Im wackligen Canadier um die Welt

„Einmal um die ganze Welt“, sang einst der Prager Karel Gott. Der dreimalige Olympiasieger Sebastian Brendel (33) lebte diese Empfehlung. Seit 25 Jahren kniet er im wackligen Canadier und treibt das Stechpaddel in die Wellen. „Durch unser tägliches Trainingspensum bin ich im Canadier bestimmt schon einmal um die Erde gefahren“, hat der 1,92 m große Athlet ausgerechnet. Um die Distanz zu schaffen, schippte er zudem einmal den Templiner See, sein Trainingsgewässer bei Potsdam, leer. Dazu pflügte er gewaltige Teile des Liebenberger Sees bei Kienbaum (Mark Brandenburg) und auf der berühmten Duisburger Wedau um. Jeder Baggerfahrer hätte Mühe, den Olympiasieger und neunmaligen Weltmeister in der Stundenleistung zu überbieten.

Bei einem einzigen Rennen über 1000 m bewegt Brendel mit seinem Stechpaddel rund zwölf Tonnen Wasser. 50 Kilogramm pro Schlag! Gewaltig. „Sebastian schafft das. Er hat Kraft, denn er ist fleißig und ehrgeizig“, verrät Bundestrainer Ralph Welke. Bundespolizist Brendel stand allein, aber auch mit seinem Sportkameraden Jan Vandrey 2016 in Rio de Janeiro auf dem olympischen Siegerpodest. „Jan hat aufgehört. Ich starte in Tokio nun mit meinem neuen Berliner Partner Tim Hecker“, verrät Brendel. Natürlich will der Ausnahmeathlet auch in Japan reüssieren. “Wenn man viel gearbeitet und sich viel geschunden hat, empfinde ich es immer wieder als ganz großes Gefühl, wenn ich auf dem Podest stehe und unsere deutsche Nationalhymne höre.“

Vor exakt 25 Jahren stieg der damals acht Jahre junge Sebastian ganz im Osten Deutschlands - in Schwedt an der Oder - in ein Kanu. Schon bald erkannten die Trainer sein außergewöhnliches Talent. An der Sportelite-Schule in Potsdam baute er dieses Talent bis zum Weltklasse-Athleten aus. Auf dem „Sea Forest Waterway“ in der japanischen Metropole will Sebastian Brendel seine Kraft erneut unter Beweis stellen.

Und vielleicht findet er nach den Spielen auch einmal Zeit für einen Besuch in der alten Heimat Schwedt. „Ich bin nur noch selten dort. Meine Eltern kommen lieber zu uns nach Potsdam, um ihre Enkel Hannah und Edwin zu besuchen“, berichtet der Stechpaddel-Star. Womöglich landen Hannah und Edwin auch einmal im schmalen Kanu. Erblich belastet sind sie nicht nur durch Vater Sebastian. Ehefrau Romy entstammt ebenfalls einer alten Magdeburger Kanuten-Familie. Opa Eckhard stand 1980 als Bronzemedaillen-Gewinner auf dem olympischen Siegerpodest in Moskau-Krylatskoje.

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