MVP bei den harten Jungs: Draisaitl schreibt Geschichte

Das deutsche Eishockey hat in den vergangenen Jahren durchaus für positive Schlagzeilen gesorgt. Obwohl die Jagd mit und nach dem Puck hierzulande eher eine Randsportart ist. Doch die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang hatte die Truppe von Marco Sturm seinerzeit in den Penalty-Himmel geschossen. Dass die schnellste Mannschafts-Sportart der Welt aber auch eine Bühne für Individualisten sein kann, bewies jetzt Leon Draisaitl. Als erster deutscher Puckjäger überhaupt wurde er zum MVP (most valuable player), also zum wertvollsten Spieler der NHL gewählt.
Die National Hockey League ist in den USA das Nonplusultra dieses oft als raubeinig verschrienen Sports mit seinen immerwährenden Bandenchecks und Stockfouls. Wer sich dort durchsetzt, und die „Hart Trophy“ sowie den „Lindsay Award“ gewinnt, der muss schon Großes geleistet haben bei den Eishockey-verrückten Amis und Kanadiern. Beide Auszeichnungen sind so etwas wie die Bambi-Verleihung in der hall of fame des Eishockeys. Leon Draisaitl wurde die Kunst des ebenso filigranen wie wuchtigen Umgangs mit der schwarzen Hartgummischeibe von Vater Peter in die Wiege, oder besser in die Schlittschuhe gelegt. Der war selbst einst deutscher Nationalspieler, förderte den Filius und ebnete ihm auch den Weg in die NHL.
Der 24-Jährige ist auf dem Eis so etwas wie Toni Kroos und Robert Lewandowski in einer Person. Genialer Passgeber und eiskalter Scharfrichter vor dem gegnerischen Goalie. In der Saison 2018/19 gelangen ihm 50 Tore und 55 Vorlagen. Ein Wert, den zuvor noch kein anderer Spieler vor ihm erreicht hatte. Zum Superstar in der Wayne-Gretzky-Welt aber reichte das (noch) nicht. Jetzt aber, nach seiner Wahl zum MVP in der Hauptrunde 2019/20, ist der gebürtige Kölner auf einmal ganz oben angekommen. Seine Edmonton Oilers wissen, was sie an ihm haben. Leon ist mit großartigen individuellen Fähigkeiten ausgestattet, gleichzeitig aber auch sehr mannschaftsdienlich. Starkult ist ihm ein Gräuel.
„Der Erfolg mit dem Team ist alles, was für mich zählt“, hatte er erst kürzlich in einem Interview mit dem Online-Magazin „breaking the ice“ beteuert. Und dennoch dürfte er mit diesen Titeln im Rücken, die noch keine deutscher Eishockey-Crack vor ihm je gewann, gute Chancen haben, als Teamplayer bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“ 2020 ganz weit vorn zu landen. Das deutsche Olympia Team wurde 2018 mit großem Vorsprung zu Mannschaft des Jahres gewählt und in Baden-Baden ausgezeichnet.

Bild: picture alliance

 

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