Bäuchlings zu olympischen Meriten

Der sportliche Makel soll nach den Winterspielen in Peking getilgt sein. Noch nie haben deutsche Skeletonis eine olympische Goldmedaille feiern können. Die Frauen waren zweimal dicht dran, durch Jacqueline Lölling vor vier Jahren in Pyeongchang, und Kerstin Szymkowiak vor zwölf Jahren in Vancouver. Beide holten Silber. Zudem gab es 2010 durch Anke Huber eine Bronzeplakette. Die Männer fuhren bislang immer am olympischen Siegerpodest vorbei. Auch das soll nach Peking der Vergangenheit angehören.

Der Optimismus unter den bäuchlings durch die Eisrinne bretternden AthletenInnen

ist begründet, auch wenn das sechsköpfige Team unmittelbar vor der Abreise in die chinesische Hauptstadt von der Hiobsbotschaft überrascht wurde, dass Axel Jungk (30) zweimaliger Vizeweltmeister, und Junioren-Weltmeisterin Hannah Neise (21) nach positiven Coronatests um ihren Start bangen müssen. Sie befänden sich jedoch auf dem Weg der Besserung, berichtet Bundestrainer Christian Baude, so dass Hoffnung besteht, beide nach China mitnehmen zu können.

Der ganz große Triumph ist keine Vision. Immerhin sind die Frauen bei Weltmeisterschaften seit 2106 unbesiegt. Die Erfolgsserie eingeleitet hatte Tina Hermann (29). Ihr folgte als Titelträgerin Jacqueline Lölling (26), ehe sich Hermann nahtlos beim Jahreshöhepunkt weitere dreimal als Weltbeste ehren lassen konnte. „Angesichts dieser Bilanz sollten wir jetzt auch endlich einmal mit Olympiagold an der Reihe sein“, sagt Bundestrainer Baude. Die knapp 1600 Meter lange Kunsteisbahn im Yanqing National Sliding Center scheint „seinen“ Frauen zu liegen. Im vorigen Oktober beim ersten Wettkampf auf der Olympiapiste gewann Hermann vor Neise. „Das sollte ein gutes Omen sein“, hofft nicht nur die Gewinnerin.

Auch die Männer schlugen sich bei der Premiere bravourös. Alexander Gassner (32), fuhr in beiden Rennläufen jeweils Bestzeit. Auf Rang drei raste Jungk, hinter ihm platzierte sich Christopher Grotheer (29), der Weltmeister der beiden vergangenen Jahre. Fürchten muss sich das deutsche Trio, dass schon gemeinsam bei den Winterspielen 2018 gestartet war, vor allem vor dem Russen Alexander Tretjakow, Olympiasieger 2014, sowie den Dukurs-Brüdern Martin und Tomass aus Lettland, die länger als ein Jahrzehnt zur Weltspitze gehören.

„Wichtig ist“, sagt Grotheer, „dass wir die Ruhe bewahren.“ Wobei der Olympiazehnte von Pyeongchang vor allem sich selbst meint. Der Modellathlet aus dem Harz sagt über sich, kein lockerer Typ zu sein: „Manchmal habe ich zu großen Ehrgeiz und werde dadurch ausgebremst. Ich bin in gewissen Momenten noch zu verbissen.“ Bundestrainer Baude findet, dass Grotheer mit zunehmenden Erfolgen seine Besessenheit immer besser in den Griff bekommt. Wenn ihm das in Peking auf den Punkt gelinge, könnte schon er den Makel tilgen.

Bild: picture alliance

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