Oliver Zeidler “Möchte bestenfalls ganz oben auf dem Treppchen stehen!“

Der erste Auftritt war souverän, sehr souverän. Oliver Zeidler dominierte die Konkurrenz beim Weltcup-Auftakt in Varese Mitte April. Vorlauf, Viertelfinale, Halbfinale sowie Finale gewann der Einer-Ruderer aus Schwaig bei München jeweils mit beachtlichem Vorsprung und setzte mit Blick auf die Olympischen Spiele in Paris ein Ausrufezeichen. Auch bei den Europameisterschaften Ende April im ungarischen Szeged holte er souverän seinen dritten Titel. Und sicherte sich die Goldmedaille.

An seiner Rolle hat sich also nichts geändert, er startet seit fünf Jahren in fast jedem Wettbewerb als Top-Favorit. „Seit meinem ersten WM-Titel bin ich der Gejagte“, sagt der 27-Jährige. Seit Linz 2019.

Während er auch bei den folgenden beiden Weltmeisterschaften Gold holte, gab es aber auch Phasen in der Karriere des Späteinsteigers, in denen er Rückschläge einstecken musste. Bei der Heim-EM 2022 zum Beispiel. Vor allem aber ein Jahr zuvor in Tokio, bei seinen ersten Olympischen Spielen, als er im Halbfinale ausgeschieden war. An dieser Niederlage, sagt Zeidler, „bin ich gewachsen“. Er habe es „auf die harte Tour lernen müssen“, dass er als Umsteiger noch an ein paar Schwächen auszumerzen hat. „Ich bin heute dank dieser Erfahrung ein besserer Athlet“, weiß Zeidler.

Er hat an seiner Technik gefeilt, die damals, nach erst ein paar Jahren im Skiff, noch nicht perfekt sein konnte, aber auch mental an sich gearbeitet. „Die Top Ten der Ruderer sind mittlerweile auf so einem hohen Level, dass letzten Endes die Psyche viele Rennen entscheidet“, sagt der Dritte bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“ 2023. Er arbeitet deshalb seit knapp zwei Jahren mit der Sportpsychologin Dr. Annelen Collatz zusammen, entwickelte zunächst Strategien und Methoden, „an was ich am Start zum Beispiel denken soll, wenn ich sehr aufgeregt bin und wenn ich mal wieder Angst habe, den Start nicht ganz so zu treffen“, erzählt Zeidlers in Collatz´ Podcast „Finde den Kern“. Mittlerweile passiere ihm das aber nicht mehr, „weil ich besser mental vorbereitet in die Rennen gehe und weiß, was da auf mich zukommt“.

Nicht nur am Start eines Rennens, auch bei Olympia. Da verspüre man schon mehr Druck als bei Weltmeisterschaften, gibt er zu. „Es ist die emotionalste Regatta, die mir in den Sinn kommt“, auch weil „Olympia seine eigenen Regeln schreibt“. Das klinge zwar komisch, „aber wenn man mal dabei war, dann versteht man das“.

Ein Gefühl für die Strecke in Paris („die ist tricky“) hat Zeidler bereits im vergangenen Jahr bekommen. Er absolvierte dort die Vorbereitung für die anschließende WM in Belgrad und wird auch in diesem Juni noch einmal eine Woche auf der olympischen Regattastrecke trainieren können. Auf keinen Fall wolle er von diesen Sommerspielen „nicht mit leeren Händen nach Hause kommen“, sagt Zeidler, sondern „bestenfalls ganz oben auf dem Treppchen stehen“. Als Krönung einer jetzt schon außergewöhnlichen Karriere.                                   

Text: Elisabeth Schlammerl
Bild: picture alliance

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