Leichtathleten on the Road to Baden-Baden

Guido Kratschmer, „Sportler des Jahres“ von 1980 – als Zehnkampf-Weltrekordler – zählte bei Niklas Kauls WM-Coup mal genau nach: „Damit hat er meine Bestleistung von damals um 24 Punkte überboten. Das ist sensationell, höchstens mit einem dritten Platz hatte ich geliebäugelt.“ Frank Busemann, der vorerst letzte Sportler des Jahres aus der Mehrkampf-Szene (1996) war „froh, dass ich das live miterleben durfte. Niklas gelangen in kürzester Zeit Leistungen, die andere in ihrer ganzen Karriere nicht zusammenbekommen. Selten habe ich einen so abgezockten und sicheren Athleten gesehen.“ Die Stars von damals und die Beobachter der Leichtathletik-WM in der Wüste sehen in dem mit 21 Lenzen jüngsten Zehnkampf-Weltmeister der Historie nun einen Anwärter auf die Pole Position bei der 73. Wahl der deutschen Sportjournalisten.

Die sportlich hochwertigen aber sonst eher fragwürdigen Titelkämpfe erlebten am Schlusstag aus DLV-Sicht das zweite Highlight. Malaika Mihambo holte mit sensationeller Weite Gold im Weitsprung. Das war aufgrund ihrer bisherigen Supersaison fast erwartet worden, aber nicht nur ihren Fans im heimischen Oftersheim stockte der Atem, als sie im dritten Versuch vor dem Ausscheiden stand. Dann gelang der 25-Jährigen der „beste Sprung meines Lebens“ oder der „Sprung in die Geschichtsbücher“ (wie ZDF-Reporter Peter Leissl kommentierte). 7,30 Meter. Mit 38 cm Vorsprung auf Rang 2 gewann sie die Konkurrenz, zum siebten Mal hatte sie in diesem Jahr die magische Sieben-Meter-Marke überwunden. „Sie wird mal eine ganz Große. Sie strahlt dieses Gewinn-Wollen aus“, beschrieb Heike Drechsler, im Olympia-Jahr 2000 „Sportlerin des Jahres“, die Gene ihrer Nachfolgerin.

2018 hatte Malaika als Europameisterin von Berlin Platz 9 bei der Sportler-Wahl belegt, vorher gehörte sie zu den Gästen bei der traditionellen Vor-Pressekonferenz im Brenners Parkhotel. Schon damals vermochte die Hobby-Pianistin („man kann wunderbar abschalten“) die Anwesenden mit dem Blick über den Tellerrand hinaus zu überraschen. Jetzt will die Weltmeisterin bei einem Trip durch Asien abschalten. Bevor am 15. Dezember ein „Tag der Leichtathletik“ bei der Sportler-Gala im Kurhaus von Baden-Baden und medial in der Sondersendung des ZDF bevorstehen könnte.

Neben zweimal Gold gewannen die deutschen Katar-Starter vier Bronzeplaketten. Gesa Felicitas Krause (Vierte der SdJ-Wahl im Vorjahr) katapultierte sich über 3000 m Hindernis ebenso aufs WM-Treppchen wie Konstanze Klosterhalfen (5000 m) und „Mama“ Christina Schwanitz („Sportlerin des Jahres“ 2015) mit der Kugel - sowie Speerwerfer Johannes Vetter.    

DLV-Präsident Jürgen Kessing glaubt, „dass die deutsche Leichtathletik auch in diesem Jahr wieder tolle Kandidaten für die Gala Sportler des Jahres präsentiert. Unsere Gold-Asse sowie die Bronzemedaillen-Gewinner hoffen bei dem Highlight des Jahres auf das Votum der deutschen Sportjournalisten. Das ist immer ein sportlicher Rückblick der besonderen Art und in diesem Jahr eine ideale Einstimmung auf das Olympiajahr 2020.“

Bilder: picture alliance

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