Emma Hinze: Aller guten Dinge sind drei

Einfach mal ausspannen, faulenzen, sich vom Freund bekochen lassen, am besten einsam in der Pampa bei Berlin, und dies vor „Paris 2024“? Ja, das geht! Rund vier Monate vor den Olympischen Spielen genoss Parade-Bahnradsportlerin Emma Hinze gerade die Natur pur, während das „Arbeitsgerät“ ganz weit außen vor blieb. Kurzurlaub in einem winzigen Tiny House, dort, wohin man eben nur zu Fuß kommt. Auch so kann ein Teil der Olympiavorbereitung ausschauen. Für das gesamte deutsche Bahnradteam stand Ende März, also nach der EM im Januar und den beiden UCI-Nations Cup (NC) in Australien und Hongkong, eine Woche Urlaub auf dem Trainingsplan.

Die 26-jährige, gebürtige Hildesheimerin blickt „grundsätzlich zufrieden“ auf das erste Viertel des Olympiajahres zurück, stört sich aber daran, dass sie und ihre rasanten Teamsprint-Kolleginnen Lea Sophie Friedrich und Pauline Grabosch nicht im März in Hongkong, sondern im Januar bei der EM ihren besten Wettkampf in diesem Jahr gefahren hatten, sich also nicht steigern konnten. Eine halbe Sekunde waren sie beim EM-Hattrick in Apeldoorn schneller. In Hongkong schlugen dagegen die starken Britinnen zu. „Da müssen wir jetzt schauen, woran das lag“, meint Emma mit Blick auf Paris. „Aber mit meiner Silbermedaille in Hongkong im Keirin und dem Sprintsieg in Australien bin ich auf alle Fälle sehr zufrieden. Das hat mir Selbstvertrauen gegeben.“

Das Selbstvertrauen – mit dem ist das so eine Sache. „Natürlich ist man auch ein Mensch und hat da Schwankungen. Aber grundsätzlich ist meine Psyche gerade stark“, gibt sich die Vorzeige-Athletin kämpferisch. „Es hat aber durchaus schon andere Phasen gegeben, da hatten mich viele kleine Dinge verunsichert. Jetzt arbeite ich auch mit einem Sportpsychologen, um das in den Griff zu bekommen.“ Denn die Olympischen Spiele als Riesenevent bedeuten ihr viel. Bei ihren dritten Spielen nach Rio 2016 (als Ersatzfrau) und nach dem olympischem Teamsprint-Silber von Tokio 2020 (2021) macht die achtmalige Weltmeisterin nun an der Seine Jagd auf olympisches Gold im Team-Sprint und den Einzeldisziplinen.

Lebensgefährte und Heimtrainer Maximilian Levy sorgt derweil nicht nur für Spaß und Energie bei den Trainingseinheiten, sondern auch für den nötigen Genuss. Denn sie habe, so sagt die Wahl-Cottbuserin, jetzt doch gelernt, dass man nicht nur einen Sieg genießen könne, sondern auch den Weg dahin. Zum Beispiel beim Wettkampf und Lehrgang in Dudenhofen, den noch anstehenden Rennen in Cottbus und Frankfurt an der Oder, und dem Vorbereitungs-Endspurt dort auf Paris.

Gedanken wegen der Sicherheit der Spiele habe sie sich derweil noch kaum gemacht. „Ich vertraue ein bisschen der Organisation. Dass sie sich um unsere Sicherheit kümmert und wir uns völlig auf den Sport konzentrieren können.“

Erst einmal konzentriert sich Emma Hinze aber bis Juni neben dem Training auf das zweite Semester ihres Studiums (Sport und angewandte Trainingswissenschaften), eventuell aufgelockert durch Emmas neuer Leidenschaft fürs Handarbeiten. Sportlich strickt die sympathische Dritte der Wahl zur „Sportlerin des Jahres“ 2020, die sich auch sehr stark für die Rechte der Frauen im Sport einsetzt, vielleicht schon an einer weiteren Platzierung auf der Bühne von Baden-Baden.

Text: Uli Hugger
Bild: Arne Mill

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