Das Ziel am Nil: Mindestens ins Viertelfinale

Es wird, soviel steht schon fest, bevor der erste Ball geworfen wurde eine sehr ungewöhnliche Handball-Weltmeisterschaft. Und das nicht nur, weil der Austragungsland Ägypten, die Heimat des IHF-Präsidenten Hasan Mustafa, nicht gerade als das Mekka dieser schnellen Mannschaftssportart gilt. Es wird – Corona geschuldet – die erste WM ohne Zuschauer überhaupt sein. Ein Beschuss, der erst am Sonntagabend nach dem deutlichen 34:20-Sieg der DHB-Auswahl im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich offiziell bestätigt wurde. „Das gibt uns allen noch einmal das Gefühl, dass in unserer Blase während des Turniers alles für unsere medizinische Sicherheit getan wird“, äußerten sich Bundestrainer Alfred Gislason und Mannschaftskapitän Uwe Gensheimer unisono.

Ein Ziel für das Turnier haben Gensheimer und Co. nur sehr vage ausgegeben. Genauso  wie der Coach oder der Verband. Kein Wunder, denn das, was „unser neu zusammengewürfelter Haufen“ (O-Ton Gensheimer) im Orient auf die Platte bringen soll und wird, gilt derzeit noch als Wundertüte. Denn der Europameister von 2016 und Weltmeister von 2007 reist ohne zahlreiche Stammkräfte zum Turnier der Weltbesten. Insgesamt neun Stammspieler, darunter der Mittelblock mit den beiden Kieler Champions-League-Siegern Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek, gaben Familie oder dringend notwendiger Rekonvaleszenz den Vorrang. Gerade dieses hünenhafte Abwehrduo wird Gislason in der Defensive fehlen.

Die Absage einiger Cracks hatte ausgerechnet Torwart-Riese Andreas Wolff im Vorfeld öffentlich kritisiert. Vorbei sei das jetzt und ausdiskutiert, sagt der Mann vom polnischen Serienmeister aus Kielce: „Wir sind ab jetzt nur noch auf die WM fokussiert.“ Dort trifft die Mannschaft am Freitag zum Auftakt auf Uruguay. Eher ein Gegner zum „einspielen“, obwohl der Handballsport – siehe Brasilien – gerade in Südamerika in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat. Die Vorrunde zu überstehen, sei das erste Ziel, sagt der Kapitän. „Im letzten Spiel gegen Ungarn wollen wir dann sehen, mit welcher Ausbeute an Punkten wir in die Hauptrunde gehen.“ Vor dem Viertelfinale, und damit ist dann doch zumindest eine vage Perspektive ausgegeben, wolle man auf jeden Fall nicht abreisen.

Und wenn die DHB-Vertretung dann doch noch etwas länger am Nil bleiben sollte, könnte es durchaus sein, dass sich die Jungs auch im Dezember noch einmal in Baden-Baden beim Sportler des Jahres wiedersehen werden.

Bild: Picture Alliance

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.