Dirkules: Der Längste unter den Größten

So gespannt wie noch selten zuvor hatten die 700 festlich gekleideten Gäste im großen Benazét-Saal des Kurhauses von Baden-Baden an diesem Dezember-Abend des Jahres 2011 auf den riesigen Bildschirm der Rückwand geblickt  Und wohl genau selten hatten die ZDF-Verantwortlichen zum gleichen Zeitpunkt „gebibbert“ und gezittert, dass diese „Schalte“ über Tausende von Kilometern hinweg bloß nicht zusammenbrechen würde. Denn schließlich galt es, einen Mann als „Sportler des Jahres“ zu ehren, der – jenseits des „großen Teichs“ - eben auch Großes vollbracht hatte. Etwas, was noch nie einem deutschen Basketballer gelungen war. Meister der amerikanischen Profi-Liga, dem Herzstück dieses Sports schlechthin, zu werden.
Mittlerweile wissen (wir) es alle: Die „Schalte“ klappte und es wurde ein ganz emotionales Gespräch zwischen Katrin Müller-Hohenstein, Rudi Cerne und dem Mann, der diese Woche seinen Abschied vom Profi-Sport, das Ende seiner Karriere verkündet hatte. In seinem „Wohnzimmer“, der Spielstätte der Dallas Mavericks: Dirk Nowitzki, ein Mann von mittlerweile 40 Jahren. Einer, dem nicht nur wegen dieses Titels, wegen zahlreicher „MVP’s“ (most valuable player),  sondern vor allem wegen seiner Aura, seiner menschlichen Größe und der Treue zu seinem ersten und einzigen Verein die Herzen der Basketball-verrückten Amis nur sund zugeflogen waren.
Unglaubliche 21 Jahre hatte „Dirkules“, der ehemals unbedarfte Junge aus „good old Germany“ seinen „Mav’s“ die Treue gehalten. Ihm war vor allem eines gelungen, was ihm ein bis dato unbekanntes Alleinstellungsmerkmal verlieh: Ein Mann zu werden, dessen Karriere auf höchstem Niveau sich ausschließlich in den USA abspielte, der sich aber nie zu schade war, in seiner „Freizeit“ auch das Trikot mit dem Bundesadler bei Welt- und Europameisterschaften an zu ziehen. Jemand, der Respekt und höchstes Ansehen in den USA und in Deutschland, das er mit 19 Jahren verlassen hatte, über zwei Jahrzehnte hinweg für sich in Anspruch nehmen durfte.
Jetzt, wo er weiß, dass „der Körper keine weitere Saison, kein Trainingscamp, keinen Reisestress mehr mitgemacht hätte“, freut er sich auch einmal auf die kleinen Annehmlichkeiten des Lebens. Auf Dinge, die engem Profi nicht vergönnt waren: „Mal eine Pizza oder ein Eis zum Frühstück. Und einfach mal nicht funktionieren zu müssen.“ Dirk Nowitzki hat sich in 20 Jahren seinen Platz in der Ahnengalerie der größten deutschen Sportler neben neben Becker, Beckenbauer, Schumacher und wie sie alle heißen, gesichert. Der Längste unter den Größten ist er mit 2,13 Metern sowieso.

Bild: picture alliance

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