Sportler des Jahres - Dezember 2023

„Radsportler des Jahres“ Nico Denz

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Als Nico Denz im Alter von elf Jahren die Live-Übertragung der Tour de France im heimischen Wohnzimmer im Albtal bei St. Blasien verfolgte, fasste er den kühnen Entschluss, dort eines Tages selbst mitzufahren.

Auch wenn seine Tour-Premiere noch auf sich warten lässt, hat er 2023 mit zwei Etappensiegen beim „Giro d’Italia“ eindrucksvoll bewiesen, dass er auch über seine Rolle als „Teamworker“ bei BORA-hansgrohe hinaus Erfolge einfahren kann.

Es waren pure Emotionen, pure Freude, die aus ihm herausbrachen, als er in einem wahren Kraftakt die 12. Etappe der diesjährigen Italienrundfahrt gewann. Er kämpfte am letzten Berg vor dem Ziel ums „Überleben“, um dann in einem beeindruckenden Husarenritt nach 185 Kilometern als Erster das Ziel in Rivoli zu erreichen. Doch damit nicht genug. Zwei Tage später, vor den Toren Mailands, doppelte er nach und gewann ebenso spektakulär den 14. Tagesabschnitt. Es sollten die einzigen Siege für BORA-hansgrohe bei einem der brutalsten Giros der Geschichte bleiben. Kälte und Dauerregen machten die „Radfahrt“ durch Italien zur Tortur. „Das war schon grenzwertig“, meinte auch Nico Denz. „Ich war noch nie so kaputt wie nach diesen drei Wochen“, gab er Einblick in seinen körperlichen Zustand. Vielleicht waren es aber auch gerade die extremen Bedingungen, die Nico Denz zu seinem Vorteil nutzen konnte. Denn er ist ein gnadenloser Kämpfer, der sich bedingungslos in den Dienst seines Teams stellt. Dafür hat ihn BORA-hansgrohe ab der Saison 2023 verpflichtet. „Jetzt in einem deutschen Team zu fahren, ist schon etwas Besonderes für mich“, sagt Nico Denz, der sich in der Truppe von Ralph Denk von Anfang an wohl gefühlt hat.

Die beiden Giro-Etappensiege sind aber noch nicht alles, was der Schwarzwälder beziehungsweise Hotzenwälder in diesem Jahr an Erfolgen vorzuweisen hat. Die deutsche Vizemeisterschaft, ein glänzender Auftritt bei der Spanienrundfahrt (Vuelta) und ein Etappensieg bei der Türkeirundfahrt zum Abschluss runden die Erfolgsbilanz ab.

Für Nico Denz verlief die Saison 2023 in seinem ersten Jahr bei BORA-hansgrohe deutlich besser als erwartet. Doch schon nach den ersten Renneinsätzen zeigte sich, dass er gut über den Winter gekommen war und das Umfeld im Team passte. Er fühlte sich von Anfang an wohl in der neuen Umgebung, fast wie zu Hause. „Ja, es war von Anfang an ein vertrautes Gefühl da“ sagt er. Wichtig war für ihn, dass er die Möglichkeit erhalten hat, sich konsequent auf die Saisonhöhepunkte, wie den Giro d’Italia und die Vuelta, vorzubereiten. „Das war in den letzen Jahren anders. Da bin ich im Frühjahr die Klassiker gefahren und dann den Giro. Jetzt war es möglich, mit Höhentraining ohne Rennen eine ganz andere Basis zu schaffen. Und das Gleiche noch einmal vor der Vuelta, wo ich eine ähnlich gute Form wie im Mai hatte“, erzählt er und ergänzt: „Das hat mit dem ganzen Trainingskonzept bei BORA zu tun, das mein neuer Trainer, der das Team exklusiv betreut, umsetzt.“ Auch schon im Winter investierte Nico Denz so viel wie noch nie in private Trainingslager und legte damit den Grundstein für die Erfolge.

Auch seine Stellung im Team ist heute eine andere als noch zu Beginn des Jahres. „Mir wird jetzt viel mehr Vertrauen entgegengebracht. Bei der Spanienrundfahrt war ich als Roadcoach der verlängerte Arm der sportlichen Leitung“, freut sich Nico Denz auf seine neuen Aufgaben. Ob ihn das zur „Tour de France“ 2024, an der Seite von Teamneuzugang Primož Roglič führen wird, bleibt abzuwarten. Aber der Traum von der Tour lebt und ist für Nico Denz nach diesem grandiosen Jahr deutlich wahrscheinlicher geworden.

Bild: Ralf Schäuble

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Die Ruder-Ikone Peter-Michael Kolbe ist tot

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1975 wählten ihn Deutschlands Sportjournalisten zum „Sportler des Jahres“: Peter Michael Kolbe hat den Rudersport über mehr als zehn Jahre geprägt, seine Duelle mit dem Finnen Pertti Karppinen waren legendär. Er gewann alles, was man gewinnen konnte – nur kein olympisches Gold. „Kolbe war der beste Ruderer, der niemals Olympiasieger wurde“, schrieb die Süddeutsche Zeitung. Am 8. Dezember ist die deutsche Ruder-Ikone im Alter von 70 Jahren in einem Pflegeheim in Lübeck gestorben. Zuletzt litt er an Demenz und war nach einem Fahrradunfall 2022 auf Hilfe angewiesen.

Fünf WM-Titel im Einer – 1975, 1978, 1981, 1983 und 1986 – das ist bei heute Rekord. Der gebürtige Holzmindener gewann dreimal eine olympische Silbermedaille (1976 in Montreal, 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul) und erhielt für seine Erfolge im Skiff 1981 das Silberne Lorbeerblatt, die höchste deutsche Auszeichnung im Sport, und 1988 das Bundesverdienstkreuz. 2016 wurde Kolbe als „Skuller-Phänomen“ als vierter Ruderer in die „Hall of Fame“ des deutschen Sports aufgenommen.

Nach seiner aktiven Zeit war er zunächst Teamchef, dann von 1990 bis 1994 Sportdirektor im Deutschen Ruderverband. Der DRV in seinem Nachruf: „Wir behalten Peter-Michael Kolbe als einen ein wenig störrischen Hanseaten mit trockenem Humor, eigenem Willen und lebenslanger Liebe zum Boot in Erinnerung und gedenken ihm mit großer Wertschätzung. Wir werden ihn nicht vergessen.“

Bild: picture alliance

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Ein neues Mainzelmännchen-Duo: Lena und Sven moderieren „Sportler des Jahres“

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Zehn Tage vor der 77. Auflage des „Sportler des Jahres“ 2023 steigen nicht nur die Erwartungshaltung und die Spannung, wer denn nun in diesem Jahr bei der großen Gala im Kurhaus von Baden-Baden am 17. Dezember ganz oben auf dem Treppchen der Geehrten stehen wird. Es steigt vor allem bei allen Beteiligten die (Vor)-Freude auf das alljährliche Familienfest des Deutschen Sports. Das wurde bei der traditionellen „Preview“-Pressekonferenz am Donnerstag an gleicher Stelle deutlich.

Klaus Dobbratz, Chef der veranstaltenden Internationalen Sportkorrespondenz (ISK), begrüßte beim Prolog zur Sendung am dritten Advent im Bénazet-Saal des Kurhauses von Baden-Baden als Erste Nina Reichenbach, sechsfache Weltmeisterin im Rad-Trial, die mit ihrem Techno-Bike als einzige Aktive die Treppen zum Kurhaus hinauf hüpfte.

In diesem Jahr hat der „Sportler“ zum ersten Mal nach der Corona-Pandemie wieder die Möglichkeit, vor „vollem Haus“ zu operieren. 700 Gäste dürfen die ISK und mit ihr der Medienpartner ZDF wieder begrüßen. soviel wie vor dem Virus-Zeitalter. „Von daher ist es auch für uns so etwas wie ein Neubeginn“, beteuerte Dobbratz, der in 2023 von viel Mannschaftspower, tollen und erfolgreichen Sportlerinnen und einem „heißen Herbst“ bei den Männern sprach.

„Wir haben die breiteste Basis, die man sich vorstellen kann“, erklärte der ISK-Chef. „Wir laden alle Sportlerinnen und Sportler ein, die in diesem Jahr Europameister oder Weltmeister geworden sind. Egal, ob in olympischen oder nicht-olympischen Sportarten. Und alle, die es ermöglichen können, werden da sein. Das macht einen solchen Spaß, die Liste für die Tische zusammen stellen, damit alle möglichst viel Gelegenheit haben, einen schönen Abend miteinander zu verbringen.“

Yannis Fischer, Para-Weltmeister 2017 im Fußball, und jetzt auch im Kugelstoßen, kam frisch vom Trainingslager der Parasportler in Lanzarote und sieht es „als eine Mega-Ehre an, hier dabei zu sein. Das zeigt, dass unsere Leistungen auch gewürdigt werden, und ich habe bisher nur Gutes von der Stimmung und der Atmosphäre bei der Gala gehört.“ Früher musste er einmal die Woche von seinem Wohnsitz am Bodensee zum Olympia-Stützpunkt nach Stuttgart fahren. Mittlerweile lebt er dort und studiert Informatik.

Nina Reichenbach, die sechsfache Weltmeisterin im Rad-Trial, erzählte, wie sie in diesem Jahr bei der WM in Glasgow auf Whisky-Fässern mit ihrem Trial-Rad jonglieren musste, um den sechsten Titel in Folge einzufahren. Dass Rad-Trial nicht olympisch ist, bedauert die Athletin, die ihr 3.000 Euro teures Rad selbst bezahlen muss, zwar. „Aber wir können nichts anderes machen, als unsere Sportart nach vorn zu bringen, vielleicht klappt das dann mal mit dem Olympischen Spielen.“

Christoph Büker, der Pressesprecher des Deutschen Basketball Bundes, erzählte nach dem sensationellen Gewinn des WM-Titels der deutschen Basketballer davon, dass die „Mitgliederzahlen bei uns jetzt nach oben schnellen. Das müssen wir jetzt von oben steuern, müssen in die Schulen gehen, damit diese Wirkung nicht einfach nach ein paar Wochen verpufft.“

Die hoch dekorierten Mannschaftssportarten werden, das erklärten Büker und auch Harold Kreis, der Trainer der bei der WM mit Silber dekorierten deutschen Eishockey-Cracks, alles versuchen, „so viele Athleten am nächsten Sonntag hierhin zu bringen, wie nur irgend möglich. Einige können natürlich bei dem eng getakteten Spielplan nicht kommen, aber wir sind gut vertreten sein.“ Das Problem bei den Kufencracks sei, was den Mitglieder-Boom betreffe, im Vergleich zu den Basketballern, dass „eine Eishockey-Ausrüstung halt sehr kostenintensiv sei. Auf die Eltern, die mit viel Idealismus ans Werk gehen, wenn sie ihrem Filius den Weg zum Eishockey ebnen wollen, kommt da viel Arbeit und Einsatz zu. Sie haben meinen höchsten Respekt.“

Die Fernseh-Zuschauerinnen und Zuschauer werden in diesem Jahr zum ersten Mal seit 15 Jahren nicht Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne in ihren Wohnzimmern begrüßen dürfen. Sven Voss, der in diesem Jahr erstmals Mitglied des Moderatoren-Duos gemeinsam mit Lena Kesting ist, erzählte mit einem Schmunzeln, wie er davon erfuhr, dass er in diesem Jahr die Gala moderieren sollte: „Ich habe gerade bei uns zu Hause den Hof gekehrt, als Yorck (ZDF-Sportchef Dr. Yorck Polus) mich anrief und meinte: ‚Kannst Du Dir vorstellen, in diesem Jahr den ‚Sportler des Jahres‘ zu moderieren?“

Natürlich, bestätigte Voss, „stelle ich mich gerne dieser Herausforderung. Der Sportler des Jahres ist unser jährliches Highlight zum Ende des Jahres und ich bin mir sicher, dass Lena und ich das gut auf die Bühne bringen werden.“

„Ich habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass Lena, die ein sehr großes Talent mit viel Teamfähigkeit ist, und über die Fähigkeit verfügt, mit Menschen zu sprechen, eines der Gesichter im ZDF-Sport werden wird“, beteuerte ZDF-Sportchef Dr. Yorck Polus. Ihr Moderations-Partner Sven Voss betonte das beiderseitige Vertrauen, das er und Lena Kesting zueinander hätten. „Und wenn etwas schief geht, dann werden wir die Suppe gemeinsam auslöffeln. Aber es ist auch gut, wenn man weiß, dass man in Gestalt von York ein richtig breites Kreuz hinter sich hat.“ Irgendwann, so Polus, seit knapp einen Jahr ZDF-Sportchef, „muss auch die neue Generation mal ran.“

Nora Waggershauser, Chefin von Baden-Baden-Events, dankte vor allem der Familie Dobbratz und dem ZDF für das jahrelange Vertrauen. „Es gibt viele, viele Städte, die gäben etwas dafür, wenn sie an unserer Stelle wären. Und die Anfahrt der Ehrengäste über unseren illuminierten Christkindleinsmarkt ist für sie sicherlich ein zusätzliches Highlight.“

Einiges geändert hat sich bei der Ermittlung des Rankings nach 76 Jahren: So wurden, wie Deborah Dobbratz den neuen Modus erklärte, zum ersten Mal auch die Athletinnen und Athleten mit in die Wahl eingebunden. Erst dann kamen anhand einer zehnköpfigen Vorschlagsliste auch die Journalistinnen und Journalisten zu Wort „Wir wollten die Wahl auch öffnen, und ich glaube, das ist uns sehr gut gelungen.“

Dass inzwischen seit 23 Jahren auch die Ehrung für das „Vorbild im Sport“ durch den Deutschen Sparkassen- und Giroverband ein fester Bestandteil der Veranstaltung ist, zeige, „dass wir noch Idole und Vorbilder im Sport haben und das mit dem Preisträger auch zu würdigen wissen. Wir erleben nicht alles im Schatten vom Fußball: Wir halten die olympischen Sportarten sehr hoch.“

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Forster und Schäfer triumphieren bei Para Sport-Wahl

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Es waren Vorboten für die große Gala der Sportler des Jahres am 17. Dezember in Baden-Baden: In der Düsseldorfer Rheinterrasse wurden am 25. November die Para-Sportler*innen des Jahres gekürt – die in diesem Jahr durch den geänderten Wahlmodus auch in Baden-Baden eine größere Rolle als sonst spielen könnten.

Anna-Lena Forster wurde vom ersten Rennen des Winters per Video zugeschaltet, die Alles-Gewinnerin der vergangenen Jahre im Monoski hatte keine Zeit, nach Düsseldorf zu kommen. „Ihr seid echt genial“, bedankte sich die 28-jährige Titelverteidigerin, nachdem sie in Peking Para-Sportlerin des Jahres geworden war: „Ich möchte mich auch bei meinem Team bedanken, das ist pure Dankbarkeit.“ Mit vier Mal Gold in den bei der WM in Espot in den spanischen Pyrenäen und ein Mal Silber hatte sie aber auch alle Argumente auf ihrer Seite und ließ Para-Biathletin und -Langläuferin Linn Kazmaier mit ihrem Guide Florian Baumann sowie Abfahrts-Weltmeisterin Anna-Maria Rieder auf dem Podium hinter sich. Rang vier und fünf gingen an Schwimmerin Tanja Scholz und Sprinterin Irmgard Bensusan.

Bei den Männern machte Prothesen-Weitspringer Léon Schäfer das Rennen: Der 26-Jährige sprang bei der Para-Leichtathletik-WM in Paris zum ersten deutschen Gold und verbesserte seinen Weltrekord um einen Zentimeter auf 7,25 Meter – nervenaufreibend im letzten Versuch. Allerdings nur für das Publikum, denn der Athlet vom TSV Bayer 04 Leverkusen war nach eigener Aussage stets cool geblieben, genauso wie er in der Rheinterrasse in Düsseldorf seinen Preis mit stylischer Brille entgegengenommen hatte. Über die 100 Meter gab es Bronze für den 26-Jährigen, der sich mit dieser Leistung vor Para-Triathlon-Weltmeister Martin Schulz und Biathlet und Langläufer Marco Maier, der mit der Nordisch-Staffel auch zum Team des Jahres zählte, durchsetzen konnte. Vierter wurde Schwimmer Taliso Engel, Fünfter Radsportler Matthias Schindler. Den Nachwuchspreis gewann Kugelstoßer Yannis Fischer.

Athleten wie Ausnahme-Weitspringer Markus Rehm, der mit 8,64 Metern Ende Mai und 8,72 Metern Ende Juni zwei Mal seinen Weltrekord verbessert und den sechsten WM-Titel in Folge mit 8,49 Metern Mitte Juli eingefahren hatte, oder Johannes Floors, der 400-Meter-Weltmeister mit nur drei Hundertstelsekunden über seinem Weltrekord von 45,78 Sekunden geworden war, standen gar nicht zur Wahl zum Para-Sportler des Jahres.

Bei der Wahl zu Deutschlands Sportler des Jahres könnten sie aber weit vorne landen, denn erstmals trafen dieses Mal in Kooperation mit dem DOSB und DBS gleichberechtigt alle deutschen olympischen und paralympischen Kader-Athlet*innen die Vorauswahl, aus der dann Sportjournalist*innen wählen konnten. So könnte es passieren, dass in Baden-Baden in diesem Jahr mehr Top-Ten-Plätze als bisher in Reichweite kommen.

Foto: Ralf Kuckuck / DBS

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