Organisatoren. In vielen Venues wurden kreative Lösungen gefunden, um trotz der geforderten Abstände von einem Meter zwischen Journalist*innen und zwei Metern zwischen Interviewer*in und Sportler*in möglichst viele Berichterstatter*innen mit O-Tönen zu versorgen - zum Beispiel, indem Aufnahmegeräte auf Tabletts gelegt werden konnten, die dann vor den Athlet*innen platziert wurden.
Dass Zuschauer generell von den Wettbewerben ausgeschlossen blieben, kam den Kapazitäten auf der Medientribüne zugute und es ist mehr als nur ein Gerücht, dass ein Buchungschaos und Systemversagen nur dadurch verhindert wurde, dass kaum Absagen erteilt wurden. Gab es sie doch, basierten sie meist auf Unwissen und konnten in einigen Fällen durch persönliche Ansprache der Venue Manager in Zusagen umgewandelt werden. Auch dieser organisatorische Aufwand musste von den Medienvertreter*innen geleistet werden – zusätzlich zum journalistischen Job und an Arbeitstagen, die früh morgens begannen und bis spät in die Nacht dauerten. Da schlug es manchen aufs Gemüt, dass beim Essensangebot im Pressezentrum Fastfood, Mikrowellengerichte und Instantsuppen dominierten und Alternativen durch die 14-tägige „Soft-Quarantine“ zunächst nicht erreichbar waren. 15 Minuten durfte ein Einkauf im nächstgelegenen Supermärktchen dauern. Obst war Mangelware.
Zum Glück gab es aber auch manches, das war wie immer. Der Ticketservice des IOC, seit vielen Jahren geleitet von Gabi und Hugo Steinegger sowie Gary Kemper, war stets ansprechbar und fair wie immer, trotz der auch für das IOC-Team deutlich schwierigeren Bedingungen. Nie war die Zahl der High Demand Events, für die jede Nation ein festgelegtes Kartenkontingent erhält, höher: Zu Eröffnungsfeier, Schwimm-Finals und Schlussfeier kamen Turnen, Tennis und Leichtathletik hinzu. Für Handball und Basketball wurde der High-Demand-Status dagegen kurzfristig wieder aufgehoben. Schon zu den Olympischen Spielen in Peking in wenigen Monaten soll ein digitalisiertes System die bislang auf Papier gedruckten Tickets ablösen. Die Verteilung wird jedoch in den Händen der nationalen Press Attachés bleiben. Eine gute Nachricht für die Akkreditierten, die sich nach der Pandemie dann wieder auf ihre journalistische Arbeit konzentrieren können.

 

 

 

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