Sportler des Jahres - März 2021

Wiedergewählter Thomas Bach: Meister des Floretts und des Wortes

Es kam, wie es nicht anders kommen konnte: Ohne einen Gegenkandidaten zu haben und damit auch ohne die Befürchtung einer möglichen Wahlniederlage wurde IOC-Präsident Thomas Bach für weitere vier Jahre im Amt des obersten Olympioniken bestätigt. Den durch die Pandemie bedingten Umständen zufolge wurde der 67jährige ehemalige Weltklasse-Fechter per Videokonferenz zum zweiten Male wiedergewählt. Der bisher einzige Deutsche in diesem Amt geht damit in seine letzte Periode seit seiner Ernennung im Jahr 2013. Das schreiben die Statuten des Internationalen Olympischen Komitees so vor. Bach erhielt 93 von 94 Stimmen bei einer Gegenstimme.
Der höchste deutsche Sportfunktionär tritt seine letzte Amtsperiode in unruhigen Zeiten für den globalen Sport an. Erstmals überhaupt in ihrer Geschichte mussten die für Tokio vorgesehenen Spiele im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Um ein einziges Jahr, heißt es. Zumindest. Ob und wenn ja, unter welchen Umständen, sich „die Jugend der Welt“ nun 2021 in der japanischen Hauptstadt doch trifft, bleibt ab zu warten. Bach, oft als Verhandlungsführer und primus inter pares gelobt, wird viel zu moderieren haben, um den weltweiten Sport in eine sichere Zukunft zwischen Krise und Kommerz zu führen.
Den „Platz an der Sonne“ kennt der Mann, der das Florett wie das Wort und damit das Verhandlungsgeschick gleichermaßen brillant zu führen wusste, bestens. Als Freund und immer wieder gern gesehener Gast beim „Sportler des Jahres“, aber auch als engagierter Befürworter des Standortes Baden-Baden für die Gala, hat er sich in seinen vielen Funktionen immer wieder für beide eingesetzt. Er war als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wie auch als oberster Olympionike im Bénazet-Saal vor Ort und stand Rede und Antwort.
Aber auch als erfolgreicher Sportler mit internationalen Meriten kennt der alte und neue IOC-Präsident das Schwarzwälder Parkett. 1976 nach Olympia in Montreal als Zweiter mit dem deutschen Florett-Team und ein Jahr später erneut mit dem Klingen-Quartett (Reichert, Bach, Behr, Hein) stand er als Weltmeister auf dem Podium. Das Wort wird er in den kommenden vier Jahren genauso gewandt wie damals das leichte Florett statt des statt des schweren Säbels führen müssen.
In der Dankesrede nach seiner Wahl unterbreitete Thomas Bach sofort einen konkreten Vorschlag: „Wir haben in der Krise gerlernt, dass wir das Olympische Motto ‚schneller, höher, stärker‘ im Sport und im Leben nur gemeinsam umsetzen können, wenn wir in Solidarität zusammenarbeiten. Deshalb möchte ich eine Diskussion der Olympischen Gemeinschaft anstoßen, ob wir dieses Motto nicht erweitern sollten, indem wir nach einem Gedankenstrich das Wort ‚gemeinsam‘ einfügen: ‚schneller, höher, stärker – gemeinsam‘. Das wäre aus meiner Sicht ein starkes Bekenntnis zu einem unserer Kernwerte; der Solidarität. Zugleich ist es eine angemessene und bescheidene Anpassung an die Herausforderungen der neuen Welt, in der wir leben.“

Bild: picture alliance

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Nordische Ski-WM: Karl und die DSV-Adler spielten die erste Geige

Die DSV-Adler haben – wie so oft – die Bilanz der deutschen Starterinnen und Starter bei internationalen nordischen Großereignissen verschönt. Als am Wochenende die Weltmeisterschaften im Allgäu beendet waren und Oberstdorf seine Gäste verabschiedet hatten, leuchtete vor allem über der Heini-Klopfer-Schanze der Audi-Arena am Fuße des Schattenbergs goldener Glanz. Wo die Kombinierer und die Langläuferinnen und Langläufer hinter den Erwartungen zurück geblieben waren, holten die sprungstarken Quartette die sprichwörtlichen „Kohlen aus dem Feuer“.  Einer ragte dabei mit vier Medaillen in vier Wettbewerben heraus: DSV-Supereagle Karl Geiger spielte vor der Kulisse der vorfrühlingshaft anmutenden Bergzinnen die erste Geige.

Doppel-Weltmeister Markus Eisenbichler und der überragende Lokalmatador Geiger führten die Mannschaften im Mixed und zum Abschluss der vierzehntägigen „Corona-WM“ unter Pandemie-Bedingungen zu den beiden Goldmedaillen aus deutscher Sicht. Das gemischte Team, bestehend aus Katharina Althaus, Markus Eisenbichler, Anna Rupprecht und Karl Geiger flog der Konkurrenz aus Polen, Österreich, Japan und Norwegen ebenso davon wie die „Viererbande“ von Bundestrainer Stefan Horngacher mit Eisenbichler, Geiger, Pius Paschke und Altmeister Severin Freund, für den dieses Edelmetall nach zwei Kreuzbandrissen wohl das Schönste und Befreiendste seiner Karriere war.

Je einmal Silber und Bronze waren den erfolgsverwöhnten Kombinierern von Trainer-Legende Hermann Weinbuch jedoch deutlich zu wenig. „Wir wollten drei Medaillen holen“, sagte der 60jährige, der beim „Kassensturz“ je einmal Silber mit der Mannschaft sowie  Bronze für Eric Frenzel und Fabian Rießle im Teamsprint verbuchen durfte. In den Loipen kamen die deutschen Frauen und Männer im „virtuellen Trubel“ der Allgäuer Winterfestspiele ohne Zuschauer dagegen über Statistenrollen nicht heraus.

DSV-Sportdirektorin Karin Orgeldinger zog demzufolge eine gemischte Bilanz. Zwar habe man „in der einen oder anderen Position noch etwas Potenzial“ gehabt, da habe man auch deutlich mehr erwartet. Dennoch sei der Verband insgesamt zufrieden, weil eigentliche gute Ergebnisse wie vierte Plätze die Medaillenbilanz bei internationalen Großereignissen nun einmal nicht auffrischen könnten. Wichtig sei, dass das Hygiene- und Sicherheitskonzept gegriffen habe: „23.000 Tests in einem engmaschigen Netz und nur neun positive Corona-Fälle.“ In Zeiten wie diesen gelten gesund nach Hause gekehrte Athletinnen und Athleten fast noch mehr als solche, die die Heimreise mit Auszeichnung am Revers antreten durften.

Auf dem Baden-Badener Parkett sind die deutschen Adler seit Jahren schon Stammgast und ganz oben auf dem Podest des Votums gelandet. Wiederholung in diesem Jahr mit Sportler-des-Jahres-Moderator Jens Zimmermann nicht ausgeschlossen. Der gebürtige Freudenstädter erfüllte seine undankbare Aufgabe als Stadionsprecher ohne Fans mit Bravour und stellte seine Fähigkeiten mit dem Mikro erneut unter Beweis. 

Bild: picture alliance

 

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