Sportler des Jahres - April 2020

Kieler Meisterfeier ohne Sause

Es ist mit Sicherheit der ungewöhnlichste der insgesamt 21 nationalen Meistertitel der „Kieler Zebras“. Und einer, der so emotionslos wie noch nie zuvor eine Meisterschaft zur Kenntnis genommen wurde: Keine Feier, kein Jubel, keine Sause mit den Fans. Champion der Schulterzucker: Meister? Na gut, ist ebenso. Leider.

Nach dem am Dienstag verkündeten Abbruch der Saison in der Handball-Bundesliga wegen der grassierenden Corona-Pandemie wurde der TWH Kiel, Tabellenführer der Handball-Bundesliga mit fünf Punkten Vorsprung, zum Deutschen Meister der Saison 2019/2020 erklärt. Punkt. Aus. Ende. Glückwunsch.

Nach einer Videokonferenz mit anschließender Abstimmung per WhatsApp stand fest: Das Team von Trainer Filip Jicha wird, nicht nur als Bundesliga-Spitzenreiter, sondern auch wegen des besten zugrunde gelegten Punkte-Quotienten, zum sogenannten „Corona-Meister“ erklärt. Schwierig, damit um zu gehen sei es auf jeden Fall, erklärte Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Dennoch sei der auf so ungewöhnliche wie ungewollte Art und Weise errungene Titel „eine Bestätigung für die großartigen Leistungen“, die die Mannschaft im bisherigen Verlauf der Saison gezeigt habe.

Gedämpfte Freude am oberen, verhaltene Genugtuung, am unteren Ende der Tabelle. Absteiger wird es keine geben, die Liga wird in der nächsten Saison – wann immer diese auch beginnt – aufgestockt werden (müssen). Um dann hoffentlich auf normalem Wege Sieger und Besiegte ermitteln zu können. Und damit auch einen Meister, der als Aspirant für den Titel „Mannschaft des Jahres“ gilt.

Bild: THW Kiel Handball-Bundesliga GmbH & Co. KG

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Malaika Mihambo

Im vergangenen Jahr war Malaika Mihambo förmlich zum WM-Gold im Weitsprung geflogen. Und in Baden-Baden nahm sie den Pokal als „Sportler in des Jahres“ entgegen. Die Fortsetzung der Erfolgs-Story bei den Spielen in Tokio erschien nur logisch – bis zur Absage der Games im letzten Monat. Und jetzt? Wohnzimmer statt Stadion. Die  Top-Sportlerin aus Oftersheim bietet täglich Kindertraining im Internet und sagt, sie wolle die Pause auch mental zum Nachdenken nutzen.

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Lukas Kohl

Lukas Kohl ist Kunstradsportler – und zwar der Weltbeste, vierfacher Weltmeister, seit Jahren ungeschlagen. Als „nicht-olympischer“ Sportler schaffte er bei der letzten Wahl „Sportler des Jahres“ auf Rang 21 – und war vorher Gast der exklusiven PK. Jetzt trainiert er auf seiner Veranda und stellt ein Video seiner ungewöhnlichen WM-Vorbereitung zur Verfügung. Eigeninitiative als Erfolgsmodell.

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Sprinter Floors und die Kunst der Entschleunigung

Auf dem Weg zu den Paralympischen Spielen in Tokio wollten wir Para-Sprinter Johannes Floors regelmäßig medial begleiten. Das Corona-Virus macht diesem Vorhaben zwar keinen Strich durch die Rechnung, aber die Zeit bis zu den Games 2021 in Tokio hat sich deutlich verlängert.

Bei der Vor-Pressekonferenz zu Deutschlands „Sportler des Jahres“ im Dezember 2019 sorgte der Leverkusener bei den Journalisten für Tränen der Rührung, als er erzählte, dass „die Amputation der Beine für mich Freiheit bedeutete“. Der 25-Jährige, der seit seiner Geburt am Fibula-Gendefekt (deformierte Füße) litt, fand einen Arzt, der ihm die Unterschenkel amputierte, als Floors 16 Jahre alt war. Nicht der Grund, aber der „Startschuss“ für eine erfolgreiche Para-Sportler-Laufbahn. Der „neue Blade-Runner“ wird er bereits genannt, er selbst sieht sich einfach als Läufer. Ein Läufer, dem im vergangenen Jahr in Dubai bei der Para-Leichtathletik-WM die schnellsten Zeiten der Welt über 100 m (10,54 Sekunden) und 400 m (45,78 Sekunden) gelangen.

Aber wie bereitet sich ein Top-Sportler nun vor? Erst seit kurzer Zeit ist klar, dass die Paralympischen Spiele in Tokio auf nächstes Jahr verschoben werden. „Dass sie jetzt fast auf den Tag genau um ein Jahr redatiert wurden, passt mit dem Vorbereitungs-Plan für dieses Jahr zusammen“, so muss immerhin der Weg nach Tokio nicht vollkommen verändert, sondern „nur“ zeitlich etwas angepasst werden, sagt der Sprinter. Aber schwer war die Zeit bis zur tatsächlichen Entscheidung von IOC und IPC. Erst wurde die Leichtathletik-Gruppe rund um Floors aus dem Trainingslager in Südafrika „spontan“ zurückbeordert. „Da war in Deutschland schon alles dicht, als wir zurückkamen.“ Und weil sein Trainer mit 70 Jahren zur Risikogruppe gehört, musste Johannes fortan alleine weitermachen. Über Stock und Stein entlang des Dhünn-Flüsschens im Oberbergischen Land, weil das „Draußen-Office“ im Olympia-Stützpunkt bereits geschlossen war.

Nebenbei hilft der Para-Sportler des Jahres 2019 seiner Nachbarin: „Wir leben quasi in einem Mehrgenerationenhaus, nur dass wir nicht miteinander verwandt sind.“ Bei den Einkäufen versucht er die Mitt-Achtzigerin zu unterstützen und findet es prima, dass „mehr auf den Wochenmärkten eingekauft wird. Vielleicht bringt uns diese Pandemie mehr zu unseren regionalen Wurzeln zurück, sodass wir die lokalen (Lebensmittel-) Läden stärken.“

Generell ist Johannes Floors ein Mensch, der gerne kritisch hinterfragt. Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Gerechtigkeit bedeuten ihm viel. Geplant war eigentlich eine Reise nach Venedig im kommenden Jahr, zur Biennale, einer internationalen Kunst-Ausstellung, die – wie er selbst sagt – uns und unserer Gesellschaft unangenehme Fragen stellt, „wie man mit sich und seiner Umwelt umgeht“.

Doch wie geht es jetzt weiter auf der „Road to Tokio 2021“? Trainiert wird momentan so gut es eben geht und nebenher bringt er von zu Hause aus sein Studium voran. Gemäß seinem Lebensmotto, positiv zu bleiben. „Und was wichtig wäre: dass sich die ganze Welt mal entschleunigt.“

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Deutschlandachter: Phasenplan bis Tokio 2021

Bei der Wahl zur „Mannschaft des Jahres“ gehört der Deutschland- Achter quasi zum Inventar, ist bei der Ehrung in Baden-Baden alljährlich in Teamstärke vertreten. Nicht nur 2012 als Gewinner oder im Vorjahr auf Position 2 – die Ruderer, stets in einheitlicher Kleidung, sind besonders gerne gesehene Gäste. Jetzt absolvieren sie – einsam – zuhause ihr Fitness-Training – vorerst ohne Aussicht auf eine neue Auszeichnung 2020.
„Ein Schock“ sei die Verlegung der Tokio-Spiele um ein Jahr gewesen, so Bundestrainer Uwe Bender. Zuletzt dreimal Weltmeister und Europameister, hätte die Crew um Schlagmann Hannes Ocik beim Finaltag am 31. Juli sicherlich um die Medaillen gekämpft. „Aber die Trainingssituation war schwierig, es hätte international keine Fairness bestanden. Und in meinen vielen Telefonaten mit den Athleten spürte ich das Verständnis. Wenn andere um ihre Existenz kämpfen oder in Kurzarbeit gehen, dann muss der Sport in die zweite Reihe rücken“, so der Coach. „Wir haben auch nicht um Ausnahme-Regeln nachgesucht, jetzt zählt die Solidarität.“
Aber die Recken, die auch nicht mutterselenallein auf dem Dortmund-Ems-Kanal zu Wasser dürfen, arbeiten längst akribisch am Plan B. Phase I: das Training drosseln, dh. vor allem auf dem Ergometer in die Pedale treten. Das funktioniert als Team mit permanentem Daten-Austausch. „Jeder teilt permanent seine Leistungen – und die Werte sind sehr positiv. Die Jungs sind so gut drauf, schade dass sie es nicht zeigen können“ (Bender).
Die Phase II dauert bis zum 19. April. Bis dahin haben die Ruderer Gelegenheit, auch emotional runterzufahren und mit dem Umfeld die Zukunft besprechen. Lohnt es sich, ein weiteres Jahr dranzuhängen. Vor allem für die etwas Älteren im Boot wäre eine zweijährige Verschiebung – aus beruflicher Sicht - keine Option gewesen. Bender hofft, dass ab dem 20. April wieder andere Trainings-Möglichkeiten bestehen – und wartet auf die Entscheidungen seiner Schützlinge. „Aber die Signale“ stimmen ihn zuversichtlich: der Deutschland-Achter könnte sich wieder in die Riemen legen.
Phase III würde im Spätsommer beginnen. Die soeben verschobene Europameisterschaft in Polen könnte im September stattfinden. Und danach hätten internationale Wettkämpfe plötzlich einen viel höheren Stellenwert als jemals zuvor. Langstrecken-Rennen wie der „Canal-Cup“ in Rendsburg oder andere Konkurrenzen bis in den November hinein würden auch internationale Top-Boote anlocken. „Man braucht Wettkämpfe für die Motivation und kann nicht 14 Monate nur trainieren“, weiß Uwe Bender.
Das Flaggschiff des deutschen Rudersports, bereits siebenmal von den deutschen Sportjournalisten zur „Mannschaft des Jahres“ erkoren, und seine aktuellen Crew-Mitglieder, von Steuermann Martin Sauer bis DRV-Athletensprecher Richard Schmidt, seit zwölf Jahren nonstop im Boot, setzt Zeichen. Damit die Phase IV mit einem weiteren Gold-Finale auf dem Wasser enden kann.

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