Sportler des Jahres - August 2021

Paralympics mit Goldrand

Das war in der Tat ein goldenes Wochenende für die deutschen Athlet:innen bei den noch bis zum 5. September stattfindenden Paralympics in Tokio. Insgesamt fünf Tage hatte es gedauert, bis Schwarz-Rot-Gold am mittleren Fahnenmast bei der Siegerehrung emporgezogen wurde. Erst als Triathlet Martin Schulz und Rollstuhl-Tischtennisspieler Valentin Baus sich am Sonntag ihre Goldmedaillen abholen durften, war der Bann gebrochen. An Edelmetall und zahlreichen guten Vorstellungen der Teilnehmer:innen des Deutschen Behindertensportverbandes hatte es aber auch zuvor nicht gemangelt

Weitspringer Leon Schäfer beispielsweise, der eigentlich als Favorit in seinen Wettbewerb gegangen war und sogar auf eine Verbesserung seines Weltrekordes (7,24 Meter) gehofft hatte, errang in seiner Spezialdisziplin eine Silbermedaille. Der 24 jährige, dem nach einer Krebserkrankung der rechte Unterschenkel hatte amputiert werden müssen, gilt als Modellathlet und als das „Gesicht“ (eigentlich eher der muskulöse Body) dieser paralympischen Spiele aus deutscher Sicht.

Insgesamt zehn Medaillen (neben den beiden Goldenen noch drei Silberne und fünf Bronzene) durfte das deutsche Aufgebot bis zur Hälfte der Spiele einsammeln. Wie bei jedem weltweiten Sportevent für behinderte Sportler:innen gab es auch in Tokio nur wenige Wochen nach den Olympischen Spielen wieder einzigartige Leistungen behinderter Athlet:innen zu bewundern. Bei den Goalballer:innen beispielsweise (Mannschaftssport für Menschen mit Sehbehinderung) oder auch im Rollstuhlbasketball. Eine Mannschaftssportart, in der knallhart gekämpft wird, die Fetzen und die Stühle fliegen und die Schütz:innen mit unglaublicher Präzision aus mehreren Metern Entfernung treffen.

Der paralympische Medaillenspiegel weist Deutschland nach der Hälfte der Spiele auf Rang 21 aus. Wie in jedem Jahr werden auch 2021 wieder Mitglieder:innen dieses Kaders die Liste der möglichen Sportler:innen des Jahres mehr als nur auffüllen. Ein Wiedersehen in Baden-Baden im Dezember ist jedenfalls genauso möglich wie gerechtfertigt.

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Fahnen­träger Michi Teuber: Gänsehaut pur

Michael Teuber, zum 6. Mal bei den Paralympics, meldet sich aus Tokio. Der erfolgreiche Para-Cycler (5 x Gold) wurde als Fahnenträger auserkoren. Michi, Stammgast in Baden-Baden:

„Eine größere Ehre, als die Mannschaft anzuführen gibt es nicht. Wenn dann die Eröffnungsfeier näher rückt, stellt sich schon eine gewisse Anspannung ein, aber total positiv, Vorfreude eben! Die Mannschaften warten lange vor dem Stadion auf ihren Einmarsch. Aber irgendwann geht es dann in den Tunnel unter den Tribünen und da hat das Team dann richtig Stimmung gemacht! Mareike Miller und ich bekamen die Fahne in die Hand gedrückt und dann führst Du das Team Germany rein ins Olympiastadion! Wow! Dieser Moment war Gänsehaut pur, das erlebst Du nur einmal im Leben!“

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Kappel & das starke Para-Team D

Fünf anstatt der „normalen“ vier Jahre dauerte die Vorbereitung – wegen der Corona-Pandemie –, jetzt ist es endlich so weit: Am 24. August beginnen die Paralympics. „Mein Ziel für Tokio: Ich will unbedingt eine Medaille! Die sieht einfach unfassbar gut aus – und welche Farbe sie letztendlich dann hat, ist zunächst mal egal!“ Niko Kappel, Paralympics-Sieger 2016 in Rio de Janeiro im Kugelstoßen, ist hoch motiviert und zuversichtlich: „Ich will mit Edelmetall aus Japan zurückkommen!“

Unmittelbar vor dem Abflug gab sich der Kleinwüchsige aus Schorndorf, der für den VfB Stuttgart startet, locker und aufgeräumt, als er den Medien Rede und Antwort steht. Die Olympischen Spiele hätten ihn „heiß gemacht und eine Gänsehaut verursacht, und ich werde kämpfen und alles geben“, erklärt er. Der 1,40 Meter messende Power-Athlet ist sich sicher, dass die 13,57 Meter, seine Siegesweite von Rio, diesmal nicht für eine Medaille ausreichen werden, wurde der Weltrekord mit der Vier-Kilo-Kugel doch seitdem mehrmals auf aktuell 14,31 Meter gesteigert. Zwischendurch hielt der 26-Jährige mit 14,30 Meter selbst die Bestweite, ehe ihn der usbekische Weltmeister Bobirkon Omonow übertraf. „Es kommen diesmal fünf Athleten für den Sieg in Frage, darunter auch ich!“ Neben Omonow schätzt Kappel auch den Polen Bartosz Tyszkowski, den Briten Kyron Duke und den Amerikaner Hagg als stark ein, „außerdem weiß man ja nicht, was aus China oder Brasilien kommt“. Die Stärke der Konkurrenz in dieser Disziplin zeige die Tatsache, dass es in den letzten zwei Jahren vier Weltrekordhalter aus vier verschiedenen Ländern gegeben habe.

Tokio war bereits 1964 Austragungsort der Para-Sommerspiele. Diesmal fallen nach der Eröffnungsfeier vom 25. August bis zum 5. September in 22 Disziplinen 539 Medaillenentscheidungen, wobei der Radsport in Bahn und Straße aufgeteilt ist. Für das „Team D Paralympics“ hat der Deutsche Behindertensportverband (DBSV) 58 Athletinnen und 76 Athleten nominiert. Dazu kommen zwei Guides in der Para Leichtathletik sowie ein Pilot im Para Radsport. Begleitet werden sie von 119 Personen aus dem Funktionsteam. Insgesamt werden etwa 4.400 Teilnehmende aus rund 160 Nationen in der japanischen Hauptstadt erwartet.

Im deutschen Team ragen einige Aktive heraus: Andrea Eskau ist mit 50 Jahren nach wie vor das Multitalent, sammelte die „Para Sportlerin des Jahrzehnts“ in drei Disziplinen im Sommer wie im Winter bereits 15 Medaillen. Leichtathletin Martina Willing jubelte bereits 14 Mal über Edelmetall, Radsportler Michael Teuber über fünf Goldmedaillen. Das Küken im Team D ist Leichtathletin Lise Petersen mit 16 Jahren, älteste Starterin die 66-jährige Dressurreiterin Heidemarie Dresing. Die erfahrenste Athletin im deutschen Team ist Speerwerferin Martina Willing (61): die Para- Leichtathletin feierte 1992 in Barcelona ihre Premiere und erlebt in Tokio ihre achten Spiele.

Aussichtsreich in ihre Wettkämpfe gehen zum Beispiel Weitsprung-Weltrekordler Markus Rehm, der Sprinter und Fahnenträger von Rio, Johannes Floors, die Dressur-Equipe oder die Rad-Teams. Bei den Kugelstoßern ist auch das ebenfalls kleinwüchsige Kugel-Nachwuchstalent Yannis Fischer (19) dabei, der mit seinem „Vorbild“ Niko Kappel (26) in Stuttgart bei Peter Salzer trainiert. Dass in Tokio keine Zuschauer für Stimmung sorgen dürfen, „ist halt so, meine Motivation kommt eher daher, dass ich weiß, wer alles zuhause mit mir mitfiebert“.

Niko Kappel jedenfalls ist voll auf seinen Wettkampf in Tokio fokussiert. „Am Montag, 30. August, um 9.57 Uhr Ortszeit (MEZ nachts um 2.57 Uhr) geht es los!“ ARD und ZDF berichten live aus Tokio, über 60 Stunden Übertragung sind geplant. Zusätzlich zu den Fernsehübertragungen bieten beide Sender Livestreams an. Startschuss ist am Dienstag, 24. August, um 13 Uhr mit der Eröffnungsfeier (ARD). Die Sendezeiten sind meist zwischen 9 und 13 Uhr sowie von 14 bis 15 Uhr.

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Letzte Oly-Destination Römerberg

Nicht der Fudschijama, sondern der Frankfurter Römerberg beendete die 32. Olympischen Spiele aus deutscher Sicht. Die Willkommens-Zeremonie für viele Sportler des Team D – vor 500 zugelassenen Gästen, fast alle ausgerüstet mit schwarz-rot-goldenen Utensilien. Sehr häufig fiel das Wort „Danke“ – für die Leistungen bei den ungewöhnlichsten Sommerspielen. Die Analyse der Medaillenausbeute (37, davon zehn in Gold) erfolgt später – jetzt galt das „welcome home“ der DOSB-Delegation, die zu 95 Prozent geimpft war. Und sich, wie Verbandspräsident Alfons Hörmann betonte, mit großer „Disziplin, Professionalität und Sensibilität“ den pandemischen Vorgaben gestellt hatte.
Auf dem „Sport-Balkon“ des malerischen Platzes der Business-Metropole wurde es immer wieder eng, wenn Moderator Jens Zimmermann die Tokio-Rückkehrer, mit Medaille um den Hals oder einfach dem Stolz in der Brust, in Japan alles gegeben zu haben, präsentierte. Sie lachten, winkten, forderten das Publikum zu La Ola auf. Team D setzte einen sympathischen Schlusspunkt unter diese „Spiele des Sports“ (Hörmann). Und einige konnten das Geschehene noch immer nicht fassen. Für Lukas Dauser ist Silber am Barren „noch nicht greifbar.“ Bronze-Ringer Frank Stäbler berichtete von nur „fünf Stunden Schlaf“ während der letzten fünf Tage. Doch die „Glückseligkeit“ mache alles wett.
Kunstturnerin Elisabeth Seitz will – nach ihrer besten Platzierung im Mehrkampffinale – auch 2024 in Paris noch angreifen, „um das nächste Mal hier mit einer Medaille zu stehen.“ Dorothee Schneider aus der Gold-Equipe in der Dressur fand es unglaublich, „aus dem Flieger auszusteigen und gleich gefeiert zu werden“. Ob auf dem Römer – oder wie vorher in der Bubble von Tokio, das Mannschaftsgefüge half dem Team D die wohl schwierigste Mission zwischen den fünf Ringen irgendwie zu meistern
Einig sind sich viele, dass die 2016 eingeleitete Spitzensportreform à la longue greifen wird. Aber auch, dass die monetäre Unterstützung der Besten weiter ausgebaut werden müsse. Nationen, die in Japan die Podeste häufiger stürmten, geben hier die Richtung vor. Während der Römer jetzt wieder den Touristen am Main gehört, kommen auf die sportlichen Globetrotter weitere Ehrungen auf regionaler Ebene zu. Aber der nächste Berg, der sich auftürmt, ist der Merkur, Baden-Badens Hausgipfel, von dem man einen guten Blick auf die Location der Wahl „Sportler des Jahres“ - am 19. Dezember - hat.  

Bild: ISK

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Pressearbeit in Tokio

Am Jahresende wählen die Mitglieder des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS) die „Sportler des Jahres“ – in einem olympischen Jahr stehen in der Regel die Protagonisten im Fokus. Aber ganz so einfach war es diesmal für die Berichterstatter nicht, vor Ort zu recherchieren.
Die Arbeitsbedingungen für die rund 160 deutschen Print- und Onlinejournalist*innen sowie Fotograf*innen bei den Olympischen Sommerspielen von Tokio litten unter pandemiebedingten Einschränkungen, wie VDS-Geschäftsführerin Ute Maag in ihrer Bilanz ausführt.
War es vernünftig, die Olympischen Spiele trotz der Pandemie durchzuziehen? Ganz sicher nicht. Hat es funktioniert? Das schon. Am Ende dieser Party, der leider jede Stimmung fehlte und bei der die Einheimischen nicht mal mitfeiern durften, lässt sich sagen: Während die Infektionszahlen in der Millionenstadt stetig stiegen und bedrohliche Ausmaße annahmen, blieb die olympische „Bubble“, die die japanischen Organisatoren um die Medienvertreter*innen gelegt hatte, von einem Corona-Ausbruch verschont. Der Preis dafür war hoch, wurde aber von allen Akkreditierten akzeptiert: Die strenge Maskenpflicht wurde trotz tropischer Hitze und Schwüle eingehalten, Gesundheitsdaten übermittelt und Spucktests abgegeben, Hände zigfach am Tag desinfiziert und massive Einschränkungen der Bewegungsfreiheit in den ersten 14 Tagen hingenommen – obwohl längst nicht alle Maßnahmen sinnvoll erschienen und die Kommunikation mit den Gastgebern schwierig war. Was nicht nur an der unerwartet hohen Sprachbarriere lag.
Sollte es die Strategie des lokalen Organisationskomitees TOCOG gewesen sein, durch möglichst viel Bürokratie und Verunsicherung im Vorfeld möglichst viele von der Reise in die Olympiastadt abzubringen, dann muss man feststellen: Die Rechnung ging auf. Nur rund 160 deutsche Medienvertreter*innen aus den Bereichen Print, Online und Foto waren vor Ort – ein historischer Tiefststand bei Sommerspielen.
Als die Spiele Fahrt aufgenommen hatten, waren die Arbeitsbedingungen dann nicht so schlecht wie befürchtet. Zwar hatte das Wlan im Main Press Center seine Schwächen und auch der Transport in den Medienbussen geriet bisweilen zum Geduldsspiel, dafür überraschte TOCOG aber auch mit einer gern genommenen Annehmlichkeit: 14 Taxi-Voucher im Wert von je 10.000 Yen (rund 77 Euro) erhielt jede*n Akkreditierte*n, das war ausgesprochen großzügig und hilfreich. Die japanischen Gastgeber erwiesen sich als gute und auch lernfähige Organisatoren. In vielen Venues wurden kreative Lösungen gefunden, um trotz der geforderten Abstände von einem Meter zwischen Journalist*innen und zwei Metern zwischen Interviewer*in und Sportler*in möglichst viele Berichterstatter*innen mit O-Tönen zu versorgen - zum Beispiel, indem Aufnahmegeräte auf Tabletts gelegt werden konnten, die dann vor den Athlet*innen platziert wurden.
Dass Zuschauer generell von den Wettbewerben ausgeschlossen blieben, kam den Kapazitäten auf der Medientribüne zugute und es ist mehr als nur ein Gerücht, dass ein Buchungschaos und Systemversagen nur dadurch verhindert wurde, dass kaum Absagen erteilt wurden. Gab es sie doch, basierten sie meist auf Unwissen und konnten in einigen Fällen durch persönliche Ansprache der Venue Manager in Zusagen umgewandelt werden. Auch dieser organisatorische Aufwand musste von den Medienvertreter*innen geleistet werden – zusätzlich zum journalistischen Job und an Arbeitstagen, die früh morgens begannen und bis spät in die Nacht dauerten. Da schlug es manchen aufs Gemüt, dass beim Essensangebot im Pressezentrum Fastfood, Mikrowellengerichte und Instantsuppen dominierten und Alternativen durch die 14-tägige „Soft-Quarantine“ zunächst nicht erreichbar waren. 15 Minuten durfte ein Einkauf im nächstgelegenen Supermärktchen dauern. Obst war Mangelware.
Zum Glück gab es aber auch manches, das war wie immer. Der Ticketservice des IOC, seit vielen Jahren geleitet von Gabi und Hugo Steinegger sowie Gary Kemper, war stets ansprechbar und fair wie immer, trotz der auch für das IOC-Team deutlich schwierigeren Bedingungen. Nie war die Zahl der High Demand Events, für die jede Nation ein festgelegtes Kartenkontingent erhält, höher: Zu Eröffnungsfeier, Schwimm-Finals und Schlussfeier kamen Turnen, Tennis und Leichtathletik hinzu. Für Handball und Basketball wurde der High-Demand-Status dagegen kurzfristig wieder aufgehoben. Schon zu den Olympischen Spielen in Peking in wenigen Monaten soll ein digitalisiertes System die bislang auf Papier gedruckten Tickets ablösen. Die Verteilung wird jedoch in den Händen der nationalen Press Attachés bleiben. Eine gute Nachricht für die Akkreditierten, die sich nach der Pandemie dann wieder auf ihre journalistische Arbeit konzentrieren können.

 

 

 

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Großer Preis für Ronny

Im vergangenen Jahr wurde ein Bericht über Ronald Rauhe mit dem „Großen Preis“ des Verbandes deutscher Sportjournalisten ausgezeichnet – eine beeindruckende Schilderung über einen außergewöhnlichen Sportler, der auf dem Weg zu seinen sechsten Olympischen Spielen war. Der Text verdeutlichte, dass sich kaum einer so quälen kann wie der Kanute aus Potsdam – der jetzt die Ernte für unendlichen Einsatz einfuhr. Gold im Vierer über 500 m, im Boot mit Tom Liebscher, Max Rendschmidt und Max Lemke. Die Jüngeren wissen, dass Ronny das Team immer zusammengehalten hat. „Ohne ihn hätten wir kein Gold gewonnen.“ Obwohl nur das Ersatzboot (das Original wurde beim Transport beschädigt) zur Verfügung stand – und sich Spanien als erwartet starker Gegner präsentierte.
Jetzt wird der Familienmensch sind endlich um seine Lieben kümmern können – Pläne für die berufliche Zukunft schmieden. Wenn die Tränen von Tokio getrocknet sind. Der 16-fache Weltmeister beendet seine Karriere als „Ikone des Kanusports“. Der 39-Jährige rettete die Bilanz der sonst so erfolgsverwöhnten deutschen Kanuten, erlebte ein Happy End wie aus dem Bilderbuch. Danke, Ronny.

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Sportdiplomatie des Team D

Staunen verbreiteten 14- und 15-jährige Chinesinnen, die sich vom Sprungturm drehen und hechten als würden sie das seit zig Jahren trainieren. Wie geht das – und der Goldschatz der erfolgreichsten Olympia-Nation wächst täglich weiter. Das Reich der Mitte gewinnt das Ranking der Podiumsplätze souverän. Aber auch die Gastgeber sowie Australien oder Großbritannien reisen bald mit einer sagenhaften Ausbeute nach Hause.
Viele jubeln und feiern bei diesen außergewöhnlichen Spielen, am meisten in Erinnerung bleiben die rührenden Szenen von Sportlerinnen und Sportlern, die sonst nie im Rampenlicht stehen, denen nur Olympia eine kolossale Bühne bietet. Ja, für sie in erster Linie hat es sich gelohnt, dass IOC und Japans Macher der Pandemie trotzten. Viele litten und feierten mit Kanuten, Judokas, Ringern oder Seglern. Ihre Tränen der Rührung, mit einjähriger Verspätung, blieben haften.
Das trifft auch auf viele deutsche Athletinnen und Athleten zu. Das Team D erlebte nicht nur den einzigartigen Tag 11 mit elf Medaillen, sondern positionierte sich oft bärenstark beim Kräftemessen der Sportwelt. Als Gewinner, jedoch ebenso bei Niederlagen – sympathisch und herzlich grüßten die Allermeisten aus Asien – via TV – in die Heimat. Das Team D betrieb gute Sportdiplomatie.
Das Gros der Goldmedaillen scheffelten überragende Sportlerinnen von Malaika Mihambo bis Julia Krajewski – da wird die Wahl zur „Sportlerin des Jahres“ im Dezember zum goldenen Laufsteg. Baden-Baden, wo in diesen Tagen auch das kulturelle Leben wieder erwacht, die ersten Veranstaltungen terminiert sind, freut sich schon heute auf den 19. Dezember.
Es waren nicht nur die Überflieger wie Sascha Zverev oder der Bahnvierer der Damen, die für himmlische Momente sorgten. Zum Beispiel der favorisierte Deutschland-Achter: wie die kräftigen Recken ihre Silbermedaille kommentierten, nicht missmutig wie Englands EM-Kicker nach dem Finale in London, sondern den Besseren gratulierend. Respekt. Oder Ringer Frank Stäbler, der ausgemergelt den bronzenen Strohhalm ergriff und deutlich machte, welche Entbehrungen Aktive für ihren olympischen Traum auf sich nehmen. Mit Verlaub, das verschlägt einem die Sprache, so den Körper für einen Platz auf dem Podium zu foltern. Ein Grund mehr, das Hohe Lied auf die Spiele, trotz mancher vorgetragenen Kritik am Kommerz, anzustimmen.
Tokio 2021 – schön, dass dieser Traum für die Protagonisten des Sports doch wahr wurde. Das gilt in gleichem Maße für die Fernsehkonsumenten, die stundenlang live mitfieberten. Mon Dieu, was machen wir ab nächster Woche – ohne die tagfüllenden Top-News aus Tokio? Beruhigend, dass anschließend die Paralympicer die Lücke füllen und Peking 2022 und Paris 2024 gar nicht mehr so fern sind.

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Sommermärchen für Wellbrock

Florian Wellbrock (23) ist der zweite männliche Goldmedaillen-Gewinner dieser Olympischen Sommerspiele von Tokio. Neben den Powerfrauen und Alexander Zverev. Damit fuhr Wellbrock für den deutschen Schwimmverband (DSV) die erste Goldmedaille seit 13 Jahren ein. Als sein persönliches „Sommermärchen“ beschrieb Wellbrock den 13. Wettkampftag der „Spiele“ im Interview mit dem ZDF.
Ab dem Start der 10 km Freiwasser-Disziplin im rund 30 Grad warmen Wasser der Tokio Bay dominierte er seine Kontrahenten. Bereits nach wenigen hundert Metern hatte er einen deutlichen Vorsprung, obwohl er „noch gar nicht richtig gearbeitet hatte“. Nach der gesamten Distanz unter Extrembedingungen kam der Magdeburger deutlich früher als der Zweit- und Drittplatzierte mit ca. 25 Sekunden Vorsprung ins Ziel und musste sich erstmal mit kaltem Wasser abkühlen.
Schon im Becken war Florian Wellbrock die große Hoffnung des DSV, verpasste eine Medaille über die 800 Meter Freistil nur knapp, im Wettkampf über 1500 Meter Freistil wurde er Dritter, auch seine Verlobte Sarah Köhler belegte in der selben Disziplin den Bronze-Rang. Seinen Heimtrainer aus Magdeburg, Bernd Berkhahn, Bundestrainer des DSV und  „Trainer des Jahres“ 2020 begeisterte Wellbrock: "Das ist noch nicht wirklich angekommen. Dafür war jetzt zu viel Spannung die vergangenen Tage und Wochen. Aber das kommt schon noch.", sagte Berkhahn den Kollegen der dpa.

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Gestatten, der neue Gold-Vierer ♀

Was sind olympische Momente hoch 10? Sie kommen selten vor – und sind dann fast unbegreiflich. So empfanden vier Bahnradfahrerinnen und ihr Umfeld die Gold-Rallye im Velodrom von Izu. Dreimal den Weltrekord unterboten – und beim Finale fast die hochfavorisierten Britinnen eingeholt. 4:04,242 Minuten lautet nun die aktuelle Bestzeit von Lisa Brennauer, Franziska Brauße, Mieke Kröger und Lisa Klein – das klingt nach einer Zeit für die Ewigkeit.
Eine Medaille ja, aber Gold für das in diesem Jahr noch umgestelltes Team, das schien außerhalb der Reichweite. Gut, von den Jungs war man in der Vergangenheit einiges gewöhnt. Unter Trainern wie Gustav Kilian stiegen sie zum „Gold-Vierer“ auf, wurden dreimal „Mannschaft des Jahres“, zuletzt nach dem Sieg in Sydney 2000 u.a. dank Robert Bartko. Jetzt empfiehlt sich der BDR-Damen-Express in der 4000-m-Verfolgung für dieses Superlativ. ZDF-Expertin Kristina Vogel beschrieb die Leistungen des Damen-Quartetts auf der Bahn mit den Worten „wahnsinnig, gigantisch“, dann übermannten sie die Tränen. Für den neuen Gold-Vierer.

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Nerven aus Gold

Sie hat es wieder getan, Malaika Mihambo – „Sportlerin des Jahres“ 2019 und 2020 – hat erneut Nerven aus Draht bewiesen. Beim Weitsprung-Finale im Olympiastadion von Tokio bewies die Heidelbergerin ihre mentale Stärke. Im letzten Versuch mit 7,00 Metern, nur drei Zentimeter vor ihren Konkurrentinnen, die sie auf die Plätze verwies. Das bedeutet olympisches Gold für die Ausnahme-Weitspringerin.
Wie schon in der Qualifikation wieder im letzten Versuch. Es scheint, als bräuchte die passionierte Pianospielerin den besonderen Nervenkitzel.
Damit beerbt Mihambo die Olympiasiegerin von Sydney 2000, Heike Drechsler. Mit nur einem Zentimeter weniger gewann sie mit 6,99 Metern die Goldmedaille, im Dezember des gleichen Jahres wurde sie von Deutschlands Sportjournalisten bei der Wahl zur „Sportlerin des Jahres“ mit dem ersten Platz belohnt. Wird das nun der Titel-Hattrick für Malaika Mihambo? Mit dem Sieben-Meter-Coup von Tokio steigen die Chancen auf den insgesamt dritten goldenen Pokal von Baden-Baden drastisch an. Obgleich die Konkurrenz immens ist: vor allem Deutschlands (Super-)Frauen räumen in Japan mächtig ab.  

Bild: Alexander Hassenstein

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