Erfolgreiche Testevents in Paris für Laura Lindemann

Die Enttäuschung damals im Ziel des olympischen Triathlon-Wettbewerbs von Tokio saß tief bei Laura Lindemann. Platz acht statt der Erfüllung ihres Kindheitstraumes vom Gewinn einer olympischen Medaille. Der Frust ist längst vergangen – der Traum bleibt. „Ich fahre mit dem Ziel nach Paris, mindestens eine Medaille zu gewinnen“, sagt Lindemann. „Das hört sich nach einem krassen und großen Ziel an, aber das ist mein täglicher Antrieb.“

Zwei Chancen wird die 27 Jahre alte Potsdamerin in Paris über die 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen haben: erst als Einzelstarterin, dann mit der Mixed-Staffel. Es wäre die erste deutsche Triathlon-Medaille seit Jan Frodenos Triumph 2008 in Peking. „Ich weiß“, sagt Lindemann über ihre Ambitionen, „dass es sehr, sehr schwer wird und nicht selbstverständlich ist. Und dass dies nur sehr wenige Athleten überhaupt schaffen. Gerade im Triathlon kann an einem Tag viel schiefgehen.“ Aber sie weiß eben auch, dass sie es schaffen kann.

Lindemann, für die es die dritte Olympia-Teilnahme sein wird, hatte bereits als Jugendliche gezeigt, dass sie eines Tages zu den Besten gehören könnte: 2014 feierte sie bei den Juniorinnen EM- sowie WM-Gold, verteidigte 2015 beide Titel und wurde bei der Verleihung des Talentpreises der Deutschen Sporthilfe als „Junior-Sportlerin des Jahres“ geehrt. 2017 sorgte sie erstmals bei der Elite für Aufsehen: EM-Gold über die Sprintdistanz und Platz drei beim Hamburg-Rennen der World Triathlon Series. WM-Bronze 2020 brachte sie schließlich erstmals auf die Nominiertenliste zu Deutschlands „Sportlerin des Jahres“.

In Tokio dann hatte Lindemann lange Zeit die ersehnte Olympiamedaille im Blick, verlor aber später den Anschluss an die Spitze. „Mittlerweile“, sagt sie, „bin ich stolz auf meine Leistung – denn Top Acht bei Olympischen Spielen ist ja nicht alltäglich. Ich habe aber ein bisschen Zeit gebraucht, um das Positive zu sehen.“ Lindemann arbeitete fortan noch akribischer, merzte ihre Schwäche auf dem Rad aus und feierte 2022 in München EM-Silber über die Kurzdistanz.

Auf der Suche nach neuen Impulsen wagte sie im vergangenen Jahr einen Wechsel: weg von ihrem langjährigen Coach Ron Schmidt und der Trainingsgruppe in Potsdam, hin zu Dan Lorang. „Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich etwas Neues brauche“, begründet sie. „Das hilft ja oft auch der Motivation und kann sich positiv sich auf die Leistung auswirken.“ Lorang, unter anderem Trainer von Hawaii-Siegerin Anne Haug und des Profi-Radteams Bora-hansgrohe, kennt sie noch von früher: Bei ihrem Olympia-Debüt 2016 war er noch Bundestrainer und damit für die olympische Distanz zuständig.

Weitere Motivation dürften ihr die Erfolge aus dem vergangenen Jahr gegeben haben, als sie in Hamburg erst WM-Bronze auf der Sprintdistanz gewann und dann die Mixed-Staffel als Schlussläuferin zum Sieg führte. Beides war ihr auch beim olympischen Testevent in Paris gelungen. Es gibt schlechtere Voraussetzungen…

Text: Melanie Haack
Bild: World Triathlon

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