Sportler des Jahres - Februar 2020

Bahnfahrer via Berlin nach Tokio

  • Publiziert in Sdj News

Ab Donnerstag darf sich die Bahnrad-Elite auf dem Berliner Velodrom für die Jagd nach WM-Medaillen einrollen. Bis 1. März geht es gewaltig rund: 20 nagelneue Regenbogen-Trikots liegen für die Pistenartisten bereit. „Das ein oder andere Trikot soll nach der WM auch der eine oder die andere aus der deutschen Mannschaft tragen“, hofft BDR-Sportdirektor Patrick Moster. Um diesen Wunsch zu erfüllen, strampelten sich die Deutschen auf der ganzen Welt in Form. In Südafrika, Australien, auf dem spanische Festland und Mallorca vergossen die Rundendreher reichlich Schweiß.

Den letzten Schliff holten sich die deutschen WM-Starter an der Oder. „Die Arena von Frankfurt ist unsere Montage-Halle für die Vierer und die Sprintteams“, ist von Bundestrainer Sven Meyer zu erfahren. Domenic Weinstein (25), Nils Schomber (25), Felix Groß (21) und Theo Reinhardt (29) hechelten in der Oderland-Halle bei angenehmen 27 Grad um die schnelle Piste. „Das ist die ideale Temperatur für die 4000-m- Mannschaftverfolgung auf der Bahn“, glaubt Weinstein. Die Frankfurter Arena mit ihrer gepflegten Piste gilt als die Montage-Halle des deutschen Bahnradsports. Hier wurde in den vergangenen acht Jahren fleißig geschuftet. Nach der Traumfahrt des deutschen Olympia-Vierers (Bartko/Becke/Fulst/Lehmann) 2000 in Sydney zu Olympiagold mit der damaligen Weltrekordzeit von 3:59,71 Minuten trudelten die Quartetts immer gemächlicher durch die Steilkurven. „2012 haben wir einen Schlussstrich gezogen und seitdem unseren Vierer systematisch aufgebaut. Der Bundestrainer stützte sich dabei auf den Sportwissenschaftler Dr. Peter Müller aus Gotha und die Tüftler vom Berliner Forschungszentrum FES. Im Dezember flitzte der Vierer zu 3:51,16. „Damit haben wir die Grundlage, um in Berlin 3:50,00 Minuten auf die Bretter zu zaubern“, nimmt Sven Meyer (34) an. Mit dieser Zeit wären sie zumindest in Medaillen nähe.

„Was auch für die Olympia-Qualifikation unheimlich wichtig wäre“, sagt Theo Reinhardt (29). Der Berliner lässt auch noch ein Hintertürchen offen. „Mit Roger Kluge wollen wir unseren Titel im Madison verteidigen.“ Das wäre der historische Hattrick. Der deutsche Frauen-Vierer hetzt möglicherweise auf das Siegerpodest. „Es war ein schweres Stück Überzeugungsarbeit, unsere Straßenfahrerinnen auf die Bahn zu locken. Doch jetzt sind sie alle Feuer und Flamme. Wir bringen ein Top-Team an den Start“, strahlt Frauen-Bundetrainer André Korff (47). Die vierfache Weltmeisterin Lisa Brennauer (31) stößt ins gleiche Horn: „Für mich war die Umstellung von der Straße auf die Bahn nicht einfach, weil ich mich an die kleineren Gänge gewöhnen musste. Andererseits ketten die anderen Mädels jetzt etwas höher. Dadurch können wir richtig aufs Tempo drücken.“

Seit 24 Jahren zeichnet Detlef Uibel für den Sprintbereich verantwortlich. Für ihn lautet die Maxime: „Den Druck von der Heim-WM nehmen.“ Denn es zählt vor allem Olympia, das Saisonziel Nr. 1. Aktuelles Sorgenkind sind die einst so starken Team-Sprinter. Nach langer Suche hat sich Uibel für den wichtigen Anfahrer entschieden. „Der Cottbuser Eric Engler hinterließ beim Abschluss-Test einen starken Eindruck. Er kann das Trio gut in Schwung bringen.“ Auf der zweiten Position soll Stefan Bötticher für „Krawall“ sorgen, ehe Routinier „Max“ Levy (31) für eine medaillenreife Zeit die Pedale rotieren lassen will.

Ihr Licht stellen die Sprinterinnen Lea Sophie Friedrich (20) und Emma Hinze (22) auf keinen Fall unter den Scheffel. Abiturientin Friedrich aus Dassow in Mecklenburg, sagte frank und frei: „Wir wollen Weltmeister in Teamsprint werden. Ich soll den Sprint anfahren und Emma bringt dann die richtige Zeit nach Hause.“ Im Gegensatz zu den Männern geht bei den Frauen nur ein Doppel auf die Blitz-Reise. Und natürlich beabsichtigen die beiden Bundespolizistinnen auch einen Start beim Solosprint. Schließlich will die blonde Lea ihren Fans etwas bieten, denn in Dassow rührte Vater Friedrich gewaltig die Werbetrommel. „300 Fans aus Dassow wollen nach Berlin kommen.“

Für das ZDF fungiert Kristina Vogel im Velodrom einmal mehr als versierte Expertin. Sie ist mehr als ein „guter Geist“ auch für das Team des BDR, dass sich von Berlin via Tokio für Top-Plätze beim „Sportler des Jahres“ am 20. Dezember in Baden-Baden empfehlen will. Bei der Gala im vergangenen Jahr zeigten die Rad-Stars auf einem Hometrainer (theoretisch) ihre Klasse, betrieben erfolgreich Promotion für ihren Sport.

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