Sportler des Jahres - Juli 2021

Sportstadt Baden-Baden jetzt auch Welterbe

Zum 53. Mal wird die Verleihung „Sportler des Jahres“ in Baden-Baden stattfinden. Und wenn am 19. Dezember sicherlich wieder mehr Gäste ins Kurhaus dürfen, umgibt zusätzlicher Glanz die Gala. Die Stadt am Rande des Schwarzwalds darf sich künftig „Welterbestätte“ nennen – ein UNESCO-Komitee hatte dies entschieden. „BAD“ gehört - mit acht anderen Kurorten - zu den „Großen Bädern Europas“. Im Kurpark, neben dem bei der Sportler-Wahl stets die Größen aus den Shuttle-Fahrzeugen steigen, hatte Oberbürgermeisterin Margret Mergen und viele Gäste die Entscheidung per Livestream auf großen Leinwänden verfolgt. „Über zehn Jahre haben wir zusammen mit der Bevölkerung dafür gearbeitet“, so die überglückliche Stadtchefin. Aus Stuttgart gratulierte der stellvertretende Ministerpräsident Thomas Strobl – jetzt hofft die Sportstadt natürlich auf touristische Impulse durch den Unesco-Welterbe-Titel.

Im 19. Jahrhundert galt Baden-Baden als „Sommer-Hauptstadt Europas“ – das Stadtbild ist geprägt von beeindruckenden Bauten wie Kurhaus, Trinkhalle oder Theater. Das Auge mag sich am Rande des kleinen Oos-Flüsschens kaum satt zu sehen. Das empfinden die Teilnehmer des Sportler-Abends immer kurz vor Weihnachten ähnlich. Viele reisen einen Tag vorher an, um das einzigartige Ambiente intensiv zu genießen. Und verabschieden sich gerne mit den Worten: „Dann bis zum nächsten Jahr hier.“

Nach dem aktuellen Highlight verfolgen die Sportfans in der 50.000-Einwohner-Stadt jetzt die Spiele in Japan. In der Hoffnung, dass in fünf Monaten zahlreiche deutsche Olympia-Helden über den roten Teppich zur Ehrung schreiten – wenn die Corona-Situation dies dann wieder erlaubt.

Bild:  Badisches Tagblatt/Harald Holzmann 

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Nachruf

Was soll man sagen, wenn die Worte fehlen? Unser Freund und Partner, Gerd Enzig, ist am 11. Juli plötzlich und unerwartet verstorben. Gerade noch im Urlaub, grade noch telefoniert, grade noch... Und vorbei.

Schon die Kinder besuchten denselben Kindergarten – vor ca. 27 Jahren. Anfangs noch ambitionierte Grafiker, wurden aus Gerd – und seinem Geschäftspartner Tom – erfolgreiche Gründer der PRC Werbeagentur. Tom der Kreative – und Gerd mit dem Händchen für die Finanzen. Über 20 Jahre sorgte Gerd für den reibungslosen Ablauf bei Vertragsverhandlungen, stundenlange Telefonate und Treffen immer im Voraus. Und manchmal auch launige Abendessen.

Sponsoren lagen ihm am Herzen. Oft genug fragte man im Kurhaus von Baden-Baden „Wo ist Gerd?“ – „Der ist mit nem Sponsor im Runden Saal!“ Nur wenn es dunkel wurde und in den Büros in der Bel Etage etwas Ruhe einkehrte, dann durfte es gerne mal ein Feierabend-Bierchen sein. Im Kreise der „Dezemberfamilie“.

Zusammen mit der ISK lancierte er die Lifestyle Sport Marketing GmbH, Exklusivagentur für die Veranstaltung „Sportler des Jahres“. Und die Gala in Baden-Baden entwickelte sich auch zum seinem „Kind“ - für das Gerd alles in die Waagschale warf. Der Erfolg und der zunehmende Bekanntheitsgrad trugen seine Handschrift. Persönliche Gespräche mit Partnern und die Leistungen vor Ort umzusetzen, waren sein Ding. Er machte alles mit Herzblut, auch wenn Arbeit und Stress einen über Gebühr strapazierten.

Bei einer Fahrt mit seinem Roller durch landschaftlich schöne Gegenden entspannte er sich, im Urlaub, in der Türkei oder Südfrankreich, fand er Abstand zu beruflichen und privaten Sorgen. Klagen hörte man selten. Man müsse akzeptieren, was ist – er sah meist die Sonne am Horizont aufgehen. Damit motivierte er seine Mitmenschen, die sich glücklich schätzten, zu seinem Freundeskreis zu gehören. Dann servierte er im selbst gebauten Ofen besondere Pizzen oder leckeres Vitello tonnato. Die italienischen Momente im Leben genoss Gerd Enzig.

Auch die Pandemie konnte ihn nicht bremsen. Im Gegenteil: die Pläne für angepasste Serviceleistungen lagen schon in seiner Schublade. „Als Selbstständiger musst Du immer weitermachen, das ist nun mal so“, seine Einstellung. Die immer mal wieder ersehnte Auszeit in Form einer kleinen Weltreise verschob sich damit mal wieder. Alle hätten ihm das gegönnt. Und alle um ihn herum wünschen seiner Familie jetzt jede Menge Kraft.

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Überraschende Ehre für „KraMies“

Das kam überraschend. Kevin Krawietz und sein derzeit noch (am Knie) verletzter Partner Andreas Mies übernahmen die Regentschaft auf dem Center Court bei den Hamburger European Open. Zur Übernahme des Pokals für Platz 2 bei der letzten Wahl zur „Mannschaft des Jahres“, nur von den übermächtigen Bayern überflügelt. Nach Baden-Baden hatte das deutsche Traum-Doppel, zweimal Gewinner der French Open, aus Pandemiegründen nicht reisen dürfen – im mondänen Tennis-Park am Rothenbaum führte die Ehrung die Racket-Cracks wieder zusammen.

„2019 waren wir Dritter bei der Wahl ‚Sportler des Jahres‘, dann Zweiter, da ist das nächste Ziel doch logisch…“, schmunzelte Mies und nannte spontan die nächsten Ziele. „Die Rückkehr vielleicht bei den US Open, das beste Doppel weltweit zu werden und einmal alle Grand-Slam-Turniere zu gewinnen.“ Die silberne Trophäe präsentierten „KraMies“ ihren Fans an der Waterkant. Während Andy zur weiteren Reha nach Köln zurückkehrte führt Kevin seine Performance an der Seite des Rumänen Horia Tecau – eindrucksvoll – fort. In Tokio wird der Coburger dann mit Tim Pütz auf dem Platz stehen. „Für mich ist der zweite Sieg bei den French Open nach wie vor das Highlight unserer Karriere, das ich noch immer kaum mit Worten beschreiben kann.“

Auf Abstand bedacht, richteten die Fotografen ihre Linsen auf die zweimaligen Podiums-Platzierten der Sportlerwahl, die die Top-Resultate der Racket-Zunft fortsetzten. Eingeleitet vom Tennis-Baron Gottfried von Cramm (1947/48), von Steffi Grad, Boris Becker, Angelique Kerber, dem Daviscup- resp. Fed-Cup-Team untermauert. Die zweimalige Siegerin Kerber (2016 und 2018) meldete sich mit der Halbfinal-Teilnehme von Wimbledon wieder eindrucksvoll zurück.
Die Pokal-Übergabe im norddeutschen Tennis-Tempel, für 3500 Zuschauern zugelassen, genossen Krawietz/Mies in vollen Zügen. Und reihten sich ein in die lange Schlange deutscher Sportler, die auf eine zumindest kleine nacholympische Feier am 18. Dezember in Baden-Baden hoffen. Visionen sind ein mächtiger Bestandteil des Sports in diesen Zeiten. Gepaart mit Hoffnungen.

Bild: Uli Hugger

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Team D wächst zusammen

Franziska Brauße fühlte sich ein bisschen wie im siebten Himmel. Die Bahnrad-Europameisterin von 2019 (Einzelverfolgung) betrat als Erste am Morgen in Stuttgart den Einkleidungs-Truck der Deutschen Sport Marketing GmbH (DSM) – und wurde mit über 80 Einzelkleidungsstücken ausgestattet. Was für ein Gefühl. „Mega schön, diese ganze Ausstattung. Jetzt ist Olympia greifbar.“ Die 22-Jährige fliegt als Debütantin nach Japan, was sie auch als Vorteil sieht, sie kennt das viel beschriebene Feeling, sich mit anderen Sportlern auszutauschen, zu kiebitzen und zu genießen, nicht. Anderen geht es ähnlich. Auch die wohl völlig anderen Spiele üben einen Reiz auf die Protagonisten aus. Das „Ja“ dazu – trotz der Pandemie – kommt fast unisono aus den Mündern der deutschen Nominierten.
438 Athletinnen und Athleten inklusive der zuletzt erfolgreichen Basketballer werden die deutschen Farben in Fernost vertreten, eine stattliche Team-Größe. Und alle wissen, welch logistischer und organisatorischer Aufwand auf sie zukommt. Impfen, Testen, in der Bubble zuhause. Wo und wann man trainiert, ist teilweise noch offen. „Und ich erwarte, dass wir zunächst drei Tage in Quarantäne müssen“, glaubt Christian Reitz, 2016 Olympiasieger mit der Schnellfeuerpistole. Gleichzeitig denkt er aber nicht, dass diese Umstände größere Auswirkungen auf die Leistungen haben. „Unwahrscheinlich, dass deshalb fünf Ringe weniger fallen.“
Die meisten hatten seit 15 Monaten kaum Wettkämpfe, die internationalen Vergleiche blieben sehr überschaubar, doch die Team D-Sportler, die ihre olympischen Träume um ein Jahr verschieben mussten, kennen ihr Leistungsvermögen. „Ich bin gut unterwegs“, beschreibt „Franzi“ Brauße ihre Form, beim letzten Trainingslager in Frankfurt/Oder soll an der Taktik im Verfolgungs-Vierer gefeilt werden: die Basis für „hoffentlich eine Medaille“.
Brause startet auch im Madison an der Seite von Lisa Klein. Die Besonderheit, dass quasi alle kein einziges Bahnrennen bestritten – und sich ausschließlich auf der Straße vorbereiteten. sei keine Last. Die Vorfreude steht über allem. Auch bei Frank Stäbler (32). Der dreimalige Ringer-Weltmeister musste beim „Klamotten fassen“ eine Größe kleiner wählen. „Vier Kilo habe ich schon abtrainiert“, so der Champion der Matte. Und frozzelte: „Sie sind der Nächste, der meint, ich sei im Gesicht viel schmäler geworden – doch das liegt am Bart, der weg ist.“
Ob Vielseitigkeits-Favorit Michael Jung, Siebenkämpferin Carolin Schäfer oder Hochspringerin Marie Laurence Jungfleisch: sie strahlen Zuversicht aus. Loben großenteils das Outfit der Sponsoren und wachsen zum Team Tokyo zusammen. Natürlich haben viele einen ersten Blick in das die Corona-Regeln umfassende „Playbook“ für Olympia-Teilnehmer geworfen, die nur teilweise optimal funktionierenden Apps des Veranstalters gecheckt. Alle wird anders, komplexer. Einen Reiz mache aus, dass die meisten Entscheidungen jetzt „viel offener“ (Christian Reitz) seien – weil kaum einer weiß, wie die internationale Konkurrenz den Break überwunden hat.

Bild: ISK

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