Sportler des Jahres - Artikel nach Datum gefiltert: Oktober 2018

Stäbler zum Dritten

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Ringen in der Öffentlichkeit. Das geschieht immer (nur) dann, wenn Frank Stäbler die Matte betritt. Wie jetzt wieder bei den Weltmeisterschaften in Budapest. Der 29-jährige Schwabe holte in der 71-kg-Klasse seinen dritten WM-Titel, ein Coup wie für das Guinnessbuch der Rekorde. Fränky vergoss erst Tränen, konnte nicht fassen, was er im Finale gegen den Lokalmatador Balint Korpasi geleistet hatte, schnappte sich dann die deutsche Fahne und ließ sich von IOC-Präsident Thomas Bach feiern.
Weil auch die Geschichte dahinter so unglaublich klingt. Sein alter Verein in Musberg vor den Toren Stuttgarts ließ ihn nicht mehr in der Halle trainieren, die persönlichen Zwistigkeiten aber stoppten den WM-Plan von Stäbler nur kurz. Er übte im umgebauten Kuhstall der Familie. Und auch eine Rippenblessur im Sommer, die sich glücklicherweise nicht als der befürchtete Herzinfarkt entpuppte, steckte er weg. Nach dem Motto: „Extremsituationen“ würden ihn nur stärker machen. Wie wahr. Für die “Stuttgarter Zeitung“ stieg Frank Stäbler damit in die Liga der ganz Großen der deutschen Sportszene auf. „Basketball hat Dirk Nowitzki, Triathlon Patrick Lange, Tischtennis Timo Boll und der alpine Skisport Felix Neureuther. Und das Ringen Stäbler – eine Ikone seines Fachs.“
Wie weit kann der Triple-Weltmeister (in drei verschiedenen Gewichtsklassen) bei der Wahl „Sportler des Jahres“ nach oben klettern? Als Repräsentant einer Sportart, die selten für mediale Schlagzeilen sorgt. Die Juroren, die Fachpresse, könnte den Ringer diesmal weiter nach vorne schieben als bisher. Stäbler ist ein „Herausforderer“ für Ironman Patrick Lange, die Olympia-Giganten Frenzel, Wellinger, die Leichtathletik-Europameister von Berlin. Eigentlich. Den 16. Dezember hat er sich jedenfalls dick angestrichen. Von Budapest über Musberg nach Baden-Baden. #RoadtoBadenBaden

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Qual und Wahl im Hula-Paradies

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Lange sprengt alle Dimensionen. So ein Heiratsantrag ist keine Sache, die man sich einfach macht. Da gilt es vorab reiflich  zu überlegen, ob ja oder ob nein. Denn das kann, oder sollte eigentlich, eine Sache fürs restliche Leben sein. Patrick Lange hatte dazu am Sonntag im Triathlon-Mekka auf der Hawaii-Insel Kona genügend Zeit: Sieben Stunden, 52 Minuten und 39 Sekunden, um es genau zu sagen: So lange (oder besser so wenig) brauchte der Ironman-Sieger des Vorjahres, um beim schwersten und spektakulärsten Wettbewerb, den diese Ausdauer-Sportart kennt, seinen Vorjahres-Sieg zu wiederholen.
3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dann noch einen lockeren Marathon obendrauf als Abschluss. Die Eisenmänner aus Deutschland sind scheinbar die Ausdauerndsten und Leidensfähigsten unter den Nimmermüden. Nach Jan Frodeno und Sebastian Kienle in den Vorjahren nun also zum zweiten Mal der Mann aus dem hessischen Bad Wildungen. Der 32-jährige Lange erwies sich im Hula-Hula-Paradies als ein Athlet für die Geschichtsbücher. Weniger als acht Stunden, also den normalen Arbeitstag eines deutschen Büro-Angestellten, hatte zuvor noch keiner der Eisenmänner für die Qual der Qualen gebraucht.
Wie schon in der 2017er Auflage fiel die Entscheidung in der letzten Disziplin, dem Marathon. Lange, bekannt als guter Läufer, machte seinen Rückstand auf den führenden Australier Cameron Wurf von 6,46 Minuten, den  er auf die 42,195 Kilometer lange Strecke mitgenommen hatte, in beeindruckender Manier wett. Bei Kilometer 25 übernahm er erstmals die Führung, die er schließlich bis ins Ziel auch nicht mehr abgab. Dem zum Schluss wie entfesselt davon stürmenden Vorjahressieger vermochte keiner der Konkurrenten mehr zu folgen.
Wer in Kona ganz oben steht, der wird in Baden-Baden ebenfalls gute Chancen haben, von den deutschen Sportjournalist(inn)en nicht vergessen zu werden. Schon im vergangenen Jahr kam Lange hinter dem nordischen Kombinierer Johannes Rydzek als Zweitplatzierter des Wahl-Procederes zu Deutschlands „Sportler des Jahres“ über die Ziellinie des Kurhauses. Und in diesem Jahr, am dritten Advent genauer gesagt, werden wir dann wohl auch erfahren, wie die Sache mit dem Heiratsantrag eigentlich ausgegangen ist, die er seiner Lebensgefährtin Jule nach getaner, knapp achtstündiger „Schicht“ gemacht hat. Wer die Qual hat, der hat eben auch die Wahl zur Gattin. Mitten im Hula-Hula-Paradies.

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„Wir haben den Titel mehr gewollt als alle anderen!“

Freudestrahlend und aus voller Brust sangen sie die Nationalhymne mit, die Hand ans Herz gedrückt – geschafft! Nach der Siegerehrung bei den Weltmeisterschaften der Ruderer Mitte September im bulgarischen Plovdiv flog dann Steuermann Martin Sauer traditionsgemäß im hohen Bogen ins Wasser des Ruderkanals.

Zuvor hatte es der Deutschland-Achter „der Ruderwelt gezeigt“ (Schlagmann Hannes Ocik). In exakt identischer Besetzung gelang dem „Flaggschiff“ des Deutschen Ruderverbands die Titelverteidigung – eine wahrhaft einmalige Leistung, die auf einer willensstarken und beeindruckenden Vorstellung beruhte. Mit einem Start-Ziel-Sieg hielten Steuermann Martin Sauer und seine „Body-Guards“ – Schlagmann Hannes Ocik, Richard Schmidt, Malte Jakschik, Jakob Schneider, Torben Johannesen, Maximilian Planer, Felix Wimberger und Johannes Weißenfeld – die Konkurrenz in Schach und auf Distanz. Knapp zwei Sekunden betrug der Vorsprung, den das deutsche Boot im Ziel hatte, nur drei Hundertstelsekunden trennten Vize-Weltmeister Australien und Bronzemedaillengewinner Großbritannien, weitere 17 Hundertstel dahinter blieb Mitfavorit USA lediglich der vierte Platz.

„Wir konnten uns nach dem Start gut lösen und sind nie unter Druck geraten“, analysierte Bundestrainer Uwe Bender später. Und Ocik bestätigte: „Die ersten 1.500 Meter sind wir optimal am Limit gerudert. Dann haben wir das Ding nach Hause gefahren.“ Felix Wimberger gab Einblick in sein Gefühlsleben und sagte: „Ich hatte sehr viel Adrenalin auf den ersten 500 Metern. Das ganze Rennen hat sich wie ein einziger Spurt angefühlt – das war 100 Prozent Wille. Wir haben den Titel mehr gewollt als alle anderen.“

Doch ganz so leicht und sicher, wie der deutsche Sieg von außen schien, war das WM-Finale denn doch nicht: „Die letzten 500 Meter waren knüppelhart. Da waren viel Herz, Kampfgeist und Intensität zu spüren“, gestand Johannes Weißenfeld, der jedoch auch einräumte: „Ich habe keine Sekunde daran gezweifelt, es nicht zu schaffen!“

Schon siebenmal war der Deutschland-Achter „Mannschaft des Jahres“. Folgt jetzt in Baden-Baden ein achter Erfolg für den Achter?

Bild: Detlev Seyb

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Timo Boll und die sieben Europameistertitel

So alt war noch kein Europameister in der 60-jährigen Geschichte der kontinentalen Tischtennis-Titelkämpfe: Mit 37 Jahren triumphierte der Hesse im September bei der EM in Alicante im Finale mit 4:1 gegen den Rumänen Ovidiu Ionescu und sicherte sich damit seinen siebten Europameistertitel im Einzel. „Alter schützt vor Medaillen nicht“, scherzte der Linkshänder nach der Siegerehrung. Bisher war der Engländer John Hilton mit 32 Jahren bei seinem Titelgewinn 1980 in Bern der älteste Einzel-Champion.

Nach seinem verwandelten Matchball verbeugte sich Timo Boll ungläubig vor dem Publikum. „Ich kann das gar nicht glauben. Ich hatte null Erwartungen vor diesem Turnier. Aber ich bin ein Kämpfer und gebe niemals auf!“ Wegen einer hartnäckigen Halswirbelverletzung hatte Timo Boll einen nicht unerheblichen Trainingsrückstand, als es nach Spanien ging. Solchermaßen gehandicapt, tat er sich zunächst recht schwer, steigerte sich jedoch ab dem Achtelfinale stetig und traf im Halbfinale auf Teamkollege Patrick Franziska. Trotz eines 1:3-Rückstands gewann der erfolgreichste Tischtennisspieler Deutschlands mit 4:3 und hatte schließlich im Endspiel gegen den Rumänen Ovidu Ionescu keine Probleme (4:1). Zwei Tage zuvor hatte Boll noch betont: „Ich bin nach meiner langen Pause noch etwas langsam.“

Trotz seiner Zwangspausen war 2018 bis dahin schon sehr erfolgreich für den Familienvater verlaufen: WM-Silber mit dem deutschen Team, dazu mit Borussia Düsseldorf Pokalsieger, Deutscher Mannschaftsmeister und Gewinner der Champions-League (gegen Fakel Orenburg mit Dimitrij Ovtcharov) sowie Sieger bei den Europe-Top-12. Im März war er als bisher ältester Spieler überhaupt in der Weltrangliste wieder die Nummer 1.

Timo Boll, seit mehr als 15 Jahren absolute Weltklasse, galt eine Zeit lang in China als „Staatsfeind Nummer 1“ und ist dort der populärste Deutsche überhaupt. Geht er im Reich der Mitte über die Straße, gibt es einen Menschenauflauf wie bei einem Pop-Star. Vielleicht auch deswegen, weil sein Fairplay in allen Situationen bekannt ist und er als einer der klügsten Taktiker seines Sports gilt. Beim „Sportler“ stand Timo Boll schon fünfmal auf dem Treppchen: 2007, 2008 und 2010 als Zweiter, 2005 und 2011 als Dritter.

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Wirbelsturm Florence verhinderte WM-Titel Nummer zehn

An der erfolgreichsten Reiterin der Welt aller Zeiten führte auch bei den Weltreiterspielen kein Weg vorbei. In Tryon (North Carolina) sicherte sich die sechsmalige Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth im September ihre Weltmeistertitel Nummer acht (Mannschaft) und neun (Grand Prix Special). Dass nicht noch die Nummer zehn dazukam, lag an Wirbelsturm Florence, der dafür sorgte, dass die Kür ersatzlos gestrichen wurde.

Viele waren skeptisch, als sich die „Dressur-Königin“, die mit drei Pferden in den Top-Ten der Weltrangliste geführt wird, vor der WM für den Einsatz in den USA für Bella Rose entschied. Immerhin war diese seit 2014 verletzt gewesen und kam bei Isabell Werths 12. Sieg im Großen Dressurpreis von Aachen im Sommer erst zu ihrem zweiten Einsatz nach der Zwangspause.

Doch die Auftritte der beiden im Viereck von Tryon gaben der 49-Jährigen Recht. „Machtdemonstration!“, „Konkurrenz chancenlos!“ – so oder ähnlich lauteten die Schlagzeilen und Kommentare in den Medien. Isabell Werth selbst sagte: „Das war eine Sternstunde!“ Schon vor der Schlussaufstellung ließ sie ihren Freudentränen freien Lauf, so emotional erlebte die gelernte Juristin den Glanzauftritt ihrer 14-jährigen Westfalen-Stute, die einen persönlichen Rekord (86,246) verzeichnen konnte.

Die Rheinbergerin – die in dem niederrheinischen Städtchen übrigens mit Supermodel Claudia Schiffer das Amplonius-Gymnasium besuchte – sattelt immer noch für den heimischen Reitverein „Graf von Schmettow Eversael“. Bei der Wahl zur „Sportlerin des Jahres 2017“ belegte Isabell Werth einen hervorragenden dritten Platz hinter Biathlon-Ikone Laura Dahlmeier und Turn-Weltmeisterin Pauline Schäfer. Sie genoss den Abend in Baden-Baden sehr, ließ sich aber noch in der Nacht nach Hause zurückbringen – weil sie ihrem Sohn Frederik (8) am Montagmorgen vor der Schule das Frühstück machen wollte.

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Simone und Alice im Wunderland

Bei der Siegerehrung kullerten die Freudentränen und auch danach war Simone Blum noch längere Zeit fassungslos. Als allerletzte Starterin bei den Weltreiterspielen im amerikanischen Tryon sicherte sich die 29-jährige Springreiterin aus Zolling Goldmedaille und Weltmeistertitel. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich hab’s noch gar nicht begriffen. Alles erscheint mir so unwirklich“, stammelte sie.

Der Überraschungssieg der Deutschen, die in North Carolina mit dem Team bereits eine Bronzemedaille gewonnen hatte, war jedoch hochverdient, hatte sie auf ihrer elf Jahre alten Fuchsstute DSP Alice doch in fünf Durchgängen keinen einzigen Abwurf zu verzeichnen. „Sensationell, was die beiden in dieser Woche geleistet haben! Das ist der Hammer!“, lobte Bundestrainer Otto Becker das Paar überschwänglich. Und der Mannheimer Peter Hofmann, Präsidiumsmitglied des Verbandes und Vorsitzender des Springausschusses, strahlte: „Das war eine Sternstunde! Es ist unfassbar. Ihre Ritte waren absolute Weltklasse!“

Zunächst hatte Simone Blum, die Tochter einer Reiterfamilie (Vater Jürgen holte 1996 EM-Bronze mit dem Vielseitigkeitsteam) und seit ihrer Kindheit auf Gut Eichenhof vor den Toren Münchens im Sattel, studiert. Ihr Lehramtsstudium (Chemie und Biologie) schloss sie 2016 mit dem Master-Diplom ab, ehe sie sich komplett auf den Sport konzentrierte. 2017 wurde sie Deutsche Meisterin in der Herren-Konkurrenz und für die EM in Göteborg als Ersatzreiterin nominiert. 2018 gewann sie mit der deutschen Equipe den prestigeträchtigen Nationenpreis in Aachen – und wurde jetzt als zweite Amazone nach der Kanadierin Gail Greenough (1986) Weltmeisterin.

Kein Wunder, dass Simone Blum sagt: „Alice ist unverkäuflich!“ Entdeckt hat die Stute ihr Lebensgefährte Hans Günther Goskowitz. Der Reitlehrer und ehemalige Schüler von Reitlegende Hans Günter Winkler (Sportler des Jahres 1955/56) und die Weltmeisterin wollen demnächst heiraten – das nächste Gold für Simone Blum.

Bild: picture alliance

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