Sportler des Jahres - Artikel nach Datum gefiltert: September 2019

Hitzige Leichtathletik-WM

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Es beginnt wie üblich am ersten Tag mit dem Marathon und endet wie immer mit der Staffel der Mittelstreckler. Dazwischen aber ist an insgesamt zehn Tagen vieles neu bei der Weltmeisterschaft der Leichtathleten. Und das liegt weniger an den Athletinnen und Athleten, sondern an den Umständen. Sprich am Austragungsort und dem Zeitgeist. Denn in Tagen, an denen über Erderwärmung und Klimawandel debattiert wird, veranstaltet der Weltverband IAAF in der katarischen Metropole Doha ein Championat, das Überlegungen zum Thema Eindämmung der Energie-Verschwendung ad absurdum führt.
Bei Außentemperaturen um 40 Grad in einem Stadion, das permanent auf 26 Grad herunter gekühlt wird, versuchen auch die deutschen Vertreter*innen der olympischen Kernsportart sich ungeachtet dieser Diskussionen auf ihre sportlichen Leistungen zu konzentrieren. Schließlich ist für viele Doha mehr als nur Durchgangsstation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.
Im Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für diese 17. Welt-Titelkämpfe tauchen zahleiche Medaillen für die 49 Entscheidungen auf. Wie immer aber werden sich (vermutlich) einige die Erwartungen nicht erfüllen und dafür andere ins Rampenlicht treten, mit denen man vorher nicht gerechnet hatte.  Für das Preisgeld würden sich die weltweit besten Kicker wahrscheinlich kaum die Fußballstiefel schnüren. Für Gold gibt es eine Prämie von 60.000 Dollar, für Silber und Bronze 30.000 bzw. 20.000 Dollar.
Weitsprung-Europameisterin Malaika Mihambo, 3000-m-Hürden-As Gesa Felicitas Krause und das neue „Wunderkind“ auf der Mittelstrecke, Konstanze Klosterhalfen, werden bei den Frauen am häufigsten genannt, wenn es um Edelmetall geht. Bei den Männern ist traditionell die Phalanx der deutschen Speer- und Diskusriesen im Gespräch, wenn es um  Gold, Silber oder Bronze geht. Auch Zehnkämpfer Kai Kazmirek, Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und Hochspringer Matheusz Przybylko gelten als mögliche Protagonisten für vordere Plätze. Und damit auch als wieder als Gäste beim „Sportler des Jahres“ am 15. Dezember in Baden-Baden. Top-Leichtathleten haben quasi ein Abonnement auf Podiumsplätze.
Und dort wird es dann mit Sicherheit, je länger die Veranstaltung dauert, auch kein „Kühlhaus“ mehr sein, sondern zumindest unter den Strahlern auf der Tanzfläche wärmer als 26 Grad werden. Was weniger der Erderwärmung, sondern in diesem Fall der Partylaune der Gäste zuzuschreiben ist.

Bild: picture alliance

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Newcomer des Jahres hat sich etabliert

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Nein, Berührungsängste scheint Vinzenz Geiger nicht zu kennen. Jedenfalls nicht an diesem herrlichen Sommertag im August dieses Jahres, an dem der 22-Jährige bei der „Allgäuer Festwoche“ in Kempten, einer Mischung aus Gewerbeschau und Oktoberfest, Gast eines öffentlichen Sporttalks ist. Das Interview auf der Bühne des Stadtparks meisterte der Nordische Kombinierer aus Oberstdorf, der sich standesgemäß in Schale, sprich Tracht geworfen hat, souverän: ohne Ähs und Ähms, keine Versprecher oder platte Sportlerfloskeln. Er plauderte darüber, dass er den Anti-Doping-Kampf im Sport unterstütze, auch wenn er für Kontrollen ständig verfügbar sein und drei Monate im Voraus planen müsse, wann er denn mal bei seiner Freundin pennt. Geiger eiert nicht rum, erzählt offenherzig, dass die Erinnerungen an den Olympiasieg in Pyeongchang mit der deutschen Mannschaft immer wieder mal hochkommen würden, und es für ihn jedes Mal wieder „krass sei zu hören, dass ich wirklich Olympiasieger bin“. Und ach ja, die Goldmedaille liege einfach irgendwo im Schrank.
 
Geigers Erfolgshunger ist noch längst nicht gestillt:  Er schwärmt „voller Vorfreude“ von der Nordischen Ski-WM in anderthalb Jahren vor seiner Haustür in Oberstdorf und er stellt seinen Dauer-Optimismus auch als Fußball-Fan zur Schau. Keine Frage, sein Lieblingsclub FC Bayern München werde auch in dieser Saison wieder deutscher Meister. Da widerspricht er beim Festwochen-Interview sogar Alfons Hörmann, dem DOSB-Präsidenten, der versuchte, als oberster Sportfunktionär des Landes neutral zu bleiben: „Wer weiß, vielleicht schaffen es diesmal ja doch Dortmund oder Leverkusen.“ Geiger schüttelte vehement mit dem Kopf, um wenige Minuten später für ein Zeitungsfoto mit Hörmann eine Allgäuer Abwandlung der bayerischen Mia-san-Mia-Mentalität zu demonstrieren und in Lederhosen und Edelweißträgern kraftvoll die Hände zusammenzuschlagen. Ja, Geiger tut nicht nur so – er gehört wie Hörmann inzwischen zu den „g‘standenen Mannsbildern“ im deutschen Sport.

Im vergangenen Dezember wurde Geiger bei der Sportler-des-Jahres-Wahl im Kurhaus in Baden-Baden als Newcomer 2018 ausgezeichnet. Von „Die Sieger-Chance“, einer Zusatzlotterie der Glücksspirale, bekam der Allgäuer einen 8000 Euro-Scheck – überreicht von Johannes Rydzek, seinem Idol, Klubkameraden beim Skiclub Oberstdorf und Mannschaftskollege beim Olympia-Triumph. Doch Geiger hat schon im vergangenen Winter gezeigt, dass er nicht irgendein Shootingstars im Wintersport ist, sondern sich mit großem Trainingsfleiß und Beharrlichkeit in der Weltspitze etablieren konnte.  Nur einen Monat nach der Auszeichnung bei der Sportler-Gala feierte er im italienischen Val di Fiemme seinen ersten Einzelsieg im Weltcup, nachdem er am letzten Anstieg den Turbo gezündet und seinen Zimmerkollegen und Freund Rydzek einfach stehengelassen hatte. Dass es bei der WM in Seefeld „nur“ zu Silber mit der Mannschaft reichte, hat Geiger längst abgehakt: „Mei, ich hatte mir kurz vor der WM einen Virus eingefangen und konnte nicht das zeigen, was ich eigentlich zeigen wollte.“

Mit der vergangenen Saison sei er dennoch „superzufrieden“ gewesen. Mit Rang fünf im Gesamt-Weltcup, einen Platz übrigens hinter Johannes Rydzek, hat Geiger bewiesen, dass er zu den beständigsten DSV-Startern gehört. Und wie man sich am sechsfachen Weltmeister Rydzek vorbeischiebt und die Nummer eins im deutschen Team wird, hat er in Val di Fiemme ja eindrucksvoll bewiesen. Berührungsängste kennt der Newcomer des Jahres sicher nicht. 

Foto: Ralf Lienert

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Radsport-WM bei Robin Hood

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Später Saison-Höhepunkt für Deutschlands beste Pedaleure: Bei der bis zum Sonnntag dauernden Radsport-Weltmeisterschaft im englischen Yorkshire gehen im Land von Robin Hood auch die Fahrerinnen und Fahrer, die die Farben des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR) vertreten, nicht chancenlos an den Start.

Im Allgemeinen treten sie als Gegner in ihren Profi-Mannschaften gegeneinander an. In diesem speziellen Fall aber gilt es – wie immer – für ein paar Tage so etwas wie einen National-Teamgeist aufblitzen zu lassen und die Starterinnen und Starter mit den besten Chancen in den Einzel-Disziplinen geschlossen zu unterstützen. Nicht immer ein ganz leichtes Unterfangen, wie die Vergangenheit bewiesen hat. Zehn Medaillenentscheidungen werden im radsportverrückten Britannien ausgefahren.

Höhepunkt ist das Straßenrennen der Männer, das Sprinter John Degenkolb als Leader des achtköpfigen deutschen Aufgebotes anführt. „Dege“ (30) kommt frisch von der Vuelta, wird aber wohl selbst nicht zu den Medaillenkandidaten gehören. Den jüngeren Pascal „Ackes“ Ackermann, Niklas Arndt, und Jonas Koch werden auf dem 285 Kilometer langen Klassiker-Parcours zwischen Leeds und Harrogate bessere Chancen eingeräumt. Passen muss dagegen verletzungs- und krankheitsbedingt „Shootingstar“ Maximilian Schachmann. Tour-Held Emanuel Buchmann ist bei der WM nicht am Start – wie die meisten anderen internationalen Rundfahrt-Spezialisten.

Hinzu kommt allerdings wie immer als aussichtsreichster BDR-Kandidat im Kampf gegen den Sekundenzeiger der viermalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin. Bei den Frauen ruhen die deutschen Hoffnungen vor allem auf Lisa Brennauer und Lisa Klein. Wie auch immer: Die besten deutschen Radsportler*innen haben im Nordosten Englands die Möglichkeit, sich nicht nur aufs Treppchen bei der Medaillenvergabe zu fahren, sondern sich womöglich auch auf die Etappe mit dem Ziel Baden-Baden zu machen. Deutsche Radsportler*innen waren beim „Sportler des Jahres“ schon immer gern gesehene Gäste und wären es auch in diesem Jahr mit Sicherheit wieder.

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Deutschlands Ruderachter bestätigt Weltklasse

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Pünktlich zum Finale des Deutschland-Achters brach am Sonntag in Linz-Ottensheim die Sonne durch die Wolken. Den Tag über herrschte eine Art gespannte Stille, Warten auf das große Finale der Weltmeisterschaften im Rudern in Oberösterreich.
Nach einem souveränen Vorlauf krönte sich das Team um Schlagmann Hannes Ocik und Steuermann Martin Sauer (Johannes Weißenfeld, Felix Wimberger, Maximilian Planer, Torben Johannesen, Jakob Schneider, Malte Jakschik, Richard Schmidt) nach Sarasota 2017 und Plowdiw 2018 zum dritten Mal in Folge mit der Goldmedaille.

Ein Hattrick der – ganz nebenbei – auch das Olympia Ticket, für die Sommerspiele in Tokio 2020 bedeutet und, die außergewöhnliche Leistung des Teams von Bundestrainer Uwe Bender nochmals bestätigt. Denn: „Die unmittelbare WM vor den Olympischen Spielen ist auch immer ein Fingerzeig, wie sich eine Mannschaft positioniert“ (Hannes Ocik). Und das haben neben Deutschland auch die Niederländer bewiesen, die sich ganz „leise“ auf der Außenbahn anpirschten und im packenden Finale die Fans von ihren Sitzen rissen. Sie sprangen auf für die 17 Meter langen Boote, die mit voller Besatzung ein Gewicht von einer Tonne auf das Wasser bringen.  

Nach dem „kleinen Tiefpunkt“ von Rotterdam, als das deutsche Flaggschiff „nur“ auf Platz 2, hinter Großbritannien ins Ziel kam, musste man sich erst mal „schütteln“. Doch vielleicht war auch genau diese „Niederlage“ ein Grund für den neuerlichen Erfolg des DRV-Paradeboots, denn: „der wahre Charakter der Mannschaft hat sich nach Rotterdam gezeigt. Wir sind noch enger zusammengerückt und ich glaube, das kann heute auch den Ausschlag gegeben haben“, so Hannes Ocik direkt nach dem Zieleinlauf.

Für eine faustdicke Überraschung sorgte Oliver Zeidler (23), der – zugegeben - vor dem Finale im Einer der Herren mit feschen Sprüchen nicht gegeizt hat „Ich habe heute morgen in den Spiegel geschaut und den stärksten Ruderer der Welt gesehen“, bewies damit sich und Deutschland, dass auch ein „Newcomer“ aus dem Schwimmsport (vor drei Jahren wechselte Zeidler zum Rudern) nach 17 Jahren die erste Goldmedaille bei Weltmeisterschaften in dieser Bootsklasse erringen kann.

Insgesamt bringt sich somit der Deutsche Ruderverband (DRV) erneut in Stellung, wenn die deutschen Sportjournalisten im November mit der Wahl zu Deutschlands Sportler, Sportlerin und Mannschaft des Jahres beginnen. Auch in diesem Jahr sind solche hochemotionalen Goldmedaillen sicherlich ein kleiner Wink auf die Platzierungen, die bei der Gala „Sportler des Jahres“ im Kurhaus von Baden-Baden am 15. Dezember bekannt gegeben werden.

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