Sportler des Jahres - August 2023

Warten auf den Weltmeister

63 Jahre wartet Deutschland schon auf einen Straßen-Weltmeister. 63 lange Jahre liegt es zurück, dass Rudi Altig auf dem Nürburgring ins Regenbogentrikot sprintete. Seitdem hat es einige Medaillenplätze gegeben, aber keinen Profi-Weltmeister. Endet ausgerechnet bei der Cycling-Super-WM am Sonntag diese Durststrecke?

André Greipel war 2011 in Kopenhagen als Dritter hinter Mark Cavendish und dem Australier Matthew Goss sehr nahe dran. Damals hat die Nationalmannschaft im Finale nicht sehr klug operiert. Und genau das will Greipel diesmal verhindern. Der Ex-Profi ist seit diesem Jahr neuer Sportlicher Leiter der Profimannschaft des deutschen Verbandes und hat seine Auswahl sehr klug getroffen. „Allerdings,“ gibt Greipel zu, „war es nicht einfach, weil nicht alle Wunschkandidaten zur Verfügung standen.“

Die 271,1 Kilometer zwischen Edinburgh und Glasgow sind sehr anspruchsvoll. Es geht ständig Auf und Ab, und wenn es auf den 14,3 km langen Stadtkurs in Glasgow geht, wird das Rennen neu gestartet. Dann wollen sich die Klassikerjäger in Position schieben. Die zehn Runden werden zum Ausscheidungsfahren.

Experten sehen die Allrounder vorn: Mathieu van der Poel, Wout van Aert oder Thomas Pidcock könnten um die Medaillen streiten, aber auch Titelverteidiger Remco Evenepoel ist eine Option. Der Weltmeister hat auf die Tour verzichtet und geht ausgeruht an den Start.

Greipel setzt auf eine Klassiker-Mannschaft. Nils Politt, Maximilian Schachmann, der zweimalige Giro-Etappensieger Nico Denz (alle Bora-hansgrohe), der erfahrene Regisseur John Degenkolb (Team dsm – firmenich), der tempoharte Jonas Rutsch (EF Education EasyPost) und der teamtreue Michel Heßmann (Jumbo-Visma) sollen es richten. „Unser Team ist eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Fahrern, die mit guten Chancen auf diesen klassiker-typischen Kurs gehen. Wir haben gute Chancen das Rennen mitzugestalten. Eine Top-Ten-Platzierung ist das Minimalziel, wir hoffen auf mehr,“ so André Greipel (41) vor seiner WM-„Premiere“.

Im Einzelzeitfahren gehen Nils Politt und sein Teamkollege Lennard Kämna an den Start, für die Mixed-Staffel sind Maximilian Walscheid (Cofidis), Miguel Heidemann (Leopard TOGT Pro Team) und Jannik Steimle (Soudal-Quick Step) nominiert.

Lippert ist die Nummer 1

Die Erinnerungen an Geelong, dem Austragungsort der letzten Weltmeisterschaften, tun weh. Liane Lippert war die mit Abstand stärkste Fahrerin des Rennens und musste sich am Ende mit dem undankbaren vierten Platz zufriedengeben. „Ja, das war ärgerlich,“ bedauert sie, hat aber das Rennen vor einem Jahr aber längst abgehakt und schaut nach vorn.

Die dreifache deutsche Straßenmeisterin ist in Top-Form wie ihr Etappensieg bei der Tour Femmes bewies und rechnet sich in Glasgow gute Chancen aus, auch wenn der Kurs nicht perfekt auf sie zugeschnitten ist. „Ich mag steilere und vor allem längere Berge lieber, aber vielen Kurven und das ständige Rauf und Runter machen die Strecke auch sehr schwer,“ sagt die 25-Jährige, die schon vor fünf Jahren bei der EM in Glasgow am Start stand, damals als Helferin von Lisa Brennauer, die Dritte wurde.

„Liane ist diesmal klare Nummer 1 in unserem Team,“ sagt Bundestrainer André Korff, der hofft, dass es nicht zum Massensprint kommt, sondern sich eine kleinere Gruppe vorzeitig absetzen kann und dann um den Sieg sprintet. Und dann soll Lippert es richten. „So schlecht bin ich im Sprint ja nicht,“ lacht sie und weiß, dass sie auf gute Mannschaftsunterstützung setzen kann. Das ist umso wichtiger, da bei einem WM-Rennen anders als sonst bei den WorldTour-Veranstaltungen kein Funkkontakt mit der Teamleitung möglich ist. „Das macht das Rennen unkalkulierbarer, weil man manche Vorstöße vielleicht erst zu spät registriert,“ sieht Lippert darin einen Nachteil.

Mit der erfahrenen Romy Kasper, die auf den ersten Kilometern aufs Tempo drücken wird, mit den technisch versierten Fahrerinnen Franziska Koch und Linda Riedmann und den beiden starken Newcomerinnen Ricarda Bauernfeind und Antonia Niedermaier (20) sind für jede Überraschung gut sind. Bauernfeind (23), Gesamt-Neunte und gefeierte Etappensiegerin bei der Frankreich-Rundfahrt, ist der zweite Joker, sie ist eine große Option für die Zukunft. Antonia Niedermaier ist eine sichere Medaillenbank für die Sonderwertung der U23. Sie stand schon als Juniorin auf dem WM-Podest und kommt eigentlich vom Skibergsteigen, hat im Winter schon internationale Medaillen gesammelt, bevor sie sich für den Radsport entschied. Ihre Unbekümmertheit und Fröhlichkeit sorgen für die gute Stimmung im deutschen Team.

Bild: BDR

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