Wembley – Baden-Baden?

Finale verloren, an Prestige gewonnen. Im neunten EM-Endspiel mussten sich die MVT-Girls den Engländerinnen knapp mit 1:2 geschlagen geben. Bis in die Verlängerung hatten die DFB-Frauen kräftezehrend die ‚Lionesses’ in Zaum gehalten. Die Entscheidung fiel in der 110. Minute nach einem Eckball.

Doch was für ein Turnier für die Fußball-Frauen. Über dreieinhalb Wochen beschäftigte sich Deutschland mit dem einstigen Stiefkind. Gab es zu Beginn noch die Berichte über die schwierigen Anfänge der Kickerinnen um beispielsweise Bärbel Wohlleben in den 1970er Jahren, setzte das aktuelle Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg – eher unerwartet – beim Turnier in England eine Top-Marke nach der anderen. Nach Pandemie, Turnierverschiebung, Verletzungen und schlussendlich noch Corona-Ausfällen, zauberten sich die Frauen um Kapitänin und Torschützenkönigin Alexandra Popp ins Wembley-Stadion. Noch nie hatte Frauenfußball so viel Sendezeit, noch nie so viele Zuschauer.

Auch wenn `Poppi` im Finale fehlte und der allerletzte Coup verwehrt blieb – seit Beginn der ‚neuen’ Zeitrechnung im Frauenfußball (zweigleisige Bundesliga ab 1990) gab es keinen größeren Medienhype. Den gilt es jetzt zu nutzen. So möchte Bundeskanzler Olaf Scholz mit DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff über mehr „finanzielle Gleichstellung“ reden. Auch wenn es heute keine Kaffeeservice mehr als Leistungsprämien gibt, bleibt die Diskrepanz doch erheblich. Zweimal übrigens konnten sich die DFB-Kickerinnen schon über den Titel „Mannschaft des Jahres“ freuen (2003 & 2009). Die Fachpresse wählte das Team bereits nach dem Gewinn der allerersten EM 1989 auf Platz 3. Insgesamt präsentierten sich die Fußballerinnen neunmal (!) auf der Kurhausbühne von Baden-Baden.

Bild: picture alliance

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