Julian Weber: Der Blick aufs Handy motiviert

Speere fliegen meist erst im Frühling wieder. Doch wegen der Europameisterschaften in Rom und der Olympischen Spiele in Paris müssen die 800 Gramm schweren Geräte in diesem Jahr schon früher durch die Luft schwirren. Deswegen waren die Spitzenathleten zum Trainingslager im Süden. Bereits im Dezember ist Europameister Julian Weber nach Südafrika geflogen, um an der Form für das leichtathletische Superjahr zu schleifen.

„Zweimal tägliches Training in der Sonne von Potchefsdrom boten beste Voraussetzungen, um die Ziele 2024 zu erreichen.“ Dabei war ein „satter“ Muskelkater bei Temperaturen über 30 Grad eine „normale“ Begleiterscheinung.

Bemerkenswert: Vier Kandidaten für die Medaillen, die am vorletzten Tag der Olympischen Spiele im Stade de France in Paris vergeben werden, trainierten zur gleichen Zeit am selben Ort. Olympiasieger Neeraj Chopra (Indien), Silber-Medaillengewinner Jakub Vadlejch (Tschechien), Ex-Weltmeister Johannes Vetter (Offenburg), der mit 97,76 Meter den zweitweitesten Wurf der Geschichte erzielt hat, und Europameister Julian Weber (USC Mainz) machten dort die ersten Würfe im Olympiajahr.

„Ich habe wieder richtig Bock zu trainieren“ strotzt der dreifache Deutsche Meister Julian Weber seitdem vor Motivation. „Nach drei vierten Plätzen bei großen Meisterschaften wird es Zeit, dass ich mal eine Medaille hole“, nennt der 29-Jährige sein Ziel bei Olympia. Das Gefühl beim Titelgewinn in München, als er im Olympiastadion im frenetischen Jubel der 50.000 Zuschauer Europameister wurde, trägt ihn noch heute. „Ich zehre immer noch davon, das war einer der schönsten Momente meiner sportlichen Karriere“, schwärmt er.

Der gebürtige Mainzer steht in der Reihe herausragender deutscher Speerwerfer, zu der Olympiasieger Klaus Wolfermann, Ex-Weltrekordler Uwe Hohn (104,80 Meter mit dem alten Speer), die Weltmeister Detlef Michel und Matthias de Zordo, Olympiasieger Thomas Röhler sowie Johannes Vetter zählen.

Der Sommer 2024 bietet die nächsten Herausforderungen. Nach einem weiteren Trainingslager in Belek (Türkei) erfolgt in Doha (Katar) der Saisonstart bei der Diamond League. Ende Juni will er in Braunschweig seinen vierten DM-Titel holen. Bei der EM in Rom Anfang Juni strebt der Sportsoldat dann die Titelverteidigung an. Es wäre der erste Höhepunkt auf dem Weg zu den Olympischen Spielen.

Im vergangenen Sommer war Weber auf einem Höhenflug. Mit 88,72 Metern wurde er in Kassel Deutscher Meister und fuhr anschließend als (Gold-)Medaillenkandidat zur WM nach Budapest. Auf Wolke sieben angereist, musste er sich am Ende jedoch wieder mit Platz vier begnügen.

Neben den Spielen in Paris hat Weber mit seinem Trainer Burkard Looks noch ein anderes Ziel vor Augen. „Wenn ich so weiter trainieren kann, sind die 90 Meter fällig“, ist er fest überzeugt, „am liebsten würde ich die in Paris werfen“. 90 Meter sind die „Eintrittskarte“ in die „Hall of Fame“ des Speerwurfs, in der neben Vetter mit Olympiasieger Thomas Röhler (93,90), Raymund Hecht (92,60), Andreas Hofmann (92,06) und Boris Henry (heute: Obergföll/90,44) fünf weitere Deutsche zu finden sind. Als Motivation hat Julian Weber auf seinem Handy als Hintergrundbild schon mal die Goldmedaille von Paris eingestellt...

Text: Ewald Walker
Bild: picture alliance

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