Pleite auch bei der Leichtathletik-WM?

War das ein Sport-Sommer 2022 in München bei den European Championships mit zehn Sportarten. Für die deutsche Leichtathletik wurde es ein Sommermärchen mit 16 Medaillen und einer euphorischen Stimmung unter den Zuschauern im Olympiastadion. EM-Gold für Gina Lückenkemper (100 Meter), Julian Weber (Speer), Konstanze Klosterhalfen (5000 Meter), Richard Ringer (Marathon), Niklas Kaul (Zehnkampf)  und die Frauen-Sprintstaffel sorgten für eine Sternstunde. Balsam auf die Seele des DLV nach dem Debakel bei der WM in Eugene mit nur zwei Medaillen (Malaika Mihambo, Sprintstaffel Frauen).

Wo steht die deutsche Leichtathletik ein Jahr später vor der WM in Budapest  (19. bis 27. August)? „Ein Abschneiden wie in Eugene wollen wir nicht noch einmal haben“, sagt Jörg Bügner, der neue Sportdirektor des DLV. Doch der Blick auf die aktuelle Situation und den Leistungsperspektiven des 72-köpfigen Kaders lassen keine allzu rosige Aussichten zu. Zudem ist das internationale Niveau extrem hoch, die Konkurrenz unter den 2000 Teilnehmern aus 192 Nationen manchmal fast schon entrückt. Bei der WM in Eugene holten Athleten aus 45 Nationen Medaillen, allein 29 Länder gewannen einmal Gold.

Folgt den Pleiten der deutschen Fußballern und Fußballerinnen ein weiteres Desaster in Budapest? „Wir wollten natürlich erfolgreicher sein als in Eugene, zahlreiche Verletzungen machen uns aber einen Strich durch die Rechnung“, lässt DLV-Präsident Kessing eine gewisse Skepsis durchblicken.

Tatsächlich ist die Verletztenliste auch unter den deutschen Topstars lang: Olympiasiegerin und Doppel-Weltmeisterin Malaika Mihambo hat verletzungsbedingt abgesagt, genauso die Sprinterinnen Alexandra Burghardt und Lisa Mayer, womit Staffel-Bronze  von 2022 kaum zu verteidigen ist, der Start von Konstanze Klosterhalfen war bis zuletzt ungewiss, Ex-Weltmeister Johannes Vetter fällt ebenfalls aus, genauso wie Hallen-Europameisterin Hanna Klein. Stabhochsprung-Vize-Europameister Bo Kanda Lita Baehre und Konstanze Klosterhalfen verlängerten die Liste zuletzt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Wer sind die deutschen Medaillenkandidaten bei dieser WM? Speerwerfer Julian Weber (USC Mainz) ist als Zweiter der Weltrangliste größte deutsche Medaillenhoffnung. „Ich werde in Budapest sehr weit werfen und will eine Medaille“, sagte der 28-Jährige nach seinem letzten WM-Test in Offenburg. Gewinnt Diskuswerferin Kristin Pudenz (Potsdam) nach Olympia- und EM-Silber eine weitere Medaille bei einem internationalen Großereignis? Die beiden Zehnkämpfer Niklas Kaul (Mainz) und  Youngster Leo Neugebauer (Leinfelden) versprühen zudem Hoffnung. Europameister Kaul ist nach seiner Verletzung wieder fit und für eine Überraschung gut. „Ich denke, ich kann in Budapest eine Medaille machen“,   äußerte sich Neugebauer optimistisch, nachdem er den 39 Jahre alten Deutschen Zehnkampf-Rekord von „Ikone“ Jürgen Hingsen ausgelöscht hatte.

Das DLV-Team muss sich dennoch strecken, um dem Märchen an der Isar ähnliche Hochgefühle an der Donau folgen zu lassen. 

Bild: picture alliance

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