Sportler des Jahres - Februar 2019

Seefeld und Bergisel strahlen in Schwarz, Rot und vor allem Gold

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Keine Sportart steckt so voller Rätsel für diejenigen, die sie auch höchstem Niveau ausüben, wie diese. Und keine nervt am Ende auch mehr. Weil Du nicht mehr weiter weißt. Nicht ergründen kannst, was Du vorher falsch und was Du richtig gemacht hast. Das Skispringen ist ein ewiges, unergründliches Mysterium. Für alle Beteiligten. Mal bist Du der König der Lüfte auf goldenen Schwingen, mal hüpfst Du verzweifelt nur noch hinterher.
Marcus Eisenbichler und Eric Frenzel wissen ein Lied davon zu singen. Eisenbichler, noch ohne einen einzigen Weltcup-Sieg, im vergangenen Jahr beim olympischen Team-Silber der Kollegen in Pyeongchang nur Ersatzmann. Und jetzt, bei der nordischen Ski-WM in Innsbruck und in Seefeld katapultiert sich der 27-Jährige aus dem Chiemgau-Ort Siegsdorf wie „Kai aus der Kiste“ zum WM-Titel vor seinem „Spez’l“ und Zimmerkameraden Karl Geiger.
Und gewinnt obendrein mit Geiger, Richard Freitag und Stephan Leyhe auch noch sein zweites Gold mit der Mannschaft. „Einfach nur geil“ sei das gewesen, gibt er nachher zu Protokoll. Völlig sicher sei er sich vor dem letzten Sprung gewesen, „dass ich den nur noch g’scheit rausdrucka muss“. Der Sieg mit dem Team, und das wirft ein bezeichnendes Licht auf Werner Schusters „German Air Force“, sei ihm der wichtigste gewesen. Und mit diebischer Vorfreude hängt er hintendran, dass die Truppe es nach all den offiziellen Siegerehrungen „richtig kracha loasse“ könne.
Und Kombinierer Frenzel, der eher ruhigere Erzgebirgler, dreifacher Familienvater, konnte angesichts seiner persönlichen Bilanz der erst wenige Tage alten WM auch nur noch ungläubig, aber doch voller Stolz den Kopf schütteln: Zwei Wettbewerbe, zweimal Gold: Weltmeister im Einzel und auch noch – völlig unerwartet – mit Fabian Rießle im Teamsprint. Acht Sekunden retteten die beiden am Ende völlig ausgepumpt vor den Norwegern und Österreichern ins Ziel. „Wir waren in diesem Winter so weit weg von der Konkurrenz, es sah echt düster aus“, machte sich Trainer Hermann Weinbuch zum Sprecher seiner „Jungs“. Und Doppel-Weltmeister Frenzel, jetzt erfolgreichster Kombinierer der WM-Geschichte, ergänzte: „Aber wir haben immer an uns geglaubt.“
Es ist wohl jener unerschütterliche Teamspirit, der die deutschen „Nordischen“ immer dann zu ungeahnten Höhenflügen und Loipenjagden hinreißt, wenn es drauf ankommt. Frei nach dem Motto: „Einer kommt durch.“ Egal, wer. Und manchmal kommen sie eben auch zusammen alle durch. Wenn es denn sein muss bis zum Dezember: Wiederholung geplant in Baden-Baden beim Sportler des Jahres. Denn auch dort kann man es zwischen Gala und Sportivmeile „g’scheit kracha loasse“.

Bild: picture alliance

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Über Seefeld und den Berg Isel nach Baden-Baden

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Was für die Tennis-Akteure Wimbledon, für die alpinen Rennläufer und Rennläuferinnen die „Streif“ in Kitzbühel bedeutet, das ist für die Skispringer/innen der Berg Isel. Wie ein mahnender Zeigefinger Gottes erhebt sich die mächtige Schanze zwischen Innsbruck und der Auffahrt über die Europabrücke Richtung Brenner in den Tiroler Himmel. Dort, und in den nur wenige Kilometer entfernten Loipen von Seefeld, wo bereits dreimal (1964, 1976 und 2012) um olympische Meriten gelaufen wurde, suchen die besten Springerinnen und Springer, die ausdauerndsten Läuferinnen und Läufer und die „Könige“ des nordischen Skisports, die Kombinierer, vom 19. Februar bis 3. März ihre Triumphatoren.

Die deutschen Top-Athletinnen und Athleten der Lüfte und in der Lope sind nicht nur bei internationalen Großereignissen, sondern auch traditionell jedes Mal eine Woche vor dem Weihnachtsfest beim „Sportler des Jahres“ in Baden-Baden ein Garant für Höchstleistungen. Aber auch für Spannung, für Kribbeln, für Atemberaubende Flüge auf virtuellen Schwingen und für Zentimeter-Entscheidungen bis zur totalen Erschöpfung auf den Langlauf-Latten. Und für jede Menge Emotionen darüber hinaus sowieso.

Deutschlands Adler, zum ersten Mal ohne ihren langjährigen Vorzeige-Springer und mentalen „Schutzschild“ Severin Freund am Start, möchten ihrem zum Saisonende scheidenden Trainer Werner Schuster das passende Abschiedsgeschenk in den Einzel- und Wettbewerben machen. Olympiasieger Andreas Wellinger, Markus Eisenbichler, Karl Geiger, Stephan Leyhe und Co. sind in Freunds Fußstapfen getreten. Und bei den Damen sind Carina Vogt und Katharina Althaus als die aussichtsreichsten „Adler-Frauen“ eines ausgeglichenen Teams immer für Top-Platzierungen gut.

Wenn die wilde Jagd nach Sekunden-Bruchteilen in der Loipe losgeht, wenn der winzige Vorsprung aus dem Sprung-Wettbewerb verteidigt werden soll oder vielleicht doch ein größerer Rückstand aufgeholt werden muss, dann schlägt die Stunde der DSV-Kombinierer. Eric Frenzel, Zweiter der letzten Sportler-Wahl und Johannes Rydzek (2017 die Nummer 1) sind längst nicht mehr die einzigen Medaillen-Kandidaten in einem Team, in dem „Jugend forsch“ mit tollen Nachwuchsleuten das Motto ist. Zum Beispiel Vinzenz Geiger (im Bild links), im letzten Dezember mit dem Newcomer-Award der „Glücksspirale-Siegerchance“ ausgezeichnet.

Dass es auch bei den Spezialist(inn)en durchaus die eine oder andere Chance auf eine Top-Platzierung gibt, das zeigte Sprinterin Sandra Ringwald am Wochenende mit ihrem zweiten Rang im Weltcup. Vom Berg Isel und von den Seefelder Loipen ist es nicht weit nach Baden-Baden. Einige der deutschen Athletinnen und Athleten werden in den nächsten Tagen wohl schon einmal das Ticket für ihren ganz persönlichen Dezember-Trip buchen.

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Trauer um Maximilian Reinelt

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Maximilian Reinelt, 2012 Olympiasieger mit dem Deutschland-Achter der Ruderer und im gleichen Jahr mit seinem Team als „Sportler des Jahres“ geehrt, ist völlig unerwartet von uns gegangen.
Der erst 30 Jahre alte Athlet starb beim Skilanglauf in St. Moritz. Rettungskräfte, die gerufen worden waren, weil ein Langläufer in der Loipe zusammengebrochen war, konnten nicht mehr helfen.
Max Reinelt war 2010 von Bundestrainer Ralf Holtmeyer zum ersten Mal in das Team des Deutschland-Achters berufen worden. Er rechtfertigte die Nominierung gleich in seinem ersten Jahr im Flaggschiff des Deutschen Ruder-Verbandes, präsentierte sich sofort als Verstärkung des Teams und konnte 2010, bei der WM in Neuseeland, auf dem Lake Karapiro seinen ersten Weltmeister-Titel feiern. Ein Jahr später trug Max Reinelt bei der WM in Bled in Slowenien wesentlich zur erfolgreichen Titelverteidigung bei und krönte seine Laufbahn ein Jahr später mit der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London. Zum Ende des Olympiajahres wurde der Deutschland-Achter von den Sportjournalisten zur „Mannschaft des Jahres“ gewählt und im Kurhaus von Baden-Baden geehrt.
Bis zu seinem Rücktritt vom Leistungssport, nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio, saß er ununterbrochen im Elite-Boot des DRV, ruderte in dieser Zeit zu drei Vize-Weltmeister-Titeln und insgesamt fünf EM-Goldmedaillen.
Nach den Olympischen Spielen in Rio beendete Max Reinelt sein Medizinstudium in Bochum und zog mit seiner Verlobten zurück in seine Heimatstadt Ulm, wo er seitdem als Anästhesist arbeitete. Dem Rudersport blieb er auch nach seiner Laufbahn als Spitzensportler verbunden. Ab der kommenden Woche sollte er die U23-Nationalmannschaft als Teamarzt ins Trainingslager nach Spanien begleiten.
Max Reinelt war auch immer ein guter Partner für die Medienschaffenden. Nach einem Rennen kaum aus dem Boot heraus und kurz verschnauft, stand er den Journalisten immer Rede und Antwort, egal, ob nach einem der vielen Siege oder einer der wenigen nicht siegreich beendeten Rennen.
Er war neben den immer als erstes gefragten Steuermann Martin Sauer und dem jeweiligen Schlagmann des Bootes, immer ein gesuchter Ansprechpartner, auch wenn er nie auf der exponierten Position im Boot saß, stand immer zur Verfügung, wenn es darum ging, die „Randsportart“ Rudern öffentlich zu präsentieren.
Max Reinelt war ein Aushängeschild der Ruder-Hochburg Ulm und war sich dieser Rolle als Vorbild und Werber für den Rudersport auch bewußt. Während seiner gesamten Zeit als Ruderer war er Mitglied des Ulmer RC Donau. Obwohl am Stützpunkt des Deutschland-Achters in Dortmund rund 500 Kilometer von seiner Heimatstadt entfernt, nutzte er, sofern die Zeit es zuließ, jede Gelegenheit vor Ort zu sein, wenn sein Verein nach ihm rief, stand den Medien in seiner Heimatstadt immer zur Verfügung, wenn diese bei ihm anfragten.
Mit Bestürzung erfuhren als erste seine Teamkollegen aus dem Deutschland-Achter vom Tod Max Reinelts.  „Seit wir heute Morgen von seinem viel zu frühen Tod erfahren mussten, beherrschen uns Unglaube und Fassungslosigkeit. In unseren Gedanken ist Maximilian mehr als der Sportler und Olympiasieger, mehr als nur Teil des Team Deutschlandachter. Er war in erster Linie ein Freund, jemand auf den wir uns nicht nur im Training und Wettkampf, sondern im gesamten Leben verlassen konnten“
Für IOC-Präsident Thomas Bach war Reinelt „einer der ganz großen Athleten des deutschen Rudersports und darüber hinaus ein sehr sympathischer Mensch, dem es gelungen ist, Leistungssport und seine berufliche Ausbildung zum Arzt mit großem Erfolg zu verbinden. Dies macht seinen Tod beim Sport so besonders tragisch. Mein Beileid gilt seiner Familie und seinen vielen Freunden.“

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Abschied vom Weißen Blitz: In Memoriam Heinz Fütterer

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Er gehörte jener Generation an, die nach den Wirren und den Schrecken des zweiten Weltkrieges die neue, junge Bundesrepublik Deutschland in eine friedliche Weltgemeinschaft des Aufbruchs und der Hoffnung führte. Er tat das mit seinen sportlichen Leistungen, aber auch mit seiner offenen, freundlichen und sympathischen Art. Sein Name, seine Erfolge wurden zeitgleich genannt mit den Helden von 1954, die „das Wunder von Bern“ vollbracht hatten. Im gleichen Jahr stellte er im japanischen Osaka mit handgestoppten 10,2 Sekunden den 100-m-Weltekord der US-Sprinterlegende Jesse Owens ein. Ein Lauf für die Geschichtsbücher, der ihm den Namen „Der weiße Blitz“ einbrachte.
Aber er war auch viel mehr als nur die personifizierte Anhäufung seiner Medaillen und Meriten. Obwohl die für sich, für sein Talent, seine Unbeirrbarkeit in den Spikes auf der damals noch roten Aschenbahn sprachen. Dreimal Europameister zwischen 1954 und 1958, Olympia-Bronze 1956 mit der deutschen 4X100-m-Staffel in Melbourne. Gemeinsam mit den Sprint-Ikonen jener Zeit, Manfred Germar, Manfred Steinbach und Hürden-As Martin Lauer, lief er 1956 in Köln in 39,5 Sekunden Weltrekord über 4X100 Meter.
Der gelernte Fischer aus dem badischen Illingen, ein bodenständiger Mann, wurde 1954, noch vor dem Kapitän der Weltmeistermannschaft, Fritz Walter, Deutschlands „Sportler des Jahres.“ Allein diese Auszeichnung in einem für die junge Republik so bedeutenden Jahr der Sport- und Zeitgeschichte zeugt von der ungeheuren Popularität, die man dem damals schnellsten Mann der Welt zu Hause entgegenbrachte. Der Sport begleitete ihn sein ganzes Leben. Bis weit in seine Achtziger Jahre spielte er noch Golf, hatte Freude an der Bewegung und am sportlichen Vergleich mit anderen.
Aber er war auch ein Mensch, der das Leben genießen konnte und er tat es gerne und mit offensichtlicher Freude. Auftritte beim Familienfest des Deutschen Sports, Hand in Hand mit seiner Gattin auf dem roten Teppich flanierend, strahlten pure Lebensfreude aus.  Nach kurzer schwerer, Krankheit starb der Mann, der die deutsche Leichtathletik prägte, der aber auch für ein neues Deutschland ohne das Attribut der Schreckensherrschaft stand, in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit 87 Jahren.
Heinz Fütterer, der „weiße Blitz“, wird für immer auch ein regelmäßiger und gern gesehener großer Freund des „Sportler des Jahres“ bleiben.

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