Sportler des Jahres - Juli 2021

14. Team-Gold für Deutschland bei Olympia

„Wir sind ein Super-Team, haben Super-Pferde und sind Super-Reiter!“ Dorothee Schneider (Framersheim) schwärmte und lobte nach dem Grand Prix Special im Baji Koen Equestrian Park, der abschließenden Prüfung für die Mannschaftswertung in der Dressur, die deutsche Equipe in den höchsten Tönen. Drei Monate nach dem dramatischen Tod ihres Pferdes Rock’n Rose bei einer Siegerehrung und einem Schlüsselbeinbruch aufgrund des damit verbundenen Sturzes ritt die Team-Olympiasiegerin von Rio 2016 auf ihrem Wallach Showtime FRH zusammen mit Isabell Werth (Rheinberg) auf ihrer Stute Bella Rose – sie holte ihr siebtes olympisches Gold – und der Olympia-Debütantin Jessica von Bredow-Werndl im Sattel ihrer TSF Dalera zum überlegenen Erfolg. Damit gewann Deutschland das insgesamt 14. Gold seit den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam. Mit dem neuen Rekordergebnis von 8.178,0 Punkten blieben die Favoritinnen deutlich vor den USA (7.747,0) und Großbritannien (7.723,0). „Hut ab!“, kommentierte der Mannschaft-Olympiasieger von 2016, Sönke Rothenberger, als TV-Kommentator.

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Durch Wellen und Walzen zu Gold

Ricarda Funk (29) aus Augsburg ist die erste Deutsche Olympiasiegerin dieser Sommerspiele in Tokio. Im Kanuslalom perfektionierte sie ihr Rennen - auf dem ausgesprochen schweren Kurs im Karsai Canoe Slalom Centre gelang der im Kreis Ahrweiler geborenen Kanutin der Gold-Coup. Mit einem Vorsprung von 1,13 Sekunden auf die zweitplatzierte Maialen Chourraut aus Spanien kam sie nach dem 25-Stangen-Parcours ins Ziel und sprang danach mit ihrem Trainerteam direkt ins kühle Nass: „ich kann es einfach nicht glauben, ich kann es einfach nicht glauben“, sagte Funk nach ihrem Sieg den deutschen Medienvertretern. Ins ARD-Studio wurde ihre Familie aus dem Überschwemmungsgebiet Bad Neuenahr-Ahrweiler zugeschaltet, die die Goldmedaille als Glanz in der Katastrophe empfinden.

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Peter Leissl (ZDF): Wie TV in Tokio funktioniert

Meine 17. Olympischen Spiele sind - höchstwahrscheinlich - die letzten vor Ort. Da möchte man doch gerne auch eine so interessante Kultur wie die japanische in vollen Zügen genießen. Dass das nicht möglich sein würde, war schon länger klar. Dass es aber aus Deutschland genauso möglich gewesen wäre, mit deutlich mehr Freiheiten, ist mein erstes Fazit nach wenigen Wettkampftagen. Ich wäre Heimschläfer geblieben, hätte all die digitalen Hilfsmittel eines Journalisten auch dort gehabt: Die Strecken der Radrennen kennenlernen? Geht auch mit Youtube-Videos. Athleteninfos aus erster Hand bekommen? Das ist mit Videokonferenzen über Teams ebenso möglich. Bei der Kommentierung digitale Hilfen in Echtzeit bekommen, Internet live-Ticker, Wettkampfdaten, Computer-Infosysteme  – auch das wäre aus Deutschland möglich gewesen. Und wahrscheinlich ohne wesentlichen Qualitätsverlust.

Das könnte sich mit Beginn der Leichtathletik zwar ändern, denn dann werde ich in einem fast leeren Nationalstadion sitzen und kommentieren.  Dann ist der Blick über den Monitor in das weite Rund der Arena möglich, man könnte Trainer auf der Tribüne sehen, Zurufe verstehen – der Kommentar würde authentischer. Aber es gibt genügend Reporterkollegen, zuständig für Sportarten mit weniger Sendevolumen, die in Deutschland geblieben sind. Mit diesen „Fernbeziehungen“ haben wir in der digitalen Welt schon zu leben gelernt, die Pandemie aber hat diese Tendenz merklich verstärkt.

14 Tage Quarantäne - auch daran gewöhnt man sich. Was bleibt auch anderes übrig? Frühstück auf dem Zimmer mit selbst Gekauftem aus einem kleinen Drugstore direkt gegenüber dem Hotel. Das liegt in Shibuya, dem angeblich lebhaftesten Viertel in diesem riesigen Moloch Tokio. Nur dass man von dem Treiben nicht viel mitbekommt. Der Weg zur Bushaltestelle ist kurz, keine 50 Meter bin ich im Freien, klettere dann in ein Shuttle, das mich in einer knappen Stunde zum Fernsehzentrum an der Tokyo Bay bringt. Dort verbringe ich den ganzen Tag, um in der Abenddämmerung dasselbe Spielchen in umgekehrter Richtung zu absolvieren. Im Hotel sind wir gebeten, den Personal- bzw. Lastenaufzug zu nehmen, um möglichst nicht in Kontakt mit „normalen“ Gästen zu kommen. Abendessen (wenn man nicht im TV-Zentrum schon eine Pizza verschlungen hat) aus gekauften Fertigsuppen oder Sushi-Rolls. Aber ich will nicht klagen: Das Zimmer ist für japanische Verhältnisse ziemlich geräumig, das zweite Bett ist als Ablage willkommen. Die Nasszelle wird peinlich sauber gehalten. Am meisten nervt, dass es keinen Fitnessraum gibt. An Jogging-Runden in benachbarten Parks (die gibt´s) ist nicht zu denken. Aber trotzdem: verglichen mit der „Isolationshaft“, in der sich der Radrennfahrer Simon Geschke gerade befindet, bin ich in einer beneidenswerten Situation!

Das tägliche Füttern der Gesundheits-App Ocha nervt auch kaum noch, ebenso der „Spucktest“ , mit dem man in bestimmten Zeitrhythmen Proben seines Speichels abgeben muss. Meinen Kolleg*innen geht es mehr oder weniger genauso. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Und die Hoffnung bleibt, dass ich nach 14 Tagen noch fünf weitere haben werde, in der für mich keine Quarantäneauflagen mehr gelten. Es sind eben besondere Spiele, diese meine letzten, die ich vor Ort erlebe.

Bild: ZDF

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Legende Laura und die olympische Hoffnung

Sie haben begonnen, die 32. Olympischen Sommerspiele in Tokio – mit zwölfmonatiger Verspätung. Erster Höhepunkt aus deutscher Sicht: der Einmarsch des Team D ins Nationalstadion der japanischen Metropole. Beachvolleyballspielerin Laura Ludwig, im letzten Dezember bei der Wahl „Sportler des Jahres“ als „Legende des deutschen Sports“ (mit Ex-Partnerin Kira Walkenhorst) ausgezeichnet, trug zusammen mit Wasserspringer Patrick Hausding die schwarz-rot-goldene Fahne. Dahinter die zahlreichen Vertreter der insgesamt 438 Personen zählenden Delegation. Die meisten mit kleinen deutschen und japanischen Flaggen. Ein Bild, das Hoffnung macht. In 33 Sportarten, 51 Disziplinen geht es um die Medaillen – bis zum 8. August.

Die Bedingungen im Olympischen Dorf, den Wettkampfstätten sind extrem. Das gilt für die Athleten ebenso wie für Betreuer und Berichterstatter. Ein Signal gegen die Corona-Pandemie aber könnten die Games aussenden. Vor allem: die Protagonisten rücken endlich wieder in den ganz großen Fokus – nach schwierigen Vorbereitungen, teilweise monatelangem Warten auf einen aussagenkräftigen Wettkampf. Vergessen, die Regeln gehören eben dazu, die Motivation ist riesig. Und für die TV-Sportfans präsentieren ZDF und ARD sowie Eurosport ein Top-Angebot. Mit der Einschränkung, dass die Fernsehmacher aus Hygienegründen deutlich weniger Personal nach Asien entsandten – und die Entscheidungen teilweise mitten in der Nacht resp. am frühen Morgen fallen. Früh aufstehen aber könnte sich für die deutschen Goldfavoriten lohnen.

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Tokio 1964: Gemeinsam im Kalten Krieg

Die olympische Flamme lodert zum zweiten Mal in Tokio. Da lohnt sich ein Blick 57 Jahre zurück, als 1964 in der Hochzeit des Kalten Krieges zum letzten Mal vor einer langen Pause eine gemeinsame deutsche Mannschaft um die Medaillen kämpfte. Zu den Olympiasiegern gehörten der Rudervierer mit Steuermann vom RC Berlin oder der Potsdamer Kanute Jürgen Eschert. Er feiert im nächsten Monat seinen 80. Geburtstag. Die Wasserspringerin Ingrid Gulbin-Krämer, sie wird am 29. Juli 78, lebt in Dresden-Cosebaude. Im vorigen Jahr beklagte sich die dreimalige Goldfee in der „Sächsischen Zeitung“, dass die ehemaligen DDR-Sportler in den Medien viel zu wenig Beachtung fänden.

Ehrungen wurden der außergewöhnlichen Sportlerin jedoch reichlich zuteil. Die Sächsin wurde bereits 1975 in die „Hall of Fame“ in Fort Lauderdale (USA) - aber erst 2011 in die deutsche „Hall of Fame“- aufgenommen. Die Olympiasiegerin stieg viermal zur „DDR-Sportlerin des Jahres“ auf. 1960, nach ihren Olympiasiegen von Brett und Turm in Rom, gelang ihr ein Phänomen. Sie wurde „Sportlerin des Jahres“ in der DDR und der Bundesrepublik. In Tokio trug sie die damalige deutsche Kompromiss-Fahne mit den fünf weißen olympischen Ringen ins Stadion.

Für Medaillenglanz schaufelte der Vierer mit Steuermann vom Westberliner BRC das Wasser des Lake Sagami um. Schlagmann Peter Neusel, Bernhard Brittig, Joachim Werner, Egbert Hirschfelder und Steuermann Jürgen Oelke fischten unangefochten das Gold aus dem japanischen Wasser. Für Peter Neusel waren es dramatische Tage. Am 15. Oktober stieg das olympische Finale. Am 7.Oktober verstarb Neusels Vater Walter, 1938 Deutscher Boxmeister im Schwergewicht. Auf ausdrücklichen Wunsch seiner Mutter blieb Peter in Japan und kehrte als Hero zurück. Die Goldcrew wurde von Walter Volte trainiert, dem Olympiasieger im Vierer mit 1936.

Als erster Deutscher stieg Willi Holdorf aus Schleswig-Holstein zum König der Athleten auf. 18 Sekunden durfte Holdorf über die abschließenden 1500 m des Zehnkampfes langsamer sein als der Este Rein Aun. Der Deutsche kreuzte zwölf Sekunden hinter dem damaligen sowjetischen Läufer Aun die Ziellinie. Gold – und im Dezember die Auszeichnung zum „Sportler des Jahres“ in Baden-Baden. 1973 legte er in Cervinia noch eine EM-Silbermedaille als Anschieber im Bob dazu. Mit 80 Jahren verstarb Holdorf in Achterwehr. Hans-Günter Winkler, Hermann Schridde und Kurt Jarasinski ritten als Springreiter Equipe unangefochten zum Sieg. Mit insgesamt fünf Gold- und einer Silbermedaille ist HGW einer der erfolgreichsten Athleten überhaupt. 15 Tage vor seinem 92. Geburtstag verstarb der Olympionike in Warendorf.

In Zeuthen bei Berlin wohnt heute der frühere Rostocker Schwimmer Frank Wiegand (78.). Er trug in Tokio gehörig zum Glanz der deutschen Mannschaft bei: dreimal Silber. Insgesamt kehrten die 372 Sportler aus Ost und West mit 50 Medaillen, davon zehn in Gold, aus Japan zurück. Eine gute Bilanz, denn damals gab es lediglich 163 Entscheidungen, deren Zahl heute auf 339 angestiegen ist.

Die Story mit der Hochzeit…

Um sie zu erzählen, musste Wiegand erst einmal den vollautomatischen Staubsauger abstellen… „Die drei Silbermedaillen sind das Herzstück meiner Sporttrophäen. Ganz besonders hänge ich an der Medaille über 400 m Freistil. Ich bin damals hinter dem USA-Ausnahmeschwimmer Don Schollander Zweiter geworden“, so Wiegand. Mit einigem Stolz spricht er auch über die 4 x 200 m-Freistilstaffel. „Wir waren mit Gerhard Hetz aus Hof, Hans-Joachim Klein aus Darmstadt sowie dem 1995 verstorbenen Leipziger Hans-Günter Gregor und mir eine echt gesamtdeutsche Mannschaft. Und die Verbindung zwischen uns riss nicht ab. Unsere Funktionäre knurrten zwar, aber Gerhard und Hans-Joachim waren im November 1964 Gäste bei meiner Hochzeit.“ Bis zu seinem Tod in Mexiko 2012 stand Wiegand mit Hetz in lockerer Verbindung. „Noch enger war die Beziehung mit Hans-Joachim Klein.“ Sie setzte sich auch nach der Wende fort. „Um der Frage zuvor zukommen. Ins Wasser gehe ich nur noch baden“, verabschiedete sich der einstige Schwimmbecken-Held.

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Dr. Baumann oft als letzte Rettung

„Was soll ich nur machen…?“ Der Hilferuf deutscher Olympia-Athleten erreicht Matthias Baumann mehrfach täglich. Er soll vor allem Ratschläge aus medizinischer Sicht zu Hygiene-Fragen vor dem Flug nach Tokio und den zu erwartenden Restriktionen vor Ort geben. Meist kann er helfen, wie so häufig, als zuständiger Mediziner für alle Radsport-Disziplinen, vom BMX bis Straßenrennen. „Aber vieles ist auch undurchsichtig“, weiß der 50-Jährige aus eigener Erfahrung. Protokolle erstellen, spezielle PCR-Tests, Apps aktivieren, tägliche Aktionspläne erstellen. „So viele Zettel“ klagt der Hobby-Kletterer (der dem Gipfel des Mount Everest ganz nah war), dessen Apps mit diversen Regeln auch nicht funktionieren.

„Ein deutscher Funktionär durfte nicht mitfliegen, weil der Rachen- und Nasentest nicht vollständig war. „Und alles muss doppelt erfolgen.“ In Corona-Zeiten wurde der eigene Arzt-Koffer, u.a. mit Medikamenten und Verbandsmaterial immer schwerer. Zumal Baumann nun auch Ringer-Hoffnung Frank Stäbler betreut, da dessen Verband medizinisch nicht In Japan vertreten ist. Zudem erhielt er von DOSB-Chefarzt Prof. Dr. med. Bernd Wolfarth noch die Akkreditierung für das Olympische Dorf, dort sind nahezu alle klinischen Gerätschaften vorhanden. Dh. Rund-um-die-Uhr-Betreuung zum Wohle der deutschen Hoffnungen. „Zum Schlafen komme ich eher selten, denn gerade bei solchen Großereignissen häufen sich selbst kleine Wehwehchen“, auch in Rio war Dr. Baumann am Start, bei der Sportler-Wahl in Baden-Baden ist er der gute Geist in medizinischer Hinsicht.

Und dennoch freut er sich auf die ungewöhnlichsten Spiele aller Zeiten. „Es geht um die Athletinnen und Athleten, die sich jetzt fünf Jahre vorbereiteten. Für sie wäre eine Absage der Horror gewesen, nicht wenige hätten umgehend die Karriere beendet. Aber vielleicht wird es unter dem Strich ja doch besser als wir denken.“ Auch aus sportlicher Sicht. Baumann ist eine Radfreak und nennt Personen wie Emma Hinze (Bahnsprint) und Maximilian Schachmann als ziemlich sichere Podiumskandidaten. Auch im BMX sieht er Medaillenchancen – und für Lisa Brennauer im Einzelzeitfahren sowie auf der Straße. Außerdem hofft er, den dreimaligen Ringer-Weltmeister Fränky Stäbler auf dem höchsten Treppchen zu sehen.

Am Wochenende startet Matthias Baumann mit der größten Delegation des Team D ins etwas Ungewisse. „Ist schon brutal, dass die japanische Bevölkerung so gegen die Spiele ist.“ Aber der Chefarzt der Sigmaringer Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie ist vorbereitet und erhielt auch die offizielle Einkleidung. „Private Klamotten brauche ich quasi keine, man ist ja immer in offizieller Mission unterwegs.“ Und ein bisschen schwingt beim Orthopäden die Hoffnung mit, dass er eher ruhige drei Wochen am Rande der Wettkampf- und Trainingsstätten erlebt. Wäre zu schön, um wahr zu sein…

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Olympiasieger als Nachbar

„In Rio“, erinnert sich Christian Reitz „waren wir auch aufgrund der günstigen Sendezeiten mehr im Fokus als sonst.“ Und der Sportschütze nutzte das Gebot der Stunde: holte Gold mit der Schnellfeuerpistole. „Da hat auch mein Nachbar neben meiner Mietwohnung nachgefragt“, ob er tatsächlich mit einem veritablen Olympiasieger Tür an Tür lebe. Heute ist fast alles wieder wie vorher. „Sportschießen bleibt Randsportart“, so der 34-Jährige, dem sich nun – nach einjähriger Verspätung – die Chance bietet, sich der Öffentlichkeit erneut in Erinnerung zu bringen. Voraussetzung: (wieder) eine Medaille. Beim letzten Weltcup in Kroatien demonstrierte er, nach gefühlt ewiger Wettkampfpause und geschlossenen Schießanlagen, aufsteigende Form. Silber in seiner Spezialdisziplin, Sieg im Mixed, der Treffsicherste in der Mannschaft.

Aber Prognosen sind selten Sache der Schützen. Das liegt in diesem besonderen Jahr auch daran, dass man wenig bis nichts über die internationale Konkurrenz weiß. Und am Ende könne auch einem bislang völlig Unbekannten der Volltreffer gelingen. „Manchmal sind unsere Wettkämpfe wie eine Wundertüte: entweder Weltrekord oder 20 Ringe drunter, alles hängt von der Tagesform ab.“ Erstes Ziel ist immer das Finale der sechs Besten. „Dann bist Du schon recht nah an den Medaillen dran – und ich bin nicht ganz final-unerfahren.“

 In Japan war der ansonsten Vielgereiste aus Regensburg noch nicht. „Das ist auch keine Schützen-Hochburg und es gibt kaum Wettkampfstätten.“ Irgendwann in der Vergangenheit habe mal ein Weltcup in Tokio stattgefunden. Also wird der Sport der allerhöchsten Konzentration während der zuschauerlosen Spiele wohl nur am Rande wahrgenommen. Zielgenaue wie Christian Reitz haben damit kein Problem. „Wir Schützen sind entspannt“, meint er. Und so erlebte er schon den Weltcup in Kroatien als Blaupause. Tests alle 48 Stunden, problematische Unterbringung. „Und dennoch gab es positive Fälle.“

Was ihn in Tokio bei seinen vierten Sommerspielen erwartet? Vieles scheint noch fraglich. „Müssen wir drei Tage in Quarantäne, wo kann man trainieren?“ Diverse Fragezeichen begleiten die Athletinnen und Athleten ebenso wie die beruflich Tätigen während dieser XXXII Spiele. Reitz sieht einen „kleinen Grauschleier“ über dem Ganzen. „Blauäugig“ reise er auf keinen Fall nach Fernost sagte er bei der Einkleidung, die er als angenehmes „Go“ empfand. Vor Ort will er „Unnötiges vermeiden, der aktuellen Situation im Land der aufgehenden Sonne „mit Respekt“ begegnen.

Und vielleicht entwickelt sich hinterher erneut ein kleiner Hype für die Schützen, die, nach schwacher Bilanz in London 2012, mit drei Goldmedaillen in Brasilien 2016 so magistral abschnitten. Auf die Frage, ob ihm das einen Sponsor bescherte, lächelt Reitz. „Das ist ganz schwierig.“ Immerhin habe er einen Opel direkt vom Werk zu Sonderkonditionen bekommen. Für den zweifachen Welt- und 13-maligen Europameister wie ein Treffer ins Schwarze.

Bild: ISK

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Olympia-Ambitionen auf Bahn und Straße

Aller guten Dinge sind 3, sagt man. Daran wird womöglich auch Weltklasse-Radsportlerin Lisa Brennauer denken. Die Allgäuerin peilt in Tokio olympisches Edelmetall an. Dies fehlt noch in ihrer glänzenden Medaillensammlung. Allein 13 Medaillen erkämpfte sie bei Welt- und Europameisterschaften. Eine Olympische wäre brillant.

Nach der, für die damals 21-Jährige, sehr aufregenden Olympia-Premiere in London 2012 und dem Gänsehaut-Feeling ihrer zweiten Spiele in Rio 2016, blickt die Profisportlerin (Ceratizit-WNT Pro Cycling) dank Routine und der Erfolgs-Vita etwas entspannter gen Japan. Die Erfahrung hilft „vor allem in Hinblick auf Gelassenheit und Ruhe in der Vorbereitung. Es ist schwierig, bei all dem Trubel den Fokus oben zu halten“, verrät die 33-Jährige während des gerade laufenden Giro d‘Italia der Frauen. Das Zehn-Etappenrennen endet am 11. Juli und ist der letzte Test vor Tokio.

Die vierfache Weltmeisterin und achtfache Deutsche Meisterin (Straße und Einzelzeitfahren) startet in Fernost mit Doppelbelastung auf Bahn UND Straße. Bei der Bahn-WM 2020 in Berlin wurde sie, die über eine lange Zeit hinweg komplett die Finger vom Bahnradsport gelassen hatte, nicht nur Vizeweltmeisterin in der Einerverfolgung, sondern war der Motor zur WM-Bronzemedaille im Vierer. Im Pandemiejahr 2020 schob sie sich bei 22 Starts 15-mal unter die Top-Ten.

Auf welchem Terrain die olympische Medaille(n) liegen könnte(n), ob auf Asphalt oder im Holzoval? „Dauerbrennauer“ legt sich nicht fest: „Das ist eine schwierige Frage. Eines ist sicher, wir reisen zu keinem der Events als absolute Favoriten, aber dennoch als ein Team, mit dem man immer zu rechnen hat. Das nimmt Druck raus, aber macht alles möglich.“

Das Bahn-Quartett ist hochmotiviert. Dafür sorgt nicht zuletzt das Herzstück der Mannschaft, denn „Lisa ist ein bisschen wie die „Mutti“ im Vierer“, sagt Franziska Brauße, die zusammen mit Lisa Klein und der nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Gudrun Stock nachgerückten Laura Süßemilch das rasante Kleeblatt komplettiert. „Sie ist eine superliebe. Sie hält die Gruppe zusammen und bei Laune. Wenn es jemand mal nicht so gut geht, hat sie immer ein offenes Ohr und hilft so gut sie kann!“ Der Familienmensch Brennauer bleibt bescheiden: „Ich denke wir haben zusammen einiges bewegt in den letzten Jahren. Und es ist schön zu sehen, wie sich jede einzelne entwickelt und eine eigene Meinung hat, zusammen mit dem konstanten Leistungszuwachs, hat mich das am meisten beeindruckt“, freut sich Lisa, die in Tokio auch auf dem anspruchsvollen olympischen Straßenkurs und beim Einzelzeitfahren ein Wörtchen mitreden könnte.

Egal, ob sportlich oder als Mensch, Lisa Brennauer ist ein Vorbild. Dass sie auch dezent feiern kann, wird sie – sofern möglich – am 19. Dezember beim „Sportler des Jahres“ in Baden-Baden einmal mehr unter Beweis stellen können. „Den Termin habe ich notiert.“

Bild: Arne Mill

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Mit Weltrekord nach Tokio

Para-Sprinter Johannes Floors ist einer der schnellsten Läufer der Welt, seine Parade-Disziplinen sind die Kurzstrecken auf der Kunststoffbahn. Was er beim „Heimspiel“ des TSV Bayer 04 Leverkusen, bei „gesegneten“ Wetter-Bedingungen, eindrucksvoll bestätigte. Die 200 Meter in 21,04 Sekunden - Weltrekord. Das gibt Selbstvertrauen für die anstehenden Paralympischen Spiele in Tokio (24. August bis 5. September). „Normalerweise ist das integrative Sportfest des TSV Bayer 04 Leverkusen ein richtiges Fest, der Sport steht zwar trotzdem im Mittelpunkt, doch für die Fans ist auch neben der Wettkampffläche etwas geboten. Das konnten wir durch Corona in den vergangenen zwei Jahren leider so nicht bewerkstelligen, daher wurde das Sportfest in Heimspiel umbenannt, um trotzdem – unter Auflagen – stattfinden zu können“, sagt Floors wenige Tage nach seinem 200-m-Coup.

Aber jetzt richtet sich der Fokus auf Tokio, „dann ist heute in genau vier Wochen ja mein 100 Meter-Finale“, grinst Floors und freut sich gewaltig, auf die etwas anderen „Spiele“. „Ich hoffe, dass wir trotz der Pandemie-Bedingungen vor Zuschauern laufen können, je nach dem was erlaubt sein wird“. Die Para-Leichtathletik-Riege fliegt bereits am 13. August nach Japan, in ein Vorbereitungstrainingslager und bezieht erst unmittelbar vor den Wettkämpfen das Paralympische Dorf. Die Akklimatisierung ist der erste Schritt.

Floors blickt auch optimistisch nach vorne. „Gut, dass die Final-Läufe meist abends sind, dadurch können sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit über den Tag etwas einpendeln“, denn gerade die Luftfeuchtigkeit könnte für Athleten mit Amputationen zur Herausforderung werden. „Auch das steht uns im Trainingslager bevor, denn das Schwitzen in der Prothese kann zum Problem werden. Wenn die Prothese nicht mehr richtig sitzt, können wir keine Höchstleistungen abliefern. Daher gilt es schon vorher Lösungen zu finden, um wunde Stelle zu vermeiden“. Der Leverkusener kennt das Lauf-Oval des 2019 fertiggestellten Nationalstadions: „Die Bahn ist schnell“. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte – außer bei Regen – in der sogenannten „Heritage Zone“ keine große Rolle spielen.

Zur damaligen Eröffnungszeremonie wurde als sportlicher Show-Teil ein Staffelwettkampf durchgeführt: jeder Läufer absolvierte 200 Meter vor ausverkauften Rängen. Johannes Floors, der in der Klasse T62 (Anm.: Doppelt unterschenkelamputierte Sprinterinnen und Sprinter) startet, erinnert sich gern: Es war ein unglaubliches Gefühl vor 70.000 Zuschauern laufen zu dürfen“.

Den eigenen Weltrekord einzustellen, haben das Selbstbewusstsein des 26-jährigen Sprinters, in Rio Mitglied der siegreichen 4x100-m-Staffel, enorm gestärkt – ihm gleichzeitig aber auch etwas Entspannung gebracht, denn die Form stimmt. Für Tokio lautet die Devise „Gold ist das Ziel.“

Bild: picture alliance

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