Der Achter hat aus der Niederlage gelernt

Mit dem Reisebus vom Strand südlich von Rom quer durch Italien bis nach Kärnten – das klingt nach Urlaub, nach Sightseeing und auch nach ein bisschen Erholung. Aber die Ruderer des Deutschland-Achters hatten keine Zeit für touristische Zwischenstopps und vermutlich keinen Blick für die Schönheiten der italienischen Landschaft, als es Anfang Juni vom Weltcup in Sabaudia ins dreiwöchige Trainingslager nach Völkermarkt ging. Es war für sie lediglich die Fahrt von einer Anstrengung zur nächsten. Denn vor der olympischen Regatta in Tokio gibt es noch einiges zu tun. Zuerst in Österreich und dann in Japan. Die Recken fliegen bereits drei Wochen vor dem Olympia-Start nach Fernost, um sich an die klimatischen Bedingungen zu gewöhnen. 

Zwar reisten die Athleten des Paradebootes, zuletzt 2012 „Mannschaft des Jahres“, mit einem Erfolgserlebnis aus Italien ab - sie gewannen den letzten Wettbewerb vor dem Saison-Höhepunkt, das Weltcupfinale, mit einer Bootslänge Vorsprung. Allerdings taugte der Test nur bedingt als Gradmesser. Die stärksten Konkurrenten fehlten, in Italien war außerdem nur ein weiterer Achter am Start. Zudem mussten die Deutschen kurzfristig krankheitsbedingt auf Richard Schmidt verzichten. „Insofern ist das Ergebnis auch nur eingeschränkt zu beurteilen“, gibt Steuermann Martin Sauer zu. Für Maximilian Korge, der Schmidt in Sabaudia ersetzte, spielte das Ergebnis auch keine so große Rolle. „Das primäre Ziel war es, Wettkampferfahrung zu sammeln und einige Dinge auszuprobieren“, sagte er. „Der Sieg war eine schöne Belohnung. Mehr nicht.“ 

Im Trainingslager in Österreich wurde nicht nur der letzte Weltcup aufgearbeitet, sondern noch einmal die Rennen davor. Denn zu Beginn dieser Saison hatte es eine herbe Niederlage gegeben. Bei den Europameisterschaften Mitte April im italienischen Varese landete die erfolgsverwöhnte Crew nur auf dem vierten Platz. Seit der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen von Rio 2016 hatte das deutsche Großboot bis zu den kontinentalen Titelkämpfen nur drei Niederlagen hinnehmen müssen, allesamt in Vorläufen. In Varese hatten die Achter-Ruderer nach einer deutlichen Führung bei 1000 Metern einen Einbruch auf der zweiten Streckenhälfte erlebt. „Grün und blau“ seien sie gewesen, sagte Schlagmann Hannes Ocik. Bundestrainer Uwe Bender vermutete, dass beim Ausdauertraining etwas schiefgelaufen sei. Ein Detail vielleicht nur, das nicht gepasst hat, eines mit großer Wirkung allerdings. Nach der EM stellte Bender das Training um, und der Achter war schnell wieder in der Spur. Auf dem Rotsee im Mai in Luzern fehlten beim Foto-Finish nur drei Hundertstel auf den wohl schärfsten Konkurrenten um Olympia-Gold, Großbritannien, und damit zum Sieg. 

Der soll nun in Tokio folgen, es wäre der krönende Abschluss einer erfolgreichen Olympia-Dekade mit drei WM-Titeln. Trotz der verpatzten EM gelten die DRV-Ruderer weiter als Favorit auf dem Sea Forest Waterway von Tokio. „Ich will den besten Wettkampf abliefern, den ich jemals gezeigt habe“ sagt Sauer. Der 38-Jährige, der seit 2009 das Boot steuert, hat angekündigt, nach Olympia seine Karriere zu beenden. Am liebsten natürlich mit Gold im Gepäck. Feiern möchte man dann zum Jahresende in Baden-Baden, wo das Team quasi Stammgast ist. Zu vorgerückter Stunde gerne mit der grünen Team-Krawatte um die Stirn statt um den Hals.

Bild: Trainingseinheit auf dem Völkermarkter Stausee. © Deutschland-Achter

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