Lukas Dauser: Start ins Olympiajahr gelungen

Die Bühne bei der Gala in Baden-Baden kennt Lukas Dauser. Als „Sportler des Jahres“ 2023 stand er da im Rampenlicht. „Das war ein ganz großer Moment für mich“, erinnert er sich. Auch die Bühne „Olympische Spiele“ ist dem 30-jährigen Spitzenturner nicht neu. 2016 Debüt in Rio als staunender Jungspund, 2021 in Tokio dann mit Silber am Barren dekoriert, und jetzt kommt Paris, wo der Barrenspezialist als Weltmeister 2023 zu den Favoriten an den zwei Holmen zählt. „Ich freue mich unglaublich auf ein großes Spektakel“, sagt er, „ich denke, die Stadt wird Kopf stehen, das wird von der Stimmung her sicher viel besser als die Corona-Bubble in Tokio.“

Davon kann man aus gehen. Auch davon, dass der gebürtige Bayer in Paris dabei sein wird. Dauser verließ 2016 die Gemeinde Glonn unweit von München in Richtung Berlin, seit 2020 lebt und trainiert er in Halle/Sachsen-Anhalt. Wobei die Olympia-Qualifikation auch für einen Weltmeister nicht automatisch in trockenen Tüchern ist. Noch nicht. Am 8. Juni sind die Deutschen Meisterschaften, am 22. Juni ein zweites Quali-Turnier. Einen Tag später schlägt dann der DTB dem DOSB seine Riege für Paris vor. „Es wäre natürlich schön, wenn ich jetzt schon gesetzt wäre, aber wenn ich fit bin, mache ich mir keine Sorgen, dass ich einen der fünf Plätze schaffen werde“, erklärt der Weltklasseturner, der als junger Bub seinen Schwestern im Ballett zugeschaut hatte und das eigentlich auch machen wollte. Die Eltern fanden Turnen aber irgendwie passender.

Hobbygriller Dauser mittlerweile auch. Einen neuen Übungsteil mit seinem Namen wird es in Paris aber nicht geben. Als „Dauser“ wird am Barren eine Riesenfelge mit dreiviertel Drehung über einen Holm und anschließendem Healy (450 Grad Drehung) bezeichnet. Da kann einem schon beim Lesen schwindelig werden. „Ein Dauser 2 kommt nicht“, erklärt er. „Ich werde meine WM Übung mit einem neuen Element turnen, das gibt es aber schon. Das wird meine Übung auf einen Ausgangswert von 7,0 aufwerten, international der höchste Wert im bisherigen Olympiazyklus“, ergänzt der Stabsunteroffizier. Ob das klappt und flüssig durchläuft wird er erst kurz vor den Spielen wissen. „Wenn nicht, habe ich die WM-Übung in der Hinterhand.“ Und die ist, sauber geturnt, Garant für einen Spitzenplatz.

Der Start ins Olympiajahr ist dem 30-Jährigen Anfang April jedenfalls schon einmal gelungen: Beim World Challenge Cup im kroatischen Osijek triumphierte er an seinem Paradegerät vor dem Europameister von Antalya 2023, Ilja Kowtun aus der Ukraine, und holte die Goldmedaille.

Lukas Dauser ist seit knapp einem Jahr mit der Zahnärztin Vicky Nithack verheiratet, die allerdings von ihrem Arbeitgeber Bundeswehr nach Hannover versetzt wurde. Von da kann sie ihrem Mann in der Vorbereitung natürlich nicht auf den Zahn fühlen. Lukas Dauser ist aber diszipliniert genug, es auch so zu schaffen. Und so werden sie im bayerischen Glonn Ende Juli ganz fest die Daumen drücken, wenn der „Luki“ in Mannschaft und im Einzel antritt. Wenn Lukas Dauser eine Medaille holt, müsste sich die Gemeinde aber etwas Neues einfallen lassen. Im Goldenen Buch steht er nämlich schon – wie auch Franz Josef Strauß und Gerhard Polt.

Text: Jürgen Löhle 

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