Sportler des Jahres - Artikel nach Datum gefiltert: Januar 2019

Hans Fassnacht - vor 50 Jahren Sportler des Jahres

Im Wasser fühlte sich Hans Fassnacht einst am wohlsten. Das war Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre, als er einer der weltbesten Schwimmer war. Der in Bad Rappenau-Wollenberg geborene und in Mannheim aufgewachsene Badener verbesserte die Weltrekorde über 400 Meter Freistil (4:04,0 Minuten) und 200 Meter Schmetterling (2:03,3), schwamm 22 Europarekorde, sicherte sich 1970 in Barcelona drei EM-Titel und gewann bei den Olympischen Spielen in München mit der 4x200 Meter-Freistil-Staffel die Silbermedaille. Dreimal hintereinander (1969, 1970, 1971) wurde Fassnacht von den deutschen Sportjournalisten zum Sportler des Jahres gewählt, was er in erster Linie seinen Leistungen zu verdanken hatte. Sicherlich spielte bei der Wahl aber auch die Tatsache eine Rolle, dass Fassnacht des Erfolgs wegen einen für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen Weg ging. Er war gerade 18 Jahre alt geworden, als er in die USA übersiedelte, um beim legendären Star-Trainer Don Gambril in Long Beach in die Lehre zu gehen. Fassnacht gab alles für seinen Sport.
Das ist mittlerweile fünf Jahrzehnte her. Nicht alle Wünsche gingen in Erfüllung. Das ersehnte Gold in München musste er Mark Spitz überlassen. Dafür hat Fassnacht sein privates Glück in Kalifornien gefunden. Die junge Amerikanerin Carol, die den gut gebauten, ansehnlichen „german Olympic athlete“ anhimmelte, hat er geheiratet, mit ihr eine Familie gegründet und sich in Huntington Beach vor den Toren von Los Angeles niedergelassen. Unweit des Pazifiks lässt es sich unter den Palmen im heimischen Garten aushalten. Den hauseigenen Swimming Pool hat Fassnacht selbst konstruiert. Rekorde und Bestleistungen im Becken sind aber längst kein Thema mehr. „Das ist Vergangenheit“, sagt Fassnacht, der sein Rentner-Dasein genießt. „Ich schwimme kaum noch“, verrät er. Dass Fassnacht auch mit 68 Jahren gut in Schuss ist, verdankt er weniger der intensiven sportlichen Betätigung als seinen Genen. „Laufen, joggen – nein, das ist nicht mein Ding. Das beschränkt sich darauf, die Treppe im Haus rauf und runter zu gehen.“ Wenn Sport, dann Segeln. Zwölf Meter lang ist das Boot, das er in Begleitung von Ehefrau Carol, die in ihrer Jugend zur nationalen US-Segelelite gehörte, regelmäßig bei der Insel Catalina vor LA durch die Weiten des Ozeans steuert.  Dann ist Hans Fassnacht in seinem Element - zwar nicht im, dafür aber auf dem Wasser.

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Und der (ewige) Wiede sei mit Ihnen…

Ein wenig ist es so, als hätte man zuvor bei „Erlebnis Reisen“ die Variante  „mit Vergnügungszuschlag“ gewählt. Mit der Option um Verlängerung und eventuell abschließender Nordland-Exkursion nach Dänemark. Denn die unglaubliche Rundreise der deutschen Handballer durch die pickepacke vollen Arenen der Republik geht weiter: Was im Hexenkessel von Berlin begann, im Kölner „Henkelmännchen“ vor fast 20.000 schier aus dem Häuschen geratener schwarz-rot-goldener Masse weiter gesponnen wurde, geht am Freitag  in Hamburg weiter. Und soll dann, so das feste Vorhaben, am kommenden Sonntag im dänischen Herning enden.
Denn nach dem 22:21-Erfolg vom Montagabend gegen die Handballmacht Kroatien steht bereits vor dem Aufeinandertreffen mit Europameister Spanien am Mittwoch fest: Christian Prokop und seine Adlerträger greifen in den Kampf um die Medaillen ein,  stehen unter den letzten vier dieser Weltmeisterschaft. Ebenso wie Weltmeister Frankreich. Und in Hamburg wartet am Freitag einer der großen Drei aus dem Wikinger-Trio Dänemark, Schweden und Norwegen.
Wie schon in den Remis-Partien gegen Russland und die Franzosen war das Aufeinandertreffen mit dem Team von Handball-Fuchs Lino Cervar (68), so eine Art „Balkan-Heiner-Brand ohne Schnurrbart“, nichts für Menschen, die dem korrekten Ablauf ihres Herz-Kreislauf-Systems nicht mehr so recht über den Weg trauen: Schwacher Beginn, heran gekämpft, verletzungsbedingter Ausfall des Spielmachers Martin Strobel, auf drei Tore abgesetzt, dann wieder hinten gelegen und am Ende ein einziger Treffer mehr: Jeder ARD-„Tatort“ ist dagegen eine  Wohlfühl-Oase, ist wie eine zärtliche Novelle aus der Feder von Rosamunde Pilcher.
„Wir haben jetzt alles in der Hand. Wir haben das Publikum im Rücken. Alle anderen müssen eigentlich mehr Angst vor uns haben als wir vor denen“, bilanzierte der kantige Abwehrchef Patrick Wiencek. Der Kieler ist mit seiner ungeheuren körperlichen Präsenz so eine  Art Zerberus, der Höllenhund der griechischen Mythologie, vor eigenen Eingangstor. Mit Fabian Wiede ist neben Fäth am Montagabend ein weiterer Experte für die sogenannten „scharfen“ Dinger aus dem Rückraum gefunden worden. Einer, der ebenfalls dafür sorgen könnte, dass im Dezember im Benazét-Saal des Kurhauses von Baden-Baden zwei Tische für ihn und seine Kumpels renoviert werden müssen:  Sechsmal traf der Linkshänder aus Berlin kompromisslos: Und deshalb setzen Deutschlands Handballer für die 60 Minuten in Hamburg  wieder darauf: Und der (ewige) Wiede sei mit Ihnen…

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Und jetzt, Handball-Deutschland? – „Kölle Alaaf“

Der Hexenkessel von Berlin ist passé. Und was jetzt, Handball-Deutschland? Ganz einfach: „Kölle Alaaf!“ Fast schon in Sichtweite der närrischen „fünften Jahreszeit“ wollen Bundestrainer Christian Prokop und seine Ballwerfer auch die fast 20.000 Zuschauer fassende Arena in der Domstadt, Handball-erprobt durch das jährlich stattfindende „EHF Final Four“, in Entzücken versetzen. Ungeschlagen aus der Vorrunde gekommen, mit zwei recht unglücklichen Unentschieden und daher einem Punkt weniger als möglich, richten Deutschlands Handballer jetzt bei der WM im eigenen Land den Blick nach vorn. Ab Samstag heißt es: Blick nach vorn, Richtung Halbfinale. Denn nichts Anderes soll es, darf es jetzt mehr sein.
Deutschland hat seine Liebe zum Handball, zu dieser rasanten Sportart, in der es bis zur letzten Sekunde, bis (fast) zum Platzen der Halsschlagader der Fans, um Sieg, Remis oder Niederlage geht, wieder entdeckt. „Der Trainer hat gesagt, in so engen Spielen kann das Publikum der siebte Mann auf der Platt sein“, zitierte Kreisläufer Patrick „Bambam“ Wiencek Christian Prokop, um nach dem 25: 25 Remis gegen Weltmeister Frankreich fort zu fahren: „Heute war die Halle Nr. 12, 13 und 14 auf dem Feld.“ Im Netz werden schon Tickets zu Höchstpreisen gehandelt. Wer kann, der will. Unbedingt. Nach Köln nämlich, wo es ab Samstag „mit Teamgeist und dem Rückenwind durch den Heimvorteil“ (Rückraumspieler Paul Drux) unter die letzten vier dieser WM gehen soll.
Island, Kroatien und Europameister Spanien heißen die Hürden, die noch genommen werden müssen, wenn es auch wirklich ums Edelmetall gehen soll. Die Punkte aus den Spielen der Kontrahenten der Vorrunden-Gruppe A, die ebenfalls die Hauptrunde erreicht haben, werden mitgenommen. Gegen die wieselflinken Isländer (Samstag, 20.30 Uhr), die heißblütigen Kroaten (Montag, 20.30 Uhr) und schließlich gegen den amtierenden Europameister Spanien (Mittwoch 20.30 Uhr) wird es für die DHB-Auswahl, die vor drei Jahren unter einem anderen Bundestrainer und mit einer teilwiese anderen Besetzung als „Bad Boys“ europäischer Titelträger wurde, nur noch Endspiele geben.
Dem deutschen Team fehlt, trotz eines überragenden Uwe Gensheimer auf Linksaußen und am Siebenmeter-Punkt, der alles dominierende Superstar. Kein Karabatic wie in Reihen von Rekord-Weltmeister Frankreich. Kein Welthandballer Mikkel Hansen wie beim Co-Gastgeber Dänemark. Aber „eine Mannschaft, in der jeder seine Rolle hat“, wie Prokop nicht müde wird, zu betonen. Der Bundestrainer mit der jugendlichen Kleist’schen Sturm-und-Drang-Attitüde ist zwar kein Schnurrbart-Träger, aber er könnte, wie weiland Heiner Brand als „Schnorres der Nation“ die Seinen nicht nur zur Medaillenvergabe ins dänische Herning, sondern auch zur Ehrung beim „Sportler des Jahres 2019“ nach Baden-Baden führen.

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Start in die Handball-WM: Ein Wintermärchen ohne Schnauzbart?

Neues Wintermärchen wie 2007 oder doch ein (virtueller) Schlag in die Magengrube wie ein Jahr zuvor bei der Europameisterschaft in Kroatien? Wenn Deutschlands Handballer am Donnerstag gegen Korea in die mit viel Medien-Tamtam angekündigte Weltmeisterschaft der Superlative mit 24 Mannschaften in vier Gruppen im eigenen Land und in Dänemark starten, ist die Anspannung mindestens genauso groß wie die Erwartungshaltung. Der Druck auf den jungen, kürzlich erst 40 Jahre alt gewordenen Bundestrainer Christian Prokop, könnte größer nicht sein. Halbfinale in einem Turnier mit einer ganzen Handvoll Titelkandidaten ist fast schon Pflicht. Das Bild der ausgelassenen „DHB-Feierbiester“ mit Pappkrone und Heiner-Brand-Schnauzbärten von 2007 kann Ansporn wie Belastung gleichermaßen sein.
„Gigantisch“ sei das Gefühl vor einer Heimkulisse in das Turnier der Weltbesten zu gehen, freut sich Prokop, der 2018 bei seiner internationalen Premiere und der krachenden EM-Bauchlandung noch sehr in der Kritik gestanden hatte. Mittlerweile herrsche ein „neues Teamgefühl“. Da hat sogar die überraschende Streichung von Europameister Tobias Reichmann für den finalen 16er Kader zu keinen Misstönen geführt. Nach außen zumindest.
Gigantisch ist aber auch die Aufgabenstellung, in den Kampf um den Titel mit eingreifen zu können. Die mehr als zweiwöchige intensive Suche des Nachfolgers von Titelverteidiger und Rekord-Weltmeister Frankreich (sechs Mal Champion) soll und muss auch ein wirtschaftlicher Erfolg werden. Erst im Oktober hatten sich die beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ARD und ZDF die Rechte an der Live-Berichterstattung aller deutschen Spiele sichern können. Bis zum Finale am 27. Januar im dänischen Herning wird ein neuer WM-Rekord von 800.000 Fans (bisher 750.000 bei der WM 2007) angepeilt.
Für Prokop und den deutschen Handball geht es folglich darum, wer in den nächsten Jahren die Nummer zwei hinter „König Fußball“ im Ranking des Zuschauer-Interesses und damit des sportlichen Millionen-Spiels wird. Denn neben der WM 2019 enthält die Vereinbarung von ARD und ZDF auch die Rechte an den Weltmeisterschaften 2021, 2023 und 2025. Darüber hinaus werden die Europameisterschaften 2020, 2022 und die in Deutschland stattfindende EM 2024 öffentlich-rechtlich übertragen.
Genauso wie auch die Ehrung von Deutschlands Sportlern des Jahres im Dezember in Baden-Baden im ZDF. Dort können Deutschlands Ballwerfer um Ausnahme-Torwart Andreas Wolff zeigen, dass sie nicht nur eine wer weltbesten Defensiven haben, sondern dass auch ihre „Offensive“ an den diversen Ständen und in der Sportiv-Meile nach dem offiziellen Ende der Sendung wahrlich weltmeisterlich ist.

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50 Jahre „Schumi“:

Auf dem Sprungseil von Triumph und Tragik.
Die Liste seiner unvergleichlichen und von niemandem erreichten Erfolge ist genauso groß wie die seiner persönlichen Tragik: Sieben Mal Formel-1-Weltmeister, eine Zahl, die niemand je vor ihm erreicht hatte. Ein Mann, der das italienische „Denkmal“ Ferrari aus dem Schatten Jahrzehntelanger Tristesse heraus führte und im Herbst seiner Karriere noch einmal bei DEM deutschen Rennstall landete, wo als Junior-Fahrer für ihn alles begann: bei Mercedes-Benz. Ein Mann, den nicht nur Millionen Fans auf der ganzen Welt verehrten, sondern dem auch die deutschen Sportjournalistinnen und Sportjournalisten ihren Respekt zollten: Zweimal, 1995 und 2004, wurde er zum „Sportler des Jahres“ gekürt.
Doch seit jenem schwarzen Tag, seinem Ski-Unfall am 29. Dezember des Jahres 2013, ist für Michael Schumacher nichts mehr, wie es einmal war: der Mann aus dem rheinischen Kerpen, der schon lange am Genfer See ein neues Zuhause mit seiner Familie gefunden hat, erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, wird seit Jahren nach monatelangen Krankenhausaufenthalten nun in seinem Anwesen therapiert und gepflegt. Die Familie schirmt ihn gegen die Öffentlichkeit ab, Communiqués über seinen gesundheitlichen Zustand gibt es nicht.
Heute sollte eigentlich ein Festtag für ihn, seine Familie, seine Freunde, seine Fans werden: Doch der 50. Geburtstag von Michael Schumacher, dem seine Verehrer und Bewunderer mit dem persönlichen Adelstitel „Schumi“ ein verbales Denkmal der Einmaligkeit setzten, ist ein Tag bitterer Traurigkeit. Einer, an dem das großartige fahrerische Talent, die unvergleichliche Fähigkeit zur technischen Analyse, die unerschütterliche Loyalität zum Team, die gnadenlose Härte sich selbst gegenüber, aber auch rüde, zweifelhafte Methoden seinen Konkurrenten gegenüber ein auf ewig ungelöstes Rätsel bleiben
Der Blick zurück an diesem 3. Januar 2019 ist eine wehmütige Melange aus verklärter Formel-1-Romantik der 1990er und der „Nuller“ Jahre des neuen Jahrhunderts sowie der Ohnmacht gegenüber einer winzigen Sekunde fataler Verkettung der Geschehnisse: Michael Schumacher, der immer und immer wieder sein Leben auf den Rennstrecken dieser Welt bei aberwitzigen Situationen aufs Spiel setzte, und dieses Dasein auf des Messers Schneide doch zu beherrschen schien wie kein Zweiter, wurde Opfer eines „harmlosen“ Unfalls. Eines dummen Hinfallers wie ihn in jedem Skiwinter Hunderte von Touristen erlitten und erleiden.
Der 29. Dezember 2013 und der 3. Januar 2019 sind die Eckdaten des Lebens einer Person, die wie nur wenige ein Dasein auf dem Drahtseil zwischen Triumph und Tragik verbringen.

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