Goldspur im Liegen und Sitzen

Fakt ist: Jetzt weiß die interessierte Sportöffentlichkeit in Deutschland, welche die Gefahren des Eiskanals von Yanqing sind, wie man die Kurve 13 bändigt – und was es mit dem sogenannten N3-Schlitten auf sich hat. Denn: stundenlange TV-Übertragungen aus China zu guten Fernsehzeiten offenbarten, dass der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) die Konkurrenz in Grund und Boden fuhr. Am letzten Olympia-Tag vollbrachte das Team Friedrich den erwarteten Gold-Coup im Vierer, vorher war Laura Nolte als jüngste Olympiasiegerin im Zweier wie auf Schienen zum Triumph gefahren. Summa summarum gingen neun Goldene und insgesamt 16 Medaillen an die Athletinnen und Athleten des BSD. Eine beispiellose Erfolgsserie.
Ziemlich logisch, dass die abgehängten Rivalen resignieren. Der Zürcher Tagesanzeiger fragte „Wie gähn kann Sport sein“? zumal die Schweizer Bob-Gemeinde es einst auch aufs Podest schaffte. Passé. Unbestritten ist die professionelle Arbeit, die hinter den Serienerfolgen steht. Der technisch-wissenschaftliche Einsatz, ob durch BMW oder die FES, mehrere Kunsteisbahnen sowie monetäre Möglichkeiten, von denen andere Nationen nur träumen können. „Es hat alles wirklich sehr gut gepasst“, beschreibt BSD-Sportdirektor Thomas Schwab gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“ das Ineinandergreifen der Systeme, „aber ehrlich gesagt hätte ich das (die Medaillenausbeute) nicht für möglich gehalten.“
„Das Material ist immer entscheidend“ weiß Bob-Bundestrainer René Spies – der menschliche Faktor aber setzte den Yanqing-Runs die Krone auf. Francesco Friedrich holte Doppelgold – wie vor vier Jahren in Südkorea. Sodass auch zweimaliger Silber-Pilot Johannes Lochner sich keine Sekunde grämte. Gegen den „Dominator“ aus Pirna ist eben kein Kraut gewachsen, weil er in einer eigenen Liga fährt. Auch dank seiner Crew um Anschieber Thorsten Margis – Fahnenträger bei der Schlussfeier – die mit vier Start-Bestzeiten den N3 von Beginn an in die Goldspur katapultierte. Bei ihnen bedankte sich der weltbeste Kufenlenker unmittelbar nach dem Sieg. Teamwork wird beim BSD großgeschrieben.
Davon profitierten auch die Zweier der Frauen. Laura Nolte fuhr mit der früheren Sprinterin Deborah Levi zum Platz an der Sonne im Reich der Mitte. Mariama Jamanka bildete mit der schnellsten Deutschen über 100 m (bei den Sommerspielen in Tokio im Halbfinale), Alexandra Burghardt, ein Gespann, das Silber gewann. Passt und läuft im Liegen und im Sitzen, zumal sich auch die Skeletoni in die Gold-Spur einreihten. Und Sportdirektor Thomas Schwab betont, „demütig an unsere Aufgaben“ im Hinblick auf Cortina 2026 heranzugehen.

Bild: picture alliance

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