Sportler des Jahres - April 2022

Rückschlag für Deutschlands Ironman-Helden

Die mächtigen roten Felsen von Snow Canyon werden die Weltbesten einen Teil des Weges begleiten und die Kulisse bieten für Dramen, Kämpfe, die Erfüllung und das Zerbrechen von Träumen. Am 7. Mai, dann, wenn sich nach pandemiebedingter zweieinhalbjähriger Pause erstmals wieder die stärksten Langdistanztriathleten zur Ironman-WM treffen. „Es wird wehtun, euch nur zugucken zu können“, sagt Jan Frodeno in einem Instagram-Video.

Der Top-Star der Szene und dreimalige Hawaii-Champion wird beim ersten Highlight des Triathlon-Superjahres fehlen. Genau wie der zweimalige Weltmeister Patrick Lange. Ausgerechnet jetzt, da die Triathlon-Welt wieder die Besten sucht, müssen die beiden Deutschen verletzungsbedingt passen und den Showdown über 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen aus der Ferne verfolgen. Drei der vergangenen fünf WM-Titel in Kailua-Kona auf Hawaii sicherte sich Frodeno, zwei gingen an Lange, beide wurden jeweils einmal zu Deutschlands „Sportler des Jahres“ gewählt. Allerdings: Noch in diesem Jahr wollen auch sie ihre WM-Chance nutzen.

Die Titelkämpfe in St. George sind gewissermaßen eine Nachhol-WM. Sowohl 2020, als auch 2021 musste der legendäre Ironman, wo stets im Oktober der Titelträger gekrönt wird, wegen der Pandemie abgesagt werden. Die 2021er-Auflage wurde jedoch nicht komplett abgesagt, sondern auf diesen 7. Mai in den Mormonenstaat Utah verschoben. Im Oktober steht dann das traditionelle Rennen auf Hawaii auf dem Programm – die zweite WM innerhalb eines Jahres.

Für St. George ruhen die deutschen Hoffnungen im Feld der Männer nun auf Sebastian Kienle (37), der 2014 die Siegesserie der Deutschen gestartet hatte. Bei den Frauen kämpft Titelverteidigerin Anne Haug (39) um die WM-Krone, eine ihrer stärksten Konkurrentinnen: Laura Philipp (34). Lange und Frodeno wollen dann auf Hawaii wieder angreifen – Lange hat sogar bereits für die Challenge Roth am 3. Juli gemeldet. „Das gibt mir viel Motivation und Mut“, sagt er.

Der 35-Jährige hatte sich im Februar bei einem Radsturz auf Gran Canaria verletzt und musste an der Schulter operiert werden. Seine Reha verläuft vielversprechend – er konnte neben Rad- und Lauftraining auch wieder das Schwimmen aufnehmen. „Früher hätten mich eine solche Verletzung und das WM-Aus vermutlich leicht aus der Bahn geworfen“, sagt er. „Jetzt fällt es mir leichter. Und ich denke mir: jetzt erst Recht!“

Auch Frodeno fokussiert sich vollkommen auf Hawaii. Der 40-Jährige hat sich eine Teilruptur der Achillessehne zugezogen, kann nicht länger als eine Stunde laufen. „Wenn du dein Limit suchst, wirst du es früher oder später erreichen. Ich habe es jetzt zu weit getrieben“, gesteht er. „Aber so ticke ich nun mal.“ Er will nicht riskieren, dass aus dem Teilabriss etwas Schlimmeres wird und geht auf Nummer sicher. Auch, um seinen Hawaii-Start nicht zu riskieren. „Ich werde alles dransetzen“, sagt er, „bald wieder zurück zu sein.“

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Mannschaft des Jahres setzt Siegeszug fort

Schnell, schneller, unschlagbar - der Deutsche Bahnrad-Vierer der Frauen brillierte bei seinem ersten großen Auftritt 2022 und ließ seinen Gegnerinnen in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung beim Nationencup-Auftakt in Glasgow nicht den Hauch einer Chance.

Die Mannschaft des Jahres 2021 mit Franziska Brauße, Lisa Klein, Laura Süßemilch und Mieke Kröger dominierte im Chris-Hoy-Velodrom die Konkurrenz und setzte sich im Finale mit einem unwiderstehlichen Ritt von vorn in 4:13,421 Minuten gegen die Lokalmatadorinnen aus Großbritannien durch. Zuvor hatten die Frauen von Bundestrainer André Korff in der Qualifikation die Konkurrenz aus Italien und in der Zwischenrunde das Quartett aus Frankreich aus dem Rennen geworfen. Die Olympiasiegerinnen von Tokio und amtierenden Welt- und Europameisterinnen lagen im Finale gegen das Team um Katie Archibald vom Start weg in Führung und flogen mit über fünf Sekunden Vorsprung über die Ziellinie.

Das deutsche Quartett, das diesmal auf die deutsche „Grande Dame“ des deutschen Radsports, Lisa Brennauer, verzichten musste und deswegen auf der wichtigen Position zwei umgestellt werden musste, hatte sich nur eine Woche vor Glasgow zum ersten gemeinsamen Training seit dem Erfolgsjahr 2021 zusammengefunden.

Mit dem Sieg in Schottland knüpfte es nun direkt da an, wo es aufgehört hatte. „Unser „Geheim-Rezept“ ist dasselbe wie letztes Jahr“, erklärte Franziska Brauße am Morgen danach. „Eine gute Mannschaft, bei der wir uns aufeinander verlassen können, gute Laune und natürlich gute Beine“ Auch Power-Girl Mieke Kröger hatte mit ihrer Überzeugung und Vorfreude Recht behalten: Das Regenbogentrikot der Weltmeisterinnen beflügelt.

Die UCI-Nationencup-Edition 2022 gilt als wichtige Standortbestimmung schon im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Paris 2024. Es folgen im Mai die Austragung in Milton/Kanada und im Juli das Finale Cali /Kolumbien.

Bild: Arne Mill

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„Mannschaft des Jahres“ on the road again

„Die faulen Tage sind vorbei“, formulierte es Lisa Brennauer so nett, denn auch die Fahrerinnen der „Mannschaft des Jahres“ 2021, des hypererfolgreichen Bahnrad-Vierers, sind zurück im Rennmodus. So sitzen die rasanten Gold-Girls Brennauer, Lisa Klein, Franziska Brauße, Laura Süßemilch und Mieke Kröger zum Teil seit Februar wieder für ihre Straßenteams im Sattel. Meist als Helferinnen der Kapitäninnen von Ceratizi-WNT Pro Cycling, Human Powered Health, Canyon//SRAM Racing und Plantur-Pura bei den berüchtigten Frühjahrsklassiker in Belgien, Frankreich und den Niederlanden. Dem eiskalten Wind und Wetter und den Pflastersteinen ausgesetzt.

Anders als dort, wo sie 2021 glorreich und nur im eigenen Fahrtwind ihre gemeinsamen Titel hamsterten, auf den Bahnen von Tokio, Roubaix und Grenchen. Mit Olympia-Gold, Weltmeister-Trikot, Europameistertitel und Weltrekord-Flut waren sie im vergangenen Jahr das Nonplusultra in der Welt des Velodroms.

Das genial Erreichte beflügelt. Wie etwa bei Laura Süßemilch, die wie ihre Kolleginnen bis zuletzt von Ehrung zu Ehrung sprang. Auf dem Rad spürt sie nun eine Brise mehr Selbstbewusstsein hier und auch mehr Gelassenheit da.  Franziska Brauße bemerkt einen „entspannten Leistungsdruck, wenn man das Olympiajahr hinter sich hat. Andererseits schauen die Leute halt eben auch ganz anders auf einen, weil man die Olympiamedaille zuhause hat.“ 

Am 16.April warten nun die berüchtigten Pavés der „Hölle des Nordens“ von Paris-Roubaix. Zum Beispiel auf das „Pokerface“ von Lisa Brennauer, die ein bisschen später als die anderen mit der „Ronde van Vlaanderen“ sowie „Gent-Wevelgem“ in die Saison eingestiegen war. Als besondere Ziele 2022 pinnt sie sich vor allem die Premiere der „Tour de France Femme“ im Juli  und die European Games im August in München an die Wand. „Klar, in der Heimat ist so ein großes Event total cool“, freut sich die 33-Jährige auf die Heim-EM auf Bahn und Straße. Weiteres Highlight wird die Bahn-WM im Herbst in Paris. Auf den ersten Stopp des UCI-Bahnradsport-Nationencup in Glasgow Ende April muss sie verzichten. Die Berufssoldatin büffelt für den Abschluss ihrer beruflichen Ausbildung zur „Kauffrau für Büromanagement“. Ein Kompaktkurs für Spitzensportler.

Mannschaftskollegin Mieke Kröger, die mit dem irren Druck in den Beinen, hat Glasgow im Visier. „Das wird bestimmt ganz besonders dann im Weltmeistertrikot zu fahren, mit den goldenen FES-Stickern, da freue ich mich schon voll drauf.“ Die Bielefelderin gönnt sich während der Saison 2022 eventuell auch mal wieder eine Solo-Rad-Tour. Allein vorne raus, so wie sie es schon ab und an wagte. „Einfach, um mich auch mal wieder zu erden. Nicht, dass ich abgehoben bin, das kann ich nicht beurteilen, aber eben um mich mal wieder auf andere Gedanken zu bringen, mich mal wieder zu spüren und so.“ Diesmal vielleicht in Frankreich. Ein Familien-Kaffeeklatsch in Bonn erinnerte die 28-Jährige kürzlich nochmals daran, wie besonders das zurückliegende Jahr war und wie „cool“ der Abschluss mit der Auszeichnung in Baden-Baden. Auch bei Laura Süßemilch sind die Erinnerungen an den „Sportler des Jahres“ noch frisch: „Was da an Fanpost und Nachrichten kam, hätte ich nie gedacht.“

Zurück aber auch direkt in die Zukunft blickte im März der Präsident des Bund Deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping im Jahresbericht: „Stellvertretend für alles, worauf wir stolz sind, gerade auch im Leistungssport, nenne ich die Wahl des Bahn-Vierers der Frauen zur „Mannschaft des Jahres“. Das ist eine herausragende Anerkennung für ebenso herausragende Leistungen – und es ist Ansporn, denn wir nähern uns ja den Vorbereitungen der Olympischen Spiele 2024 in Paris.“

Bild: Pressefoto Baumann / Hansjürgen Britsch

 

 

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