Team D wächst zusammen

Franziska Brauße fühlte sich ein bisschen wie im siebten Himmel. Die Bahnrad-Europameisterin von 2019 (Einzelverfolgung) betrat als Erste am Morgen in Stuttgart den Einkleidungs-Truck der Deutschen Sport Marketing GmbH (DSM) – und wurde mit über 80 Einzelkleidungsstücken ausgestattet. Was für ein Gefühl. „Mega schön, diese ganze Ausstattung. Jetzt ist Olympia greifbar.“ Die 22-Jährige fliegt als Debütantin nach Japan, was sie auch als Vorteil sieht, sie kennt das viel beschriebene Feeling, sich mit anderen Sportlern auszutauschen, zu kiebitzen und zu genießen, nicht. Anderen geht es ähnlich. Auch die wohl völlig anderen Spiele üben einen Reiz auf die Protagonisten aus. Das „Ja“ dazu – trotz der Pandemie – kommt fast unisono aus den Mündern der deutschen Nominierten.
438 Athletinnen und Athleten inklusive der zuletzt erfolgreichen Basketballer werden die deutschen Farben in Fernost vertreten, eine stattliche Team-Größe. Und alle wissen, welch logistischer und organisatorischer Aufwand auf sie zukommt. Impfen, Testen, in der Bubble zuhause. Wo und wann man trainiert, ist teilweise noch offen. „Und ich erwarte, dass wir zunächst drei Tage in Quarantäne müssen“, glaubt Christian Reitz, 2016 Olympiasieger mit der Schnellfeuerpistole. Gleichzeitig denkt er aber nicht, dass diese Umstände größere Auswirkungen auf die Leistungen haben. „Unwahrscheinlich, dass deshalb fünf Ringe weniger fallen.“
Die meisten hatten seit 15 Monaten kaum Wettkämpfe, die internationalen Vergleiche blieben sehr überschaubar, doch die Team D-Sportler, die ihre olympischen Träume um ein Jahr verschieben mussten, kennen ihr Leistungsvermögen. „Ich bin gut unterwegs“, beschreibt „Franzi“ Brauße ihre Form, beim letzten Trainingslager in Frankfurt/Oder soll an der Taktik im Verfolgungs-Vierer gefeilt werden: die Basis für „hoffentlich eine Medaille“.
Brause startet auch im Madison an der Seite von Lisa Klein. Die Besonderheit, dass quasi alle kein einziges Bahnrennen bestritten – und sich ausschließlich auf der Straße vorbereiteten. sei keine Last. Die Vorfreude steht über allem. Auch bei Frank Stäbler (32). Der dreimalige Ringer-Weltmeister musste beim „Klamotten fassen“ eine Größe kleiner wählen. „Vier Kilo habe ich schon abtrainiert“, so der Champion der Matte. Und frozzelte: „Sie sind der Nächste, der meint, ich sei im Gesicht viel schmäler geworden – doch das liegt am Bart, der weg ist.“
Ob Vielseitigkeits-Favorit Michael Jung, Siebenkämpferin Carolin Schäfer oder Hochspringerin Marie Laurence Jungfleisch: sie strahlen Zuversicht aus. Loben großenteils das Outfit der Sponsoren und wachsen zum Team Tokyo zusammen. Natürlich haben viele einen ersten Blick in das die Corona-Regeln umfassende „Playbook“ für Olympia-Teilnehmer geworfen, die nur teilweise optimal funktionierenden Apps des Veranstalters gecheckt. Alle wird anders, komplexer. Einen Reiz mache aus, dass die meisten Entscheidungen jetzt „viel offener“ (Christian Reitz) seien – weil kaum einer weiß, wie die internationale Konkurrenz den Break überwunden hat.

Bild: ISK

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