Toll, was Doll vorgemacht hat

Wenn es vor Olympischen Winterspielen darum ging, mögliche deutsche Medaillenkandidat:innen zu benennen, dann ging das nicht ohne die jungen Athlet:innen mit Langlaufskiern und Gewehr auf dem Rücken. In der Loipe und am Schießstand sammeln seit mehr als zwei Jahrzehnten unzählige Skijäger:innen, meist aus Thüringen oder Bayern, olympisches Edelmetall. Ohne sie hätte die deutsche Bilanz im Medaillenspiegel meist sehr trostlos ausgesehen. Auch bei den am Freitag beginnenden Spielen von Peking 2022 hofft der deutsche Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig auf „seine“ Biathlet:innen. Die Nominierungen sind zwar vollzogen, aber was will das in diesen unruhigen Pandemie-Zeiten schon bedeuten. Die Handballer haben das am eigenen Leib bei der am Sonntag zu Ende gegangenen EM erfahren müssen.

Sechs Herren (Benedikt Doll, Erik Lesser, Johannes Kühn, Philipp Nawrath, Roman Rees, David Zobel) und ebenso viele Damen (Denise Herrmann, Franziska Preuß, Vanessa Hinz, Vanessa Voigt, Anna Weidel und Ersatzläuferin Franziska Hildebrand) hatte die Deutsche Biathlon-Union (DBU) gemeldet. Anfang der Woche ging es im Lufthansa-Flieger nach Peking, in der nordischen Olympia-Außenstelle Zhangjikou beginnen die Wettkämpfe am Samstag mit der Mixed-Staffel, eine Novität im olympischen Programm. Und in der Hoffnung, dass Corona nicht, wie bei allen anderen Disziplinen auch, wieder einmal in letzter Sekunde alles durcheinanderwirbelt. In Antholz wurden die Teams nach dem letzten Weltcup deshalb quasi in „Sicherheitsgewahrsam“ genommen.

Auf unvorhergesehene „Kracher“, wie etwa Sprint-Olympiaseiger Arnd Peiffer 2018 zu hoffen, fällt in diesem Jahr schwer. Zu unterschiedlich waren die Leistungen bei Damen und Herren. Die Zeiten einer Magdalena Neuner, einer Laura Dahlmeier, einer Kati Wilhelm, eines Michael Greis oder eben auch eines Arnd Peiffer sind vorbei. Alles, was jetzt aufs Treppchen läuft oder sich dorthin schießt, wäre zumindest eine kleine Überraschung. Wie schon so oft, werden es wohl die Staffeln sein, die es „herausreißen“ können. Wenn es darauf ankam, mannschaftliche Geschlossenheit zu zeigen, dann kämpften oder schossen sich die Athlet:innen in Schwarz-Rot-Gold meist noch irgendwie durch in Richtung Medaillenränge. Indes: der Erfolg von Benedikt Doll beim Massenstart im Antholzer Tal ließ das Stimmungs-Barometer merklich steigen. Der 31-Jährige ließ u.a. den zwölfmaligen Weltmeister Johannes Thingnes Bö hinter sich – sein erster Coup nach zwei Jahren. Auch Johannes Kühn zeigt nach einer Corona-Auszeit, dass zumindest die Biathlon-Herren olympia-fit sind.

Für die in diesem Winter weniger erfolgreichen Biathlon-Damen gibt Denise Herrmann die Devise aus: „Ich weiß, dass für eine vordere Platzierung alles passen muss, aber dieses Ziel habe ich mir gesteckt.“

Deshalb gilt: es werden besondere Spiele in Peking für die deutschen Skijäger:innen. Nicht nur, aber auch wegen Corona und aufgrund der erschwerten Bedingungen bei der Anreise bleibt die Hoffnung auf den einen perfekten Tag. Auf das Können und ein bisschen Glück. Und auf einen Platz am Tisch am 18. Dezember im Kurhaus von Baden-Baden, wo die Biathlon-Delegation jahrelang einen Stammplatz bei der Ehrung „Sportler des Jahres“ sicher hatte.

Bild: picture alliance

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