Sportler des Jahres - Artikel nach Datum gefiltert: Juli 2019

Tour mit 11 Deutschen

Zunächst die Fakten, die grandios klingen: Die Tour de France rollt über 3480 Kilometer. 176 Profis (22 Mannschaften) sind auf 21 Etappen im Einsatz. Von Brüssel nach Paris, was man locker in ein, zwei Tagen (337 km) absolvieren könnte. Das Prickelnde aber sind die „Umleitungen“ über Vogesen, Zentralmassiv, Pyrenäen und Alpen. Wobei sich der deutsche Fokus auf elf „Allemands“ richtet. Es ist wohl kein Fahrer für das finale Podest an der Seine darunter, aber für Remmidemmi im Peloton könnten Buchmann, Politt & Co. durchaus sorgen.

Die ARD und Eurosport berichten täglich und intensiv von der Großen Schleife. Es stehen ja auch besondere Highlights bevor. Seit 100 Jahren gebührt dem Leader das Gelbe Trikot. Legendäre Ziele wie der Tourmalet werden für atemberaubende Bilder sorgen, meist rollt die Tour de France sowieso durch die landschaftlich schönsten Ecken des „Hexagone“. Das wichtigste Radrennen der Welt gilt auch als eine Tourismus-Maschine. Ein Burner sind zum Beispiel drei Gipfel über 2000 Meter auf der 18. Etappe. Col de Vars, Izoard und Galibier – da dürfte manchem Coureur der Atem wegbleiben. Den Kiebitzen am Bildschirm aufgrund der sagenhaften Bilder kollektiv auch.

Ob Emanuel Buchmann dann noch Aussichten auf die angepeilte Top-Ten-Platzierung hat? Der 26-jährige Ravensburger, ein ebenso couragierter („ich möchte meinen Körper so weit ausreizen, wie es geht“, tour) wie ruhig-besonnener Sportler („ich mag es, wenn ich meine Ruhe habe“), kämpft sich zum fünften Mal durch Gallien, diesmal als Top-Mann des deutschen Rennstalls Bora-Hansgrohe für das Gesamtklassement vorgesehen. An seiner Seite rollen Maximilian Schachmann bei seiner TdF-Premiere sowie Routinier Marcus Burghardt. Im Trikot von Katusha treten Rick Zabel (sein Vater Erik wurde 2001 zum „Sportler des Jahres“ gewählt) und der Fast-Paris-Roubaix-Sieger Nils Politt in die Pedale. Niklas Arndt und Lennard Kämna – auch ein Tour-Novize – fahren für Sunweb. Zeitfahr-Spezialist Tony Martin (Jumbo) hofft auf Meriten im Kampf gegen die Uhr. André Greipel (Arkea) errang schon elf Etappensiege, Roger Kluge (Lotto-Soudal) ist ein schneller Finisher, Simon Geschke (CCC) kann kämpfen wie nur wenige.

Ob ein deutscher Ausnahmekönner sich via Champs Elysées für Baden-Baden und die Gala „Sportler des Jahres“ empfehlen kann? Zumindest in der Öffentlichkeit haben die Radprofis wieder mehr Vertrauen erworben, das Thema Doping ist bei anderen Sportarten zumindest ebenso präsent. International erwarten resp. befürchten die Experten eine weitere Dominanz des britischen Teams Ineos (Ex-Sky). Ob gegen Vorjahressieger Geraint Thomas und den Kolumbianer Egan Bernal ein Kraut gewachsen ist? Am 28. Juli wird diese Frage spätestens beantwortet sein. Wenn 744 Orte passiert sind, geschätzte 12 Millionen Fans an der Strecke der Karawane gehuldigt haben.

Bild: picture alliance

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Wimbledon zum Zweiten? - Kerber und das Jahr danach

Was für die Aufsteiger im Mannschaftssport, das trifft auch für viele andere Sportlerinnen und Sportler zu: Das zweite Jahr ist meistens das Schwerere. Deswegen mag es auch kein bisschen verwundern, wenn Angelique Kerber vor ihrem ersten Aufschlag auf dem „heiligen Rasen“ von Wimbledon im deutschen Duell gegen Tatjana Maria sagt: „Das wird in diesem Jahr mindestens genauso schwer werden wie beim vergangenen Mal.“ 2018: das war der große Triumph der gebürtigen Kielerin auf dem Belag und auf dem ganz speziellen Centre Court, der ihr noch gefehlt hatte. Wimbledon-Siegerin: das ist so etwas wie der Ritterschlag des „weißen Sports.“
Die Auslosung meinte es für das am heutigen Montag beginnende Turnier nicht gerade gut mit „Angie“, die – das Erreichen des Achtelfinales vorausgesetzt – dort schon auf Serena Williams treffen könnte. Jene Gegnerin, die sie vor Jahresfrist im Finale hatte bezwingen können. Das also, was man im Jargon gemeinhin eine Hammer-Auslosung nennt. Eine Wiederholung dieses Sieges vorausgesetzt, ist in der Runde der letzten acht ein Duell mit der French-Open-Siegerin und neuen Nummer eins im Tennis-Zirkus, der Australierin, Ashleigh Barty, möglich.
Immerhin lässt Eastbourne schon einmal hoffen, wo die Linkshänderin ihre gute Form unterstrich. Dort, bei der Generalprobe für das bedeutendste Tennis-Turnier der Welt, traf sie im Finale auf die Tschechin Karolina Pliskova, der sie allerdings deutlich mit 1:6, 4:6 unterlag. Ihre Knöchelverletzung, die sie in Roland Garros noch behindert hatte und zum Aus in der ersten Runde führte, ist mittlerweile überwunden. Wie so oft, sagt sie selbst über sich, müsse sie sich „in das Turnier reinbeißen und das eine oder andere Zitterspiel überstehen.“ Auf den ersten Turniererfolg in diesem Jahr muss sie also noch warten. Aber wer weiß, vielleicht folgt der ja schneller, als erwartet.
Wenn sie dann aber endlich „ausgezittert“ hat und womöglich am 14. Juli noch einmal an Ort und Stelle steht wie vor Jahresfrist, dann wäre auch eine Wiederholung ihres Triumphes nicht nur im wohl bekanntesten Stadtteil Londons, sondern auch in Baden-Baden möglich. Dort, wo sie als „Sportlerin des Jahres“ 2018 in einer berührenden und emotionalen Rede, an die zweitplatzierte Radsportlerin Kristina Vogel gewandt, versicherte: „Eigentlich müsstest Du heute diese Trophäe bekommen.“

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