Dauer-Weltmeister Floors hat Paris im Blick

Im Moment des großen Triumphs dachte Johannes Floors direkt weiter: „Das Wichtige in diesem Jahr sind die Paralympics in Paris.“ Die WM im japanischen Kobe verbuchte der 29-Jährige daher als Kurztrip und blieb in der deutschen Zeitzone, um sich nicht umgewöhnen zu müssen. Der 400-Meter-Weltmeister von London 2017, Dubai 2019 und Paris 2023 hieß dennoch auch in Kobe 2024 Johannes Floors.

Der Weltrekordhalter sprintete die 400 Meter in 47,49 Sekunden und siegte deutlich vor dem US-Amerikaner Hunter Woodhall. Der US-Amerikaner war vorgeprescht, doch der 29-Jährige, der beim TSV Bayer 04 Leverkusen von Erik Schneider trainiert wird, überholte ihn in der zweiten Kurve und spielte dann seine ganze Routine und Stärke aus.

„Es war überraschend“, sagte Floors über den Rennbeginn seines Konkurrenten, der in Paris im vergangenen Jahr aufgrund einer gebrochenen Prothese nicht starten konnte. Floors war damals zu ihm gegangen, hatte ihn getröstet und dafür einen Fairplay-Preis bekommen: „Ich wusste, Hunter ist schnell, er hat schon schnelle Zeiten in Amerika gelaufen, aber ich bin ehrlich: Zeiten in Amerika sind Zeiten in Amerika und Zeiten in meinem Rennen sind Zeiten in meinem Rennen. Bisher hat er die Zeiten nie bestätigen können, wenn ich im Rennen dabei war, insofern hat mir das sehr viel Ruhe und Gelassenheit gegeben. Hunter wollte, das war ganz klar zu sehen. Ich wusste, ich habe was in petto, ich habe den höheren Top-Speed, ich habe zehn Jahre 400-Meter-Training in den Beinen. Da lasse ich mir so schnell den Weltmeister-Titel nicht wegnehmen.“

Floors, der 2016 in Rio bei seinem Paralympics-Debüt auch Gold mit der 4x100-Meter-Staffel gewonnen hatte, ist beidseitig unterschenkelamputiert und startet in der Klasse T62. Als ausgebildeter Orthopädietechnik-Mechaniker und studierter Maschinenbauingenieur dreht sich bei ihm vieles um Prothesen. Bei Running Clinics seines Sponsors Ottobock bringt der Steyerberger auch immer wieder Neulingen das Laufen mit einer Sportprothese bei.

Für die Paralympics in Paris, die am 28. August eröffnet werden, hat er klare Ziele: „Über 400 Meter wird das wiederholt wie 2021 in Tokio – nur die 100 Meter werden ein bisschen besser“, sagte Floors, der damals Paralympics-Gold über die Stadionrunde holte und sich über 100 Meter die Bronzemedaille in einem denkbar knappen Rennen teilen musste. Über beide Strecken hält der Para Sportler des Jahres von 2019 die Weltrekorde, aufgestellt 2019 in Dubai: 10,54 Sekunden über 100 Meter und 45,78 Sekunden über 400 Meter. In Tokio 2021 blieb er nur acht, bei der WM in Paris 2023 nur drei Hundertstel über seinem 400-Meter-Weltrekord – ob der bei den Paralympics in Paris fällig ist?

Text: Nico Feißt
Foto: KOBE2024/Kazuyuki OGAWA

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