Interview mit Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen

Wir besuchten letzte Woche in Baden-Baden – und fanden keinen Platz für einen Café. Äußerlich hat es den Anschein, die Auswirkungen der Krise sind auf dem Rückzug. Dass dies ein Trugschluss ist, wissen Sie am besten. Wie „geht“ es der Stadt nach fünf Corona-Monaten?

Baden-Baden ist dabei, sich sukzessive von der Krise zu erholen. Wir sind sehr froh, dass nahezu alle unsere Betriebe wieder geöffnet sind: Angefangen von den örtlichen Geschäften, über die Museen und Kultureinrichtungen, das Casino, die Caracalla Therme und die Gastronomie mit den Hotels.

Unsere Stadt bietet so ein lukratives Gesamtpaket, welches touristisch wieder Menschen in unsere schöne Stadt zieht. Nicht nur Urlauber aus Deutschland, sondern auch Gäste aus der Schweiz, Frankreich und den Beneluxländern genießen den Sommer in Baden-Baden. Wir hören wieder Gäste, welche sich in unseren prachtvollen Parks und Gärten in vielen Sprachen unterhalten – die Internationalität in Baden-Baden kehrt Stück für Stück zurück.
Natürlich vermissen wir jedoch die Touristen aus Ländern außerhalb Europas, die sonst einen großen Teil unserer Gäste ausmachen. Baden-Baden ist eine internationale Stadt. Wir wissen daher, wie wichtig es für die Erholung des Tourismus ist, dass sich die Lage weltweit stabilisiert.

Was hat sich während dieser Zeit bei Ihnen im Rathaus verändert?

Eine Oberbürgermeisterin kann in schwierigen Zeiten nicht ins Homeoffice. Das Gegenteil ist sicher der Fall. Sie sollen für alles eine Lösung parat haben….

Wir haben drei positive Impulse durch die Corona Phase für unsere Arbeit bekommen:

  1. Wir bieten nun in deutlich stärkerem Umfang die Arbeit im Homeoffice an, um unsere Mitarbeiter quasi in verschiedenen Teams zu halten und dadurch eine Infektionsgefahr verringern. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dabei ein schöner Nebeneffekt.
  2. Wir konferieren stärker über Hybridsitzungen, also ein Teil ist physisch im Sitzungsraum und ein Teil schaltet sich per Videokonferenz dazu. Es sind vor allem die Mitarbeiter, deren Büros weiter entfernt vom Rathaus liegen. Sie sparen damit Zeit und Vermeiden Verkehr.
  3. Wir bitten die Bürger um Terminvereinbarungen bevor sie aufs Rathaus kommen. Die Vorteile liegen auf der Hand: der Bürger muss nicht warten und unsere Mitarbeiter können sich auf den jeweiligen Fall vorbereiten.

Fix ist, dass die Wahl unter den Sportjournalisten auch 2020 durchgeführt wird. Auch wenn das Sportjahr Anfang März abrupt endete. Aber die Probleme, den „Sportler des Jahres“ am 20.12. im Kurhaus gemäß den aktuellen Bedingungen durchzuführen, sind immens. Glauben Sie dennoch an ein Happy End, dh. ein weiteres Zusammentreffen des deutschen Sports.

Auf jeden Fall glaube ich daran. Auch wenn das Zusammentreffen dieses Jahr sicher unter anderen Bedingungen erfolgen muss, ist es wichtig, dass wir positiv und proaktiv bei Veranstaltungen in die Zukunft planen. Das persönliche Gespräch ist gerade in diesen Zeiten umso wichtiger und die Sportler sehnen sich sicher danach, gerade in diesem Jahr nochmals zusammenkommen zu können. Wir sind in Baden-Baden bereit, alles dafür zu tun, damit diese Veranstaltung in veränderter Form stattfinden kann.

Wäre ein solcher Abend, sicherlich in bescheidenem Rahmen, quasi eine Gala light, für Baden-Baden und den deutschen Sport vielleicht sogar ein Signal für die Zukunft.

Das wäre ein schönes und wichtiges Signal für die Zukunft. Ein Signal, dass man mit veränderten Bedingungen bei Zusammenkünften zurechtkommen kann und dass wir speziell in Baden-Baden darum kämpfen, dass „die Konversation“ in all ihren Facetten auch weiterhin auf persönlicher Ebene stattfindet – gerade im Kurhaus, dem gesellschaftlichen Mittelpunkt unserer Stadt. Friedrich Weinbrenner hat schon 1821 mit dem Bau des Conversationshauses (das heutige Kurhaus) den Grundstein dafür gelegt, dass unsere Stadt für hochkarätige Treffen und herausragende Galaveranstaltungen bekannt wurde und dies soll auch weiterhin so bleiben.

Keiner kann in die Glaskugel schauen – aber welche Hoffnungen für die kommenden Monate haben Sie?

Wir haben bisher die Corona Pandemie gut bewältigt in Fragen Gesundheitsversorgung und Einhaltung der Hygieneregeln. Allerdings sind die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen schmerzhaft. Wir hoffen sehr, dass im Herbst wieder Kongresse und Veranstaltungen in größeren Gruppen möglich werden. Damit könnten auch die Kultureinrichtungen wie unser Festspielhaus den Betrieb aufnehmen. Auch für den Sport wünsche ich mir wieder mehr Möglichkeiten auch Zuschauer zuzulassen, so dass z.B. Fußballstadien oder auch die Galopprennbahn Iffezheim wieder Besucher einladen können. Auch hoffe ich auf eine Entspannung bei den Reisemöglichkeiten, um die Wirtschaft und den Tourismus wieder ankurbeln zu können.

Auf jeden Fall setze ich auch weiterhin auf einen rücksichtsvollen Umgang der Menschen zur Vermeidung von neuen hohen Infektionszahlen

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