Friedrich will Geschichte schreiben

Er mag Zahlen und Zahlenspielereien. Nicht nur, weil er in der Schule in Mathematik besonders gute Noten erhalten habe. Nein, seitdem Francesco Friedrich (31), als Bobfahrer in der Welt unterwegs ist, spielen Ziffern eine noch viel bedeutendere Rolle in seinem Leben. Jedoch nicht nur wegen seiner Fahrten gegen die Uhr. Sondern auch wegen der Erfolgsbilanzen, die er bei den Winterspielen in Peking fortschreiben möchte.

Die aktuell wichtigste Zahl ist für den Piloten aus Sachsen und seine Anschieber Thorsten Margis, Martin Grothkopp, Candy Bauer, sowie Alexander Schüller, die zwei - gemeint sind zwei weitere Olympiasiege, die er in Fernost einzufahren gedenkt, so wie 2018 in Pyeongchang. Doppelt hintereinander zu triumphieren, gelang noch keinem Piloten in der 98-jährigen Olympia-Historie des Bobsports. „Ich möchte unbedingt Geschichte schreiben“, sagt Friedrich ohne Wenn und Aber.

Die Stimmung in seinem Team sei blendend, betont Friedrich. Gleiches ist aber auch von den PilotenInnen aus den anderen fünf Mannschaften zu hören, die sich allesamt ihren letzten Feinschliff für die Winterspiele im Olympischen und Paralympischen Trainingszentrum in Kienbaum holten. Ob Johannes Lochner (31), Olympia-Debütant Christoph Hafer (29), die Olympiasiegerin von Pyeongchang, Mariama Jamanka (31), sowie Kim Kalicki, und Laura Nolte, sie alle reisen mit großer Zuversicht ins „Reich der Mitte“. „Das können wir nach den Saisonergebnissen auch“, lässt Bundestrainer René Spies keinen Zweifel an der enormen Leistungsstärke der acht Frauen, die erstmals auch im Monobob um olympische Medaillen fahren, und 14 Männer umfassenden Equipe.

Vor allem Friedrichs Souveränität ließ die Rivalen nahezu erstarren. Von 16 Weltcuprennen gewann er je sieben im Zweier und Vierer. In Summe kommt er auf 66 Siege - was Einmaligkeitswert besitzt. Seit 2017 holte er auch alle acht WM-Titel – vier Doppel-Triumphe in Folge. Auch das ist noch keinem geglückt, genauso wie den Gesamtweltcup fünfmal zu gewinnen.

Wer den Lewis Hamilton der Formel 1 Winters nach dem Geheimnis seiner Überlegenheit fragt, bekommt als Antwort: „Es ist schwer zu sagen, was wir besser als andere machen. Ich denke, dass wir uns mehr den Kopf über alles zerbrechen, um immer noch schneller zu werden als die Konkurrenten. Dabei dreht es sich vor allem um Kleinigkeiten, die viele nicht berücksichtigen, weil sie die als unwichtig erachten." Welche Details er konkret meinte, möchte er nicht preisgeben.

Friedrichs Trainer Gerd Leopold macht dessen Übermacht derweil an vier Punkten fest: An der „unfassbaren mentalen Stärke, die sich mit jedem Sieg weiter manifestiert", an der „bewundernswerten Perfektion, mit der er seinen Sport ausübt", am neuen, von Leopold selbst entworfenen Athletik- und Regenerationsprogramm, wodurch das Team noch gesünder und fitter durch die Saison kommt als sonst. Als Letztes beschwört der Coach den Teamgeist der Truppe. „Der ist sensationell“, betont Leopold.

Bei der Wahl zur „Mannschaft des Jahres“ 2019 belegte der Sachse mit seinem Team den Bronze-Rang. Ein goldiges Abschneiden bei Olympischen Spielen in Peking würde den Perfektionisten Friedrich auch bei der Gala „Sportler des Jahres“ 2022 in eine exponentielle Lage bringen, wenn es am 18. Dezember im Kurhaus von Baden-Baden wieder heißt: „Mannschaft des Jahres ist...“.

Bild: picture alliance

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