Malaika Mihambo – Die Ruhe selbst

Beweisen muss Malaika Mihambo nichts mehr. Nicht sich selbst und anderen erst recht nicht. Längst ist die 30 Jahre alte Heidelbergerin in und außerhalb der Leichtathletikstadien zu einem Vorbild geworden, was nicht zuletzt ihre dreimalige Wahl zu Deutschlands „Sportlerin des Jahres“ zeigt. Mihambo möchte die Menschen mitnehmen, ihnen, wie sie sagt, „etwas zurückgeben“. Am liebsten natürlich auch mit einer herausragenden Leistung bei den Olympischen Spielen in Paris. Nach WM-Gold 2019 und 2022, dem Olympiasieg 2021 sowie weiteren Medaillen bei Großereignissen wäre dies ein erneuter Glanzpunkt ihrer Karriere. Und sie wähnt sich auf einem guten Weg, die schmerzhafte Wendung im vergangenen Sommer ist abgehakt: Mihambo hatte sich beim Gewinn der Deutschen Meisterschaft in Kassel einen Muskelfaserriss zugezogen und ihren WM-Start abgesagt. „Jetzt muss ich etwas Geduld haben“, sagte sie damals, „um dann nächstes Jahr bei den Europameisterschaften in Rom und den Olympischen Spielen in Paris wieder alles geben zu können.“ Ein Dreivierteljahr später sieht die Situation erfreulich aus. Die Hallen-Saison beendete Mihambo Ende Februar mit 6,95 Meter und dem Sieg beim Istaf Indoor – ein wichtiges Ergebnis, vor allem, weil die Olympiasiegerin etwas wiedergefunden hatte, das ihr zweitweise etwas verlorengegangen war: das besondere Gefühl beim Wettkampf. „Ich hatte es bei den Meisterschaften in Kassel wieder gespürt, dann aber zog ich mir den Muskelfaserriss zu“, erzählt sie. „Ich konnte in dieser Olympiasaison nicht direkt wieder dort anknüpfen, wo ich letztes Jahr aufgehört hatte, aber vor allem beim Hallen-Istaf hatte ich das Gefühl, dass ich wieder auf einem sehr guten Weg bin.“ Mit der nötigen Ruhe und Geduld sowie dem Vertrauen in die eigene Stärke ist ihr das gelungen, ohne sich selbst oder von außen unter Druck setzen zu lassen. Das hat Mihambo in all den Jahren gelernt: sich auf sich selbst fokussieren, sich mit sich selbst auseinandersetzen, sich freimachen von Ballast. „Wenn man es schafft, seine Ängste in den Griff zu bekommen“, sagt sie, „dann fällt es auch viel leichter, aus der Komfortzone zu gehen.“ Nicht ohne Grund lautet der Titel ihres Buches „Spring Dich frei“. Dort erzählt sie auch erstmals von Rassismus, der ihr bereits im Kindergarten begegnet ist und der sie geprägt, lange auch gebremst hat. Heute lässt sie sich durch nichts mehr bremsen, der Schlüssel dazu ist unter anderem eine fortwährende Auseinandersetzung mit sich selbst, auch ihre Offenheit für Meditation und das Reisen in ferne Länder, die Beschäftigung mit anderen Kulturen und Perspektiven. Dass Mihambo zur Meisterin des sechsten Versuches geworden ist, hat seine Gründe. Auch zum Olympiasieg in Tokio flog sie mit ihrem letzten Sprung. Exakt 7,00 Meter waren es. Ihre Bestleistung von 7,30 Meter datiert derweil aus dem Jahr 2019, gesprungen bei ihrem WM-Sieg in Doha. „Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen“, sagt sie, „dass es noch weiter gehen kann als bisher, aber da muss viel zusammenkommen.“

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.