Denise Schindler: „Es muss weitergehen“

Rasant, klug, hübsch und erfolgreich – das ist Denise Schindler. Gerade erbeutete das Paracycling-Ass trotz Materialproblemen EM-Bronze beim Einzelzeitfahren in Oberösterreich (Klasse C3), dem ersten sportlichen Vergleich seit neun Monaten und zigtausenden Trainingskilometern. Nach der Corona-Bremse folgen nun für die, seit einem Straßenbahn-Unfall im Alter von zwei Jahren unterschenkelamputierten Vorzeigeathletin die WM in Portugal, dann die Para-Games in Tokio. Zwei Silber- und eine Bronzemedaille hamsterte die Olchingerin auf den Straßen von London und Rio, in Japan liegt der Fokus auf der Bahn. Wenngleich die „Killerbiene“, wie sie in der Szene genannt wird, ihren Stachel auch beim Straßenrennen ausfahren wird.

„Ich würde gerne Gold holen. Dafür mach ich nochmals den Aufwand“, erklärt die 35-Jährige, die 2010 ihre Karriere startete und als Vollprofi vom Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportverein BPRSV e.V. aus Cottbus, vom Land Brandenburg und von der Bundeswehr unterstützt wird. „Das Niveau hat sich inzwischen so weit nach oben geschraubt, das würde mit einem regulären Job nicht mehr funktionieren. Ich bin froh über die Unterstützung der Staatskanzlei Brandenburg, die mich großenteils für den Sport freistellt.“ Acht Frauen aus USA, Japan, China, Australien, Schweden und Deutschland zählt sie zum engen Favoritenkreis. „Und es ist schon richtig hart da aufs Podium zu kommen!“

Die gebürtige Chemnitzerin hatte als eine der Ersten für eine Verlegung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2020 plädiert. „Das wäre eine riesige Corona-Party geworden. Wir hatten keinerlei Erfahrungswerte, keine Studien, kaum Masken oder Tests.“ Ein Jahr später brennt sie für die Spiele. „Wir haben jetzt eine ganz andere Situation. Es gibt Schutzmöglichkeiten. Und wie bei jeder Krise im Leben muss es auch weitergehen. Die Leute sind leer und es braucht ein gutes Zeichen der Hoffnung.“ Auch wenn die Spiele anders sein werden, sehr viel strenger und ein bisschen spaßbefreiter: 

Dass nun das IOC von den Teilnehmern verlangt, im Falle einer Covid19-Infektion auf Schadensersatzforderungen zu verzichten, findet Denise Schindler ok. „Hier muss man auch die Verbände verstehen. Das kann kein Verband tragen, unmöglich. Du musst wissen, es kann etwas passieren. Du musst dich damit auseinandersetzen, und wenn du das Risiko nicht eingehen möchtest, dann muss man auch nein sagen können. Dann fliegst du eben nicht“, spricht die Diplom–Betriebswirtin.

Die mehrfache Weltmeisterin, paralympische Medaillengewinnerin und Weltcupsiegerin auf Asphalt und im Oval, Inhaberin eines inoffiziellen Weltrekords über 3000-Meter-Einerverfolgung, setzt alles daran, das paralympische Jahr am 19. Dezember mit weiterem Edelmetall in Baden-Baden ausklingen lassen zu können. „Der Sportler des Jahres ist wie eine Weihnachtsfeier unter den Sportlern! Darauf freue ich mich immer sehr.“

Foto_Jo-Splice

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