Gesa Krause: „Unser Zeit ist begrenzt“ Ein Leben nur in Höhen-Trainingslagern

Wer hoch hinaus will, der muss sich früh genug daran gewöhnen. Nach diesem Motto handelt 3000-m-Hindernis-Europameisterin Gesa Krause seit Monaten. Die 28jährige, die bei Olympia in Tokio in die Medaillenränge laufen möchte, ist seit Monaten unterwegs und tut alles, um ihren olympischen Traum zu verwirklichen. Dort, wo die Luft am dünnsten und der Sauerstoffgehalt am höchsten ist. Zu Hause, in ihrem neu erbauten Haus in der Nähe von Frankfurt, ist die für den Verein Silvesterlauf Trier startende Athletin eigentlich kaum noch.
„Früher ist man zum Flughafen gefahren, hat sich ein Ticket gekauft und ist losgeflogen. Heute ist immer ein ungutes Gefühl dabei und man fragt sich: „Klappt’s denn dieses Mal?“. Bisher hat es immer noch geklappt bei der WM-Dritten. Mit einer Menge Formulare, mit negativem PCR-Test und mit stundenlanger Sitzerei im Flieger mit Maske. Nach dem schon gewohnten Aufenthalt zu Jahresbeginn in der Höhe von Kenia ging es im März via Denver ins US-amerikanische Boulder. Neun Wochen Training in 1700m Höhe.
Vorwürfe, sie sei ständig unterwegs, während andere nicht reisen könnten, weist die Athletin von sich. „Ich verreise ja nicht, um Urlaub zu machen. Ich lebe seit Jahren fast nur in Höhen-Trainingslagern, das ist mein Beruf. Und ich kann ja jetzt im olympischen Jahr nicht damit aufhören.“ Doch Boulder, die zweieinhalb Monate schuften dort oben, ist schon wieder Geschichte. Gesa Krause ist längst schon wieder in einem anderen Winkel der Welt. Heute Abend, am letzten Freitag im Mai, läuft sie im Rahmen der Diamond League in Doha ihr erstes 3000-m-Hindernis-Rennen der Saison.
Ihre Gedanken sind dennoch schon längst in Tokio: „Es werden sicher ganz andere Spiele, als wir das gewohnt sind. Die Atmosphäre kann unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie nicht mit früher vergleichbar sein. Vieles von dem, was die Seele von Olympia ausmacht, wird nicht oder nur stark eingeschränkt möglich sein: Die Unbeschwertheit beim Treffen mit der Jugend aus aller Welt, das Kennenlernen eines fremden Landes und seiner Kultur.“
Eine Option, dass die Spiele im letzten Moment aufgrund der Proteste im Heimatland abgesagt würden, „kann ich mir im Moment nicht vorstellen.“ Sie vertraue, sagt sie, „dem IOC und den japanischen Organisatoren, sichere Spiele für die Athleten zu veranstalten, die wir so dringend benötigen. Denn unsere Zeit im Spitzensport ist begrenzt.“ Nach der Absage vom vergangenen Jahr, so erzählt sie, „musste ich erst mal wieder in die Spur finden. Es war schwierig, Motivation zu finden für die neue Kraftanstrengung.“ Das aber, sagt Gesa Krause, sei ihr gelungen. „Ich bin jetzt auf einem guten Weg.“ Von der Höhe noch weiter hoch hinaus.

Foto: gesa krause / instagram

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