Hinze, Friedrich, Grabosch und die stetige Jagd auf die Regenbogentrikots

Sie sind die Raketen bei der Super-Radsport-WM, die am Donnerstag in Glasgow beginnt. Und seit Jahren verlässliche Medaillengarantinnen. Vor allem im Teamsprint. Emma Hinze, Lea Sophie Friedrich und Pauline Grabosch (alle RSC Cottbus) dominierten in diesem Jahr schon bei der EM und peilen als Titelverteidigerinnen nun Gold in Schottland an. Und alles bereits im Zeichen von Paris 2024.

Aber die Teamsprint-Konkurrenz schläft nicht, das weiß die sechsfache Bahn-Weltmeisterin im Keirin, Sprint und Teamsprint, Emma Hinze: „Ich denke, die Britinnen, die im Juni in Cottbus beim ‚Großen Preis von Deutschland‘ waren, sind gut drauf. Bestimmt auch die Chinesinnen und die Französinnen.“ Alle wollen „bestmöglich performen“ und ein Jahr vor Olympia sei das wohl „noch krasser“.  Die 25-Jährige, die nach Krankheit im Winter und einem eher zähen, aber dann dennoch guten Frühjahr noch einmal die Reset-Taste drückte und einen Neuaufbau begann, fährt wieder auf Top-Niveau und brachte von der Deutschen Bahnmeisterschaft im Juni vier Titel (im Sprint, Keirin, Teamsprint und Zeitfahren) nach Hause.

Diese besondere Art der Titelflut findet Emma Hinze, Dritte bei der Wahl zur „Sportlerin des Jahres“ 2020, dagegen gar nicht gut. Aufgrund der Terminverschiebung der Mega-WM (elf Wettkampf-Tage mit 7000 Athleten) in den August, finden innerhalb von zwölf Monaten zwei Europameisterschaften und zwei Weltmeisterschaften statt. Ungewöhnlich. „Das ist einfach ein bisschen zu viel und verliert etwas an Wertigkeit. Es ist aber nicht weniger schön, zu gewinnen. Wenn man aber halt vier Chancen in einem Jahr hat, ist es einfach etwas anderes, als wenn man weiß, dass man das Trikot wirklich ein Jahr lang tragen kann. Das EM-Trikot von München‘22 hatte ich ein halbes Jahr und dann konnte ich schon wieder um den Titel fahren.“

Teamsprint-Kollegin Lea Sophie Friedrich, für die der Saisonstart mit drei EM-Titeln extrem erfolgreich verlief, bevor sie jäh von einem hartnäckigen Virus wortwörtlich aus der Bahn geworfen wurde, freut sich auf die außergewöhnliche Tempojagd. Die Ziele der 23-Jährigen: „Auf jeden Fall den WM-Titel im Teamsprint verteidigen und auch in den anderen Disziplinen auf dem Podium zu stehen“, ist die Dassowerin, die seit 2020 siebenmal zu WM-Gold raste, hochmotiviert und in guter Form. Einzig der WM-Titel im Sprint fehlt der „Newcomerin“ 2020 – ausgezeichnet von der Sieger-Chance der GlücksSpirale, noch in ihrer Vita.

Die Dritte im Bunde, Pauline Grabosch (25), schon 2018 auf dem höchsten Podest, kennt den Teamsprint, als man diese Disziplin noch im Duett bestritt. Die erfahrene Magdeburgerin sieht das Event am Clyde-Fluss nun als Chance, den Radsport mehr ins Rampenlicht zu rücken. „Doch ich bin wirklich skeptisch, wie die Logistik innerhalb der Bahn und des Zeitplans aussieht. Leider werden wir keine Zeit haben, andere Disziplinen anzuschauen, aber es gibt ja definitiv ganz viel zu sehen bei uns auf der Bahn“, freut sie sich auf den Teamsprint-Auftakt am 3.August. Auch Alessa Catriona Pröpster (22) aus Jungingen reiste mit auf die Insel, sie hatte bei der EM‘23 in Grenchen aktiv zum Titelgewinn beigetragen.

Bei der Wahl zur „Mannschaft des Jahres“ der deutschen Sportjournalisten kamen die erfolgreichen Teamsprinterinnen bislang nicht über Platz sechs hinaus. Das könnte sich 2023 ändern.

Bild: picture alliance

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