Bartko: Sportler-Wahl muss stattfinden

Auf der Bahnradmaschine gelang Robert Bartko in Sydney 2000 die Gold-Doublette, er führte den Vierer zur „Mannschaft des Jahres“. Und dreht auch heute an den Stellschrauben des Sports, aktuell als Leiter Verbands-Beratung und Sportförderung beim DOSB - doch drei Monate home office stellten den engagierten Macher vor ungewohnte Herausforderungen. Vor allem, weil es galt, auf die die Hilferufe der Verbände vor allem zur Finanzierung zu reagieren. „Jetzt steht die Rückkehr zum Wettkampf-Betrieb bevor“, hofft auch der 44-Jährige auf baldige Normalität.
Herr Bartko, früher reisten Sie von einer Wettkampfstätte zur anderen, bis vor gut einem Jahr zum Beispiel im Auftrag des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, vorher als Sportdirektor der deutschen Eisschnellläufer. Aber wie lange liegt Ihr letzter Besuch einer Sport-Veranstaltung nun zurück?
„Das war bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften Anfang März im Berliner Velodrom. Und seitdem arbeite ich im home office. Das DOSB-Büro (Anm.: sein Arbeitsplatz seit dem Sommer 2019) war geschlossen, es gab keinen Publikumsverkehr, die digitale Arbeit aber sorgte für eine neue Dimension des Team Play.“
Also glühten im wahrsten Sinne des Wortes die Drähte?
„Ja, eine intensive Zeit, angesichts der Beschränkungen selbst des Trainings – und das am Ende des olympischen Zyklus. Wir konnten, wenn nötig, die Verbände in verschiedenen Themen unterstützen und erlebten, wie in der Krise Kreativität entstand. Bei Verbänden, Vereinen, den Olympia-Stützpunkten. Die Bereitschaft an Lösungen mitzuarbeiten suggerierte, dass nicht Resignation regierte, sondern immer neue Perspektiven gefunden wurden.“
Aber den Sportlern zog die Verschiebung der Tokio-Spiele erstmal den Stecker.
„Natürlich. Leistungssportler auf dem Weg zu den Olympischen Spielen kann dadurch ein Stück Motivation fehlen, einige sind erst mal in ein Loch gefallen. Dass in dieser Phase der Sinn des Trainings nachgefragt wird, kann man verstehen.“
Während die Fußballer früh wieder in Punkterunden einstiegen...
„Geisterspiele sind sicher ein Zwischenschritt und ich weiß nicht, ob man das DFL-Hygiene-Konzept zum Vergleich heranziehen kann, das lässt sich 1:1 nicht auf andere Sportarten übertragen. Und: Fußball gehört auch zur Sport-Landschaft. Wir hoffen, dass der aktuelle Beschluss der Sportminister der Länder zum Wettkampfsport jetzt zeitnah zu einer bundesweit einheitlichen Position führt und wir ein Ende des Fleckenteppichs bekommen. Dann kann man die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Wir hoffen, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen beschränken, damit die Strukturen und der Zusammenhalt erhalten bleiben.“
Sie standen mit dem Vierer, der erstmals die 4-Minuten-Schallmauer in 3:59,710 unterbot, in Baden-Baden auf der Bühne – und sind häufig Gast bei der Sportler-Gala. Was kommt 2020?
„Sie muss stattfinden. Das ist eine Gelegenheit, die Sportarten zu verbinden, Sportler und Trainer zu würdigen. Mehr denn je wäre die Veranstaltung ein wichtiges Signal und die Wahl, auch wenn sie nicht einfach wird, eine Chance, besondere Leistungen zu beleuchten. Im Mittelpunkt hier steht immer der Athlet, dieses Format müssen wir auch im Jahr 2020 nutzen.“
Daheim vor den Toren Berlins: als Macher und Vater von drei Kindern, das war privat eine neue Erfahrung.
„Es ging vielen so, nicht nur der Familie Bartko. Aber wenn man so will, hat die Krise unserer Familie ganz gutgetan, so isoliert in unserem Dorf. Es entwickelte sich eine besondere Gesprächskultur: beim home schooling zum Beispiel mit unserem Junior, der an der Eliteschule in Potsdam lernt. Wir hätten eigentlich fünf Büro-Räume zuhause benötigt.“
Nichts ist so schwer wie der Blick in die Glaskugel…
„Der aktuelle Umgang mit der Extrem-Situation sollte eine Belohnung finden. Und wenn es in Tokio ganz außergewöhnliche Spiele werden, dann kann man das auch als Signal für den globalen Zusammenhalt nutzen. Niemand kann etwas vorhersagen, aber vom Herzen her hoffe ich auf keine weiteren Unterbrechungen.“  

Bild: Uli Hugger

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