Sportlicher Sternenhimmel

Baden-Baden, im Dezember. Überall erhellen weihnachtliche Vorboten die Stadt, die sich wie unter einem Sternenhimmel ausbreitet. Zigtausende Lichter, geschmückte Läden, man könnte sich wie in Christmas City fühlen. Aber alles wirkt irgendwie viel leerer als sonst. Weniger Passanten, in den Restaurants dominieren die Stornierungen. Und der Weihnachtsmarkt musste nach neun Tagen wieder schließen – die Corona-Regeln bestimmen den Alltag. Im Kurhaus aber wird gezimmert und gehämmert, die Vorbereitungen auf die Veranstaltung „Sportler des Jahres“ laufen seit Sonntag – am 19. Dezember soll alles perfekt sein. Dann überträgt das ZDF die Auszeichnungen der 75. Wahl „Sportler des Jahres“.

Doch die allgemeine Lage verändert auch das Prozedere rund um die Wahl der deutschen Sportjournalisten. Es wurden nur einige Akkreditierungen an die Medien-Vertreter, die seit 1947 ihr Votum treffen, ausgesprochen, die Fotografen müssen auf Pool-Bilder der wenigen Vor-Ort-Kollegen zurückgreifen. Die mögliche Auslastung von 50 Prozent im Kurhaus wird weit unterschritten, zwischen den Tischen im Bénazetsaal bleibt extrem viel Platz. Früher galt „Zusammenrücken“ als Motto, um die vielen Kartenwünsche zu befriedigen, heute ist Abstand halten und Maske tragen angesagt.

Aber: Die Gelegenheit, nochmals die Besten der Olympischen und Paralympischen Spiele zu erleben, ist ein Signal für den deutschen Sport. Um Jene, die in Tokio unter ungewohnten Bedingungen Medaillen errangen, die zuvor erschwerte Trainingsbedingungen hatten, ihren Leistungsstand im internationalen Vergleich kaum einschätzen konnten, zum Jahresende zu ehren. In Baden-Baden ertönt das Dankeschön an die Erfolgreichen – die Pokale stehen bereit, die Laudationes sind verfasst. Am Sonntag dürfen Auserwählte zuhören, was gesagt wird – und im Fernsehen (ZDF ab 22.15 Uhr) zusehen.

Alle, die für den großen Abend aufbauen, vom Bühnenbauer bis zum Kellner, durchlaufen im Kurhaus das Geimpft-Genesen-und-Testprozedere. Ausnahmen gibt es nicht. Desinfektion und Lüften sind die obersten Gebote. Es ist ungewöhnlich kühl in allen Räumen, weil der Luftaustausch auf Hochtouren läuft. Und dennoch kommen nicht alle Geladenen an den Rand des Schwarzwalds. Die Bestimmungen gestatten in einigen Bundesländern Reisen „nur in Ausnahmefällen“. Für die Sportler ist die Ehrung zwar eine Genugtuung, aber auch Bestandteil ihrer Berufsausübung. Und so gelangen sie über ein High-Security-System ins Badische: Abholung in speziellen Fahrzeugen mit Trennwänden, von verlässlich getesteten Chauffeuren betreut. In der Regel geht es noch am Abend auf die gleiche Art und Weise zurück. Im Gepäck aber vielleicht ein Sportler-des-Jahres-Pokal, der die Reise lohnte. Registrieren mussten die Verantwortlichen jedoch auch, dass einige Protagonisten anstatt im festlich geschmückten Saal zuhause in Quarantäne den vierten Advent erleben. Traurige Realitäten am Ende des zweiten Corona-Jahres.

Dennoch rückt die Kurstadt für einige Stunden einmal mehr in den Fokus des deutschen Sports, angeführt vom neuen DOSB-Präsidenten Thomas Weikert, der auch in Baden-Baden erwartet wird. Kurz vor Weihnachten ein Kerzlein für erbrachte Leistungen: das wäre ein Leuchtzeichen.  

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