Konkurrenz erstarrt vor Friedrich

Die unendliche Geschichte des Francesco Friedrich erfuhr im Eiskanal von Yanqing ihre Fortsetzung. Gold zusammen mit Anschieber Thorsten Margis am deutschen Bob-Tag mit einem kompletten Team D-Podium. Den mental so ultrastarken Sachsen juckte weder die in Stein gemeißelte Favoritenrolle noch die komplexe Eisrinne, 1975 m lang mit 16 teils heiklen Kurven, die Konkurrenz schon gar nicht. „Er lässt seine Rivalen erstarren“ hatte Gunnar Meinhardt, Bob-Experte der „Welt“, prophezeit und nennt ihn den „Lewis Hamilton des Winters“.

Die Person Friedrich (31), schon 2014 und 2018 unschlagbar, ist natürlich das wichtigste Element der Erfolgsstory. Es greifen aber auch andere Details. Zum Beispiel der BMW-Bobsimulator, der beste Trainingsbedingungen schuf. Die Technologie-Experten des Automobil-Herstellers schufen ein virtuelles 3D-Modell à la Yanqing, in dem die deutschen Piloten die neue Bahn im virtuellen Raum testen konnten. Dabei flossen auch die Erfahrungen der wenigen Tests mit ein. „Sodass wir dann jede Kurve kannten“, schwärmte Perfektionist „Franz“. Der Simulator wurde ständig optimiert – wie auch das Sportgerät, vom Berliner Institut zur Forschung und Entwicklung (FES) gebaut. In den vier Läufen zum Gold benutzte der Rekord-Weltmeister das Material von Europameisterin Kim Kalicki (die dafür auf einige Trainingsläufe verzichtete). Das Teamwork, ein weiterer Stein im strahlenden Mosaik des deutschen Bobsports.

Der enorme Vorsprung von Friedrich/Margis sowie die zweitplatzierten Johannes Lochner/Florian Bauer (Bronze ging an Olympia-Debütant Christoph Hafer und Matthias Sommer) ist das Resultat eines enormen technischen Einsatzes und weltweit einzigartiger Trainingsbedingungen. Zu hoffen bleibt, dass die Konkurrenz ob eigener Chancenlosigkeit die Anstrengungen nicht minimiert. Der Fußballspruch des Gary Lineker („am Ende gewinnen immer die Deutschen“) passt auch zum Geschehen im Bobsport.

Und doch überstrahlt der „Franz“ mit seiner ruhigen Art alle Debatten. Als nächstes gilt es ihn im großen Schlitten zu bewundern. Und bis Cortina 2026 will er sowieso weitermachen und in den Dolomiten das nächste Gold-Set einheimsen. Um den olympischen Geist dann wieder mehr zu genießen. „Hier mussten wir aufpassen, nicht die falschen Zellen einzuatmen“, so der Olympia-Hero im ersten (ZDF-)Interview nach dem Coup in Peking.

Photo: IBSF / Viesturs Lacis

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