Sportler des Jahres - Februar 2024

Andi Brehme: Ein (zu) früher Tod des Helden von Rom

  • Publiziert in Sdj News

War es nun der linke oder der rechte Fuß? Der, mit dem er das Siegtor am 8. Juli 1990 im WM-Finale von Rom gegen Argentinien erzielt hatte.? Jener Elfmeter, der zum einzigen Tor dieses denkwürdigen Spiels führte, und der Andreas Brehme auf immer in die Geschichtsbücher des deutschen Fußballs eintrug. Denn Andreas Brehme war einer der ganz wenigen begnadeten Kicker, die keinen starken Fuß hatten. Aber auch keinen schwachen. Einer, der links wie rechts die „Buden“ machte, wie es so schon auf Neuhochdeutsch heißt.
Und weil er für alles gleich zweimal gut war, durfte er auch zweimal sich den Titel als Mitglied der „Mannschaft des Jahres“ in Baden-Baden abholen. Eben 1990, als Mitglied der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die die Nacht von Rom gegen die „Gauchos“ zu einem unvergesslichen Erlebnis machte. Und dann 1998 noch einmal, als der 1. FC Kaiserslautern, für den er gleich zweimal in seiner Karriere die Fußballstiefel schnürte, Historisches vollbrachte: Als erster und bisher einziger Aufsteiger gelang der Truppe von Trainer Otto Rehhagel der Triumph ein Jahr nach dem Abstieg aus der Bundesliga zurück zu kommen und als Aufsteiger zu Meisterehren zu kommen.
Über den 1. FC Saarbrücken nach „Lautern“, dann zum FC Bayern und zu Inter Mailand gekommen, blieb der gebürtige Hamburger immer bodenständig und erlaubte sich keine Starallüren. Bei der Trauerfeier für Franz Beckenbauer, der ihn und seine Mannschaft 1990 zum Weltmeister-Titel führte, war er noch mit dabei. Jetzt, nur wenige Wochen später, ist „Andi“ Brehme „Kaiser Franz“ gefolgt. Mit 63 Jahren erlag er in der Nacht von Montag auf Dienstag einem Herzinfarkt. Kein wirklich gutes Jahr für den deutschen Fußball und seine besten Botschafter bis dato.

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Vor 35 Jahren der WM-Schnellste

Hansjörg Tauscher gewann 1989 in Vail als bislang einziger Deutscher eine WM-Abfahrt. Was vor- und nachher passierte, verrät der 56-jährige Polizist nun nach und nach – Humor inklusive.

Gespräche mit Hansjörg Tauscher, dem Abfahrtsweltmeister von 1989, sind einfach nur köstlich. Man hört, wie da einer immer noch brennt vor Begeisterung. Wie einer leidenschaftlich erzählt und aus seinen hintersten Gehirnwindungen Geschichten hervorkramt, die sich ein Märchenerzähler nicht besser zurechtlegen könnte.

Eineinhalb Stunden dauert das Telefonat, vollgepackt mit Fakten, Erlebnissen und Gefühlsbeschreibungen, die alle verwoben sind mit diesem einen Tag. Dem 6. Februar 1989. Ein Rosenmontag, der die deutsche Mannschaft in Vail im US-Bundesstaat Colorado in Partylaune brachte, aber auch in der Allgäuer Heimat für einen Konfettiregen sorgte.

Für Hansjörg Tauscher ist dieser 6. Februar eine Art zweiter Geburtstag. Das Oberstdorfer Alpin-Ass wurde mit 21 Jahren Weltmeister. Eine Schussfahrt von zwei Minuten, zehn Sekunden und 39 Hundertstel setzte das Leben des jungen Allgäuers auf ein anderes Gleis. Wobei es laut Tauscher nicht ausgeschlossen ist, dass er auch ohne WM-Titel dastehen würde, wo er heute steht. Jetzt jährt sich dieses Ereignis zum 35. Mal. Eine gute Gelegenheit, den 56-jährigen Polizei-Hauptkommissar, Achtung Humor, in den Zeugenstand zu rufen und ihm Geschichten zu entlocken, die nur seine engsten Freunde kennen.

„Des glaubsch fei id“ und „Des deärfsch aber id schriebe“ sind Sätze, die Tauscher im Telefonat regelmäßig platziert. Mangelnder Auskunftswillen ist nicht erkennbar. Es scheint nur, dass der in der Dienststelle Sonthofen zumeist für Betrugsdelikte zuständige Hauptkommissar Tauscher eine Art Salami-Taktik anwendet. Im Online-Lexikon Wikipedia würde ja jede Menge „Zuig“ über ihn stehen, aber er habe schon noch ein paar Schmankerl. Alles preisgeben wolle er jetzt aber auch nicht, schließlich müsse es ja zum 40. und 50. Jahrestag auch „noch a bissle was zum Verzehle“ geben.

Die Fakten: Ja, sein Triumph vor den damals übermächtigen Schweizern Peter Müller, Karl Alpiger, Daniel Mahrer und William Besse kam überraschend.  Aber er habe damals die stärksten Beine gehabt und sich mit sehr aufwendigem Video-Studium eine Technik und Taktik für die berühmt-berüchtigte „Rattlesnake Alley“ zurechtgelegt. Die Klapperschlangen-Gasse, eine vom Schweizer Pisten-Designer Bernhard Russi gebaute Steilwand-Passage mit einer Doppel-S-Kurve, warf die eidgenössischen Landsleute aus der Bahn und hievte den eher unbekannten Allgäuer auf den Abfahrts-Thron. Und am Jahresende gab es Rang 4 in der Wahl „Sportler des Jahres“. Vor ihm u.a. ein gewisser Boris Becker, der Wimbledon, die US Open und den Davis Cup gewonnen hatte. Volle Kanne.

Von der ausgelassenen Gold-Party danach könne er gar nicht viel erzählen, so der Speed-Champion. „Da war ich unbeteiligt“, sagt er und schmunzelt. Er sei erst später dazugestoßen, habe nur ein Bier und einen Sekt intus gehabt, weil er von einem Termin zum nächsten geschoben wurde. Dass sein Freund und Zimmerkollege Berni Huber aus Obermaiselstein die unzähligen Medienanfragen aus Deutschland nicht nur abwies, sondern irgendwann selbst Interviews gab und sich als Tauscher ausgab, passe in die damalige Zeit, in der allerlei Quatsch gemacht worden sei. Coole Sache, damals. 1989.

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